Sanierungsbedürftig: die Stuttgarter Stäffele Foto: Petsch

Damit die Stäffele nicht verkommen, muss die Stadt in ihre Restaurierung investieren.

Stuttgart - Die Stuttgarter Stäffele führen auf alten Wengerter-Stufen von den Rändern der Innenstadt auf die Hanglagen. Schon lange sind sie nicht mehr saniert worden. Damit sie nicht zum Treppenwitzverkommen, muss die Stadt in die Restaurierung investieren.

Stufenweise werden die Stuttgarter Stäffele saniert. Nachdem die Sünderstaffel in den vergangenen beiden Jahren renoviert wurde, wären jetzt im wesentlichen die Stäffele am Schwabtunnel und die Willy-Reichert-Staffel an der Reihe, damit sie nicht nur verkehrssicher bleiben, sondern wieder zu Schmuckstücken werden.

Das Tiefbauamt veranschlagt dafür pro Tunnelseite rund 900.000 Euro. Im November tragen Bauhofmitarbeiter ihr Vorhaben im Gemeinderat vor. Mitglieder der SPD-Stadtratsfraktion haben sich jetzt ein Bild vom Ausmaß der Schäden gemacht.

Auf der Wunschliste des Amts

"Im Jahr 2009 hat die Stadt bis zum Jahr 2011 rund 100.000 Euro als Sondermittel für die Stäffele zur Verfügung gestellt", sagt Jürgen Mutz vom Tiefbauamt. Damit sei vor allem die Sünderstaffel gerichtet worden. Mutz: "Uns ging es dabei nicht nur um die Sicherheit für die Fußgänger, wir wollten auch das Kulturdenkmal sichtbar machen."

Jetzt stehen die Treppen an beiden Portalen des Schwabtunnels auf der Wunschliste des Amts. Der Tunnel, der in den Jahren von 1894 bis 1896 von Carl Kölle erbaut wurde, gilt als breitester Tunnel seines Baujahrs in Europa. Mythologische Figuren krönen seine Portale, doch an den Treppenstufen aus Granit und den Ballustraden aus Sandstein nagt der Zahn der Zeit.

Die Fugen zwischen den Treppenstufen sind so beschädigt, dass einige der massiven Granitstufen herausgehoben und neu verlegt werden müssen. An den Sandsteinpodesten auf den Treppenabsätzen verwittern die Oberflächen, sie haben Risse, in denen Frost und Feuchtigkeit rasch weitere Schäden anrichten. Außerdem bröckelt die Verschalung der Podeste und zerstört den Eindruck massiver Sandsteinblöcke, denn Ziegelmauerwerk kommt drunter zum Vorschein. Die knapp 200.000 Euro, so Mutz, welche die Restaurierung der Tunneltreppen kosten, wären gut angelegt, denn damit würden weitere, größere und am Ende noch teurere Schäden vermieden.

Auch bei der ganz in der Nähe gelegenen Willy-Reichert-Staffel sieht es nicht gut aus. Stufen beginnen sich zu neigen, es bilden sich Absätze, an denen Spaziergänger hängen bleiben können, das eiserne Treppengeländer ist windschief, und die Handläufe sind so aufgeraut, dass man sich verletzen kann. Gefährlich für den nicht allzu festen Sandstein ist wucherndes Efeu, das gebändigt werden müsste. Die Kosten für die Staffel: rund 75.000 Euro.

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