Die Villa Berg - einst ließ sie ein verliebter Kronprinz Karl für seine russische Frau Olga errichten. Foto: the

Firmengruppe bedient sich aus Insolvenzmasse von Häussler, muss aber um Genehmigung bangen.

Stuttgart - Das Schicksal der Villa Berg und der Streit um Ersatzbauten für die Fernsehstudios im Park kommen wieder auf die politische Tagesordnung. Eine Düsseldorfer Investorin hat die Immobilien aus der Insolvenzmasse der Häussler-Gruppe gekauft - die alten Probleme bleiben.

Wie viel Geld fließt und wie die weiteren Konditionen aussehen, möchten die Beteiligten lieber nicht mitteilen. Sicher ist: Die Düsseldorfer PDI-Gruppe (Property Development Investors) hat die denkmalgeschützte Villa mit rund 1000 Quadratmeter Nutzfläche, die alten Fernsehstudios des Südwestrundfunks (SWR) mit rund 20000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche, das Erbbaurecht an der Parkgarage bei der Villa und Grundstücke mit insgesamt fast 17.000 Quadratmeter Fläche aus der Insolvenzmasse von Rudi Häussler gekauft.

Die Verträge sind schon unterzeichnet. Das gesamte Investitionsvolumen beschreibt PDI-Chef Mathias Düsterdick als "mittleren zweistelligen Millionenbetrag". Der bloße Kaufpreis für die Immobilien sei ein einstelliger Millionenbetrag - und nicht im oberen Spektrum.

Wohnen im Fernsehstudio?

Auf den ersten Blick scheint sich an den Vorhaben, die Häussler bis zu den wirtschaftlichen Problemen seiner Unternehmensgruppe schmiedete, wenig zu ändern. Die für den württembergischen Kronprinzen Karl gebaute, 1853 fertiggestellte Villa dürfte weiterhin nur für Gastronomie, Hotel, Konferenzen und Ausstellungen infrage kommen.

Dort, wo Häussler anstelle der Fernsehstudios noble Eigentumswohnungen erstellen wollte, möchte PDI ausschließlich oder vorrangig Mietwohnungen schaffen. Die Studios, die nach dem Krieg vom damaligen Süddeutschen Rundfunk (SDR) durch ein Sonderrecht in den Park gebaut werden durften und wohl Mitte 2012 durch einen Studioneubau des heutigen SWR überflüssig werden, sollen entweder in entkernten Gebäuden oder in Neubauten innerhalb der derzeitigen Baulinien entstehen.

Eine Erweiterung würde von der Stadt auch nicht toleriert. Sogar die Wohnnutzung in bisherigen Studios dürfte bei den Stadträten auf Widerstand treffen, weil damit langfristig Fremdkörper im Park bleiben würden. Das Ziel der Mehrheit im Rathaus ist es aber, diese Baumasse nicht ewig zu tolerieren. Da im gültigen Bebauungsplan die Art der Nutzung für Fernsehstudios festgeschrieben ist, hat die Stadt Mittel zur Verhinderung.

Auf Wohlwollen der Stadträte angewiesen

Besser sieht es für PDI im Fall der Villa aus: Für die Beseitigung des alten SWR-Sendesaals und den Innenumbau war Häussler schon die Zustimmung von Stadt und Denkmalschützern zugesagt - jedoch auf der Basis eines Konzepts von Behnisch Architekten. Das dürfte Städtebaubürgermeister Matthias Hahn auch betont haben, als er im Herbst mit den PDI-Vertretern verhandelte. Düsterdick plant mit anderen Architekten.

Schon im Fall von Häussler hatten sich viele Akteure im Rathaus gewundert, weshalb der erfahrene Unternehmer und Lokalmatador auf rechtlich so unsicherem Boden ein so teures und kompliziertes Projekt anging. Über die Beweggründe von Düsterdick, der vor Jahren beim Baulöwen Bülow in Stuttgart arbeitete und die Verhältnisse hier kennt, rätselt man jetzt nicht weniger. Immerhin hat PDI fast ein Jahr Vorarbeiten investiert und mit zwei Insolvenzverwaltern verhandelt, die drei insolvente Häussler-Firmen vertreten.

Er sei sich darüber im Klaren, sagt Düsterdick, dass man auf Wohlwollen der Stadträte angewiesen sei und ein "politischer Prozess" anstehe. Die Stadt könne aber auch kein Interesse daran haben, dass die Villa und die Studios weiter vor sich hingammeln. Anders als Häussler wolle man nicht über die Studioflächen hinaus massiv in den Park eingreifen. Man plane auch keine elitären Wohnungen und keine Zugangsbeschränkungen im Park. Man wolle dem Stuttgarter Osten nichts überstülpen. Der PDI-Chef: "Wir gehen ganz anders ran."

Eine Notbremse ist bei dem Projekt offenbar eingebaut. "Wie immer in solchen Fällen gilt der Vertrag vorbehaltlich der Baugenehmigung", sagt Insolvenzverwalter Hendrik Hefermehl, der für die Villa Berg zuständig war, während sein Branchenkollege Michael Pluta über die Studios und die Parkgarage bei der Villa verhandelte. Wie Hefermehl freut sich Pluta, der schon Häusslers halbfertigen Seepark in Möhringen verkaufen konnte, über den "schnellen Erfolg".

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