Dietlinde Bischoff ist am 26. Mai wieder im Einsatz. Foto: Elke Hauptmann

Rund 3700 Freiwillige werden am Superwahltag, dem 26. Mai, in Stuttgart als Wahlhelfer im Einsatz sein. Eine von ihnen ist Dietlinde Bischoff. Die 82-Jährige ist seit Jahrzehnten dabei – „weil es einfach Spaß macht“.

Uhlbach - Welche Wahl ihre erste war, daran kann sich Dietlinde Bischoff nicht mehr genau erinnern. „Es ist ja auch schon so lange her.“ In den 60er-Jahren sei es gewesen, als sie das erste Mal in einem Wahllokal aushalf. „Das war damals eine Gaststätte in der Augsburger Straße in Obertürkheim. Da haben wir nebenher die Jukebox laufen lassen“, erzählt die 82-Jährige mit einem Schmunzeln.

Zu dieser ehrenamtlichen Tätigkeit kam sie über einen SPD-Mann aus dem Ort, der die damalige Bankangestellte um Unterstützung bat. Sie habe eben nicht „Nein“ sagen können, räumt die freundliche Frau fast entschuldigend ein. Und sie habe ihre Zusage auch nie bereut. Seither ist sie fast immer dabei, wenn in Stuttgart das Europa- oder Regionalparlament, der Bundes- oder Landtag oder der Gemeinderat gewählt wird. „Weil es einfach Spaß macht.“ Die Organisatoren vom Statistischen Amt müssten bei ihr schon gar nicht mehr nachfragen, sie sei als Wahlhelferin so gut wie gesetzt. „Solange es mir gesundheitlich möglich ist, werde ich auch weiterhin dabei sein.“ Fit und aktiv ist sie noch – als Mitglied im Turnverein Uhlbach, im örtlichen Musikverein, im Bürgerverein Obertürkheim und als Sängerin im Kirchenchor.

Ausweiskontrolle oft nur Formsache

Dietlinde Bischoff kommt im Wahllokal vor allem ihr früherer Beruf entgegen: 41 Jahre lang war sie bei der Landesgirokasse in Obertürkheim und Uhlbach tätig. „Dadurch kenne ich sehr viele Leute im Stadtbezirk.“ Wenn sie am Tisch sitze, vor sich das Verzeichnis der Wahlberechtigten, sei es häufig reine Formsache, sich von ihnen einen Ausweis zeigen zu lassen. Schön sei auch, dass man manchmal Menschen treffe, die man lange nicht mehr gesehen habe und kurz ins Gespräch komme, erzählt die wortgewandte Dame. „So wird es einem nicht langweilig.“ Die vier Stunden – sie ist immer am Vormittag im Einsatz – könnten mitunter ziemlich lang werden, räumt Dietlinde Bischoff ein. „Mal ist mehr, mal weniger los.“ Vor allem die Witterung mache sich bemerkbar: „Bei schönem Wetter kommen viele Leute gleich früh am Morgen, weil sie an dem Tag noch etwas unternehmen wollen. Bei schlechtem Wetter trudeln sie nach und nach ab dem späten Vormittag ein.“ Auch auf die Art der Wahl komme es an: Der größte Andrang im Wahllokal herrscht ihrer Erfahrung nach bei den Bundestagswahlen, bei Kommunalwahlen sei hingegen eher weniger los. Warum das so ist? Eine Erklärung dafür hat sie nicht. Vielleicht liege es auch ein wenig am komplizierten Wahlverfahren. Wegen der Vielzahl der zu vergebenden Stimmen müssten die Wahlhelfer dann viel erklären. Die meisten Wähler seien übrigens nett, findet Dietlinde Bischoff. Aber manchmal wundere sie sich doch: „Einmal kam einer mit einer Generalvollmacht für seinen Vater rein und wollte für ihn wählen. Aber so etwas geht nicht.“ Sie selbst gibt ihre Stimme übrigens erst nach ihrem Freiwilligendienst ab.

Stadt sucht Helfer

Wenn am 26. Mai die Europa-, Regional- und Gemeinderatswahl stattfindet, wird die Uhlbacherin wieder im Wahllokal in der Sporthalle der Obertürkheimer Grundschule im Dinkelacker sitzen. Sie wird eine von rund 3700 Wahlhelferinnen und Wahlhelfern sein, die an diesem Sonntag in 350 Wahllokalen im gesamten Stadtgebiet sowie in den Briefwahlzentren in Degerloch und Bad Cannstatt im Einsatz sind. „Im Moment fehlen noch in fast allen Stadtbezirken Helfer“, sagt Thomas Schwarz, der Leiter des Statistischen Amtes. Nur in Sillenbuch und Weilimdorf hätten sich bereits genügend Freiwillige gemeldet. Schwarz zeigt sich aber zuversichtlich, dass sich noch genügend Interessenten melden. Man habe noch niemanden zum Dienst verpflichten müssen, so Schwarz. Immerhin gibt es auch ein kleines Taschengeld: Für den ehrenamtlichen Einsatz am Wahlsonntag wird eine Pauschale von 66 Euro gezahlt.

In den Wahllokalen wird am Wahlsonntag ab 7.30 Uhr in zwei Schichten gearbeitet. Ab 18 Uhr bis etwa 23 Uhr zählen dann alle Mitglieder des Wahlvorstands gemeinsam die Ergebnisse aus. Der Einsatz bei der Briefwahlauszählung beginnt am Wahlsonntag um 14 Uhr und endet etwa um 23 Uhr. Wer Wahlhelfer werden möchte, muss volljährig sein, in Stuttgart seinen Hauptwohnsitz haben und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Bis Mitte April kann man sich noch im Bezirksamt seines Stadtbezirkes melden.

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