Kurt Pfaff ist stolz auf die Kopie der ersten StZ-Ausgabe (rechts). Das moderne Design gefällt ihm aber auch. Foto: Jacqueline Fritsch

Der Vaihinger Kurt Pfaff liest die Stuttgarter Zeitung, seit es sie gibt. Die erste Ausgabe erschien im September 1945. Damals war Pfaff gerade einmal 15 Jahre alt. Bis heute liest er einen Teil am liebsten.

Rohr - Kurt Pfaff sitzt in seinem Zimmer im Hans-Rehn-Stift und liest den Sportteil der Stuttgarter Zeitung. Den mag er am liebsten. „Ein Freund von mir ist 1946 deutscher Jugendmeister im 1500-Meter-Lauf geworden“, sagt Pfaff. Seitdem lasse ihn der Sportteil nicht mehr los. Die Stuttgarter Zeitungliest der 86-Jährige seit der ersten Ausgabe, die am Dienstag, 18. September 1945, erschien.

Zwei Seiten für 20 Pfennig

Den Rollator lässt Kurt Pfaff lieber in seinem Zimmer stehen. Rauf und runter, rein und raus läuft der 86-Jährige nur mithilfe eines Gehstocks. Kaum hat er sich draußen hingesetzt, fällt ihm etwas ein, und seine blauen Augen hinter der dicken Brille werden größer. „Den Brief muss ich unbedingt noch holen“, sagt er. Und schon geht es wieder nach oben in den ersten Stock auf sein Zimmer. Dort liegt er; der Brief, auf den der Rentner so stolz ist. In dem Schreiben bedankt sich Pfaff bei der Stuttgarter Zeitung für das, was er für seine Treue bekommen hat. „Das Buch haben sie mir geschickt und eine Kopie der ersten Ausgabe“, sagt er.

Das Buch „Der ganz normale Wahnsinn“ setzt eine gewisse Kenntnis voraus, die der Rentner dank intensiven Zeitungslesens hat. Auf der Kopie der ersten Ausgabe steht über dem Datum rechts oben „Nummer 1“. Damals kostete die Zeitung 20 Pfennig. „Da waren es noch zwei Seiten. Im Lauf der Zeit ist sie immer dicker geworden – und teurer“, sagt Pfaff. Sogar kleine Änderungen fallen ihm auf. „Heute hat die Überschrift einen kleinen Schatten“, sagt er und hält die erste Ausgabe neben die aktuelle. Der Rentner spricht langsam und überlegt erst gut, was er sagen möchte. Viel spricht er nicht.

Lesen ist ihm wichtig

Der 86-Jährige hat auch regelmäßig verschiedene Zeitschriften und andere Zeitungen gelesen. Auch in die Stuttgarter Nachrichten habe er hin und wieder hineingesehen, wenn es sich angeboten hat. „Aber ich habe sie nicht extra gekauft“, sagt er. Nur an der Stuttgarter Zeitung ist er hängengeblieben, und die liest er bis heute. Überhaupt lese er sehr gerne und viel. „Das ist mein Lesestoff“, sagt er und fängt an, die Tüte auszupacken, die neben seinem Bett steht. „Da hab ich mich etwas überschätzt“, meint er und lacht. So viele Bücher könne er während des kurzen Aufenthalts im Pflegezentrum wohl doch nicht lesen. Die Tageszeitung ist aber ein Muss für den gebürtigen Vaihinger – seit 72 Jahren.

Bald darf Kurt Pfaff wieder nach Hause zu seiner Frau; seine Kurzzeitpflege im Hans-Rehn-Stift ist zu Ende. „Meine Frau besucht gerade unseren Sohn in Frankreich“, erklärt er. Sobald sie zurückkommt, kann sie sich wieder um ihren Mann kümmern. Die Stuttgarter Zeitung hat er sich selbstverständlich ins Pflegezentrum schicken lassen, auch wenn es nur für ein paar Wochen war.

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