Phyl Nyno ist auf dem Fasanenhof aufgewachsen und lebt nun in Vaihingen. Für ihn ist das der schönste Stuttgarter Stadtbezirk. Foto: Tilman Baur

Phyl Nyno liebt den Rap und hat sein erstes Musikvideo produziert. Nun hofft der Vaihinger auf den großen Durchbruch. Wir haben ihn getroffen und mit ihm über coole Outfits und Musik gesprochen.

Vaihingen - Camouflage-Hemd, Camouflage-Helm, dazu eine Krawatte im Leopardenmuster: Das ist der Aufzug, den der Rapper Phyl Nyno aus Stuttgart-Vaihingen für sein kürzlich veröffentlichtes Musikvideo „Camouflage & Leopard“ gewählt hat. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, aber eins ist klar: halbgare Sachen sind nichts für den 24-Jährigen. Er mag klare Statements. Und den Look trägt er völlig frei von Ironie: „Es gefällt mir wirklich, ich habe ziemlich viel Kleidung in dem Stil“, sagt er.

Mit seiner Musik will er jetzt durchstarten. Schon seit seiner Jugendzeit rappt Phyl Nyno. Ein echter Klassiker hat ihm damals den Hip-Hop schmackhaft gemacht: „Can’t Touch This“ von MC Hammer. Der gut gelaunte Beat des Amerikaners gefiel ihm auf Anhieb, weil er sich vom düsteren Gangster-Rap absetzte, der in seiner Jugend in Mode war. „Die Fantastischen Vier waren damals schon nicht mehr in, und Cro gab es noch nicht“, erzählt Phyl Nyno, der mit bürgerlichem Namen Philipp Torres heißt und als Verkäufer in einer bekannten irischen Textilkette arbeitet. Weil er in der Schule gehänselt wurde, beschloss er, selbst zu rappen. „Ich wollte Aufmerksamkeit erregen“, sagt Nyno.

Glatter Pop-Rap passt nicht zu ihm

In den vergangenen Jahren hat der zweifache Familienvater einige Tracks aufgenommen und Videos gedreht. „Das war aber alles eher auf Amateurniveau“, sagt er. Diese Zeit bezeichnet er deshalb als langes Trainingscamp. Abgeschlossen ist es noch nicht, Nyno sucht noch nach seinem endgültigen Stil. Harter Hund oder netter Gute-Laune-Bär, vor dieser Frage steht er. Cro, den Rapper mit der Panda-Maske, bezeichnet er als Vorbild. Doch dessen glatter Pop-Rap passe nicht zu ihm, meint sein Manager.

Im Musikvideo wählt Nyno deshalb den Weg der bewussten Verwirrung. „Camouflage und Leopard, Phyl Nyno ist wieder da, jetzt wird Hip-Hop wieder brav, ey, hör‘ doch mal in den nächsten Part“, singt er, während er im Leoparden-Kapuzenpulli vor den Kavaliershäuschen des Schloss Solitude entlang spaziert und im Hintergrund Maschinengewehrfeuer ertönt.

Ob der „nächste Part“ dann tatsächlich brav ausfällt, davon dürften sich die Hörer selbst überzeugen, meint Nyno. Den allgemein bekannten Hip-Hop-Habitus jedenfalls spielt er im Video routiniert durch: Er lässt sich von leicht bekleideten Frauen mit Palmzweigen Luft zufächern oder hängt mit seiner Clique und einem überdimensionierten Gettoblaster im Park ab.

Die Rapper-Karriere bleibt ein Hobby

Neben „Camouflage & Leopard“ hat Phyl Nyno sieben Tracks fertig. Ob da bald noch Auftritte folgen? „Mein Manager will, dass ich alle Songs fertig habe, und erst danach kommen die Auftritte“, so der gebürtige Fasanenhofer, für den sein Bezirk Vaihinger der schönste in Stuttgart ist.

Wie schnell das alles geht, steht noch nicht fest – neben Full-Time-Job und Familie ist und bleibt die Rapper-Karriere eben ein Hobby. Bleibt noch die Sache mit dem kaum auszusprechenden Namen. Er ergibt sich einerseits aus Phyl Nynos Vornamen, Philipp. Sein Nachname, Torres, macht ihn zum Namensvetter des Fußballers Fernando Torres, der wiederum auf den Spitznamen „El Nino“ („das Kind“) hört. Und die Ypsilons? „Das i hat doch jeder. Das Y ist eben mein Alleinstellungsmerkmal“, sagt er. Ein bisschen Eitelkeit gehört im Hip-Hop eben zum Geschäft.

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