Kurzstrecke nicht möglich: Von der Endhaltestelle der Buslinie 61 bis zum Untertürkheimer Bahnhof müssen Fahrgäste 2,50 Euro zahlen. Foto: Mathias Kuhn

Rotenberger und Luginsländer, die in Untertürkheim einkaufen wollen, müssen für die Busfahrt 2,50 Euro bezahlen. Der Bezirksbeirat findet den Tarif zu hoch und fordert ein Kurzstreckenticket.

Rotenberg - Wer von Rotenberg oder von Luginsland etwas im Untertürkheimer Ortskern erledigen will und aufs eigene Auto verzichtet, muss hin und zurück fünf Euro für die Busfahrten bezahlen. Das ist unverhältnismäßig teuer, reklamieren Untertürkheims Bezirksbeiräte seit Jahren. Vom Cannstatter Bahnhof gelangen Fahrgäste mit einer Kurzstreckenfahrkarte für 1,40 Euro bis zum Stuttgarter Hauptbahnhof, aber von der Endhaltestelle in Rotenberg bis zum Untertürkheimer Bahnhof müssen die Fahrgäste ein Ticket für 2,50 Euro lösen. Ähnlich ergeht es den Bewohnerinnen und Bewohnern von Luginsland, die im Untertürkheimer Ortskern etwas einkaufen oder ins Postamt bringen wollen. Der Grund: Beide Stadtteile gehören zwar zum Stadtbezirk und sind auch nur zwei bis drei Kilometer vom Zielort entfernt, aber das Kurzfahrticket gilt nur für eine Fahrt bis zur dritten Haltestelle nach dem Einstieg. Von Rotenberg bis zum Karl-Benz-Platz oder umgekehrt vom Karl-Benz-Platz bis zur Gaststätte Luginsland sind es allerdings mehr als drei Haltestellen. Ein Einzonen-Ticket für 2,50 Euro ist Pflicht.

Prüfantrag gestellt

In Hinblick auf die Tarifstrukturänderung, die am April verzogen wird, wird sich die Diskrepanz noch stärker verändert. Die bislang zwei Zonen für Stuttgart verschmelzen dann zu einer. „Die VVS-Nutzer können künftig mit einem Einzonenticket von einem Ende der Stadt bis zum anderen Ende reisen, was wir begrüßen. Den gleichen Preis müssen die Rotenberger und Luginsländer aber auch für die viel kürzere Fahrt innerhalb ihres Stadtbezirks bezahlen“, erklärt Gerald Multerer von den Freien Wählern. Seine Fraktion hat deswegen einen Antrag gestellt. Die Stuttgarter Straßenbahn AG soll nochmals überprüfen, ob nicht doch die Möglichkeit besteht, die stadtbezirksinterne Fahrt mit einem Kurzstreckenticket zurückzulegen.

Verkehrsentlastung erhofft

Bürgerinnen und Bürgern ohne eigenes Fahrzeug würde diese Regelung finanziell entlasten und jene, die ein Auto besitzen, würden vielleicht dazu animiert, aufs eigene Fahrtzeug zu verzichten, wenn sie zum Einkaufen fahren oder eine Veranstaltung im Ortskern besuchen wollen. „Das hohe Verkehrsaufkommen in der Kappelberg- und Großglocknerstraße würde dadurch verringert werden“, argumentiert Multerer. Die anderen Fraktionen stimmten dem Antrag zu. „Wir wärmen eine Forderung, die wir bereits vor zwei Jahren erhoben haben, unter den neuen Gegebenheiten auf. Vielleicht mit ein bisschen mehr Erfolg“, so SPD-Bezirksbeirat Werner Kapitza.

Die Untertürkheimer sehen sich dabei im Einklang mit den Nachbarn aus Obertürkheim und Hedelfingen. Denn auch dort haben die Bezirksbeiräte das Ärgernis erkannt. SPD-Gemeinderatskandidat Michael Jantzer fordert seit einigen Monaten ein Nahversorgungsticket, mit dem die Uhlbacher für 1,40 Euro zum Einkaufen nach Obertürkheim fahren können. Die Fahrt dauert ebenfalls mehr als drei Haltestellen. „Und die Einkaufsmöglichkeiten in Uhlbach sind begrenzt“, sagt Jantzer. Den gleichen Herausforderungen sehen sich die Bürger aus Rohracker gegenüber. Hin und zurück sind sie fünf Euro los. Momentan noch.

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