Jan Stroman würde sogar selbst Hand anlegen, um den Friedhof wieder herzurichten. Foto: Caroline Holowiecki

Auf dem Friedhof in Stuttgart-Sillenbuch sind die Wege zwischen den Grabfeldern derart zugewuchert, dass man sie stellenweise gar nicht mehr sieht. Einen 83-Jährigen stört das so sehr, dass er gern selbst Hand anlegen würde. Er darf aber nicht.

Sillenbuch - Stuttgart rühmt sich gern damit, eine besonders grüne Großstadt zu sein. Wenn sich Jan Stroman auf dem Alten Friedhof in Sillenbuch umschaut, dann hat die Freude darüber Grenzen. Denn die schmalen Gehwege zwischen den Gräbern sind derart zugewuchert, dass man sie teilweise überhaupt nicht mehr erkennen kann. Moos hat die Granitsteine unter sich begraben, dicke Grasbüschel ragen aus den Ritzen hervor. „Bald ist Totensonntag, und das macht keinen guten Eindruck“, sagt er. Aber nicht nur über „die Verlotterung“ des Alt-Sillenbucher Friedhofs ärgert sich der 83-Jährige, er sorgt sich vor allem um die Sicherheit der Besucher.

Man könne leicht ausrutschen

„Hier sind viele alte Leute unterwegs, an die sollte man auch denken“, sagt Stroman und zeigt auf das Moos, das an diesem Morgen feucht glitzert. Darauf könne leicht jemand ausrutschen. Zudem bilden die festen Grasbüschel und Steine, die sich gehoben haben, Stolperfallen, moniert er. Laut Jan Stroman hält dieser Zustand schon lang an.

Im vergangenen Jahr hat der Rentner daher das städtische Friedhofsamt kontaktiert und darum gebeten, sich der Sache anzunehmen. Als Antwort habe er schriftlich bekommen, dass es zum einen an Personal mangele, zum anderen seien Unkrautvernichtungsmittel verboten. Der Brief habe mit dem Versprechen geendet, dass man schauen werde, wie man des Grüns mit mechanischen Mitteln Herr werden könne.

Seither aber, betont der Adressat, ist nichts passiert. Jan Stroman sieht sich auf dem kleinen Friedhof von 1870 um. Zwar finden hier noch Bestattungen statt, viele Grabstätten sind aber aufgelöst. Die Stadt nehme hier wohl nicht mehr viel ein, überlegt der Senior, „aber das ist kein Argument, den Friedhof so zu vernachlässigen“. Jan Stroman will nicht als Nörgler wahrgenommen werden. Dem Friedhofspersonal macht er ausdrücklich keinen Vorwurf. Nur das Argument mit dem Verbot von chemischen Mitteln, das verstehe er nicht. Er bietet daher an, mit seinen 83 Jahren selbst Hand anzulegen – wenn er nur die Erlaubnis bekommt, Unkrautvernichter einzusetzen. „Ich würde zeigen, wie es geht“, sagt der Rentner und lächelt.

Zu harken sei zu personalaufwendig

Dazu wird es aber nicht kommen – beziehungsweise: nicht kommen müssen. Martin Thronberens, ein Sprecher der Stadtverwaltung, erklärt, dass man solche Probleme in der Vergangenheit mit Glyphosat gelöst habe, „das darf man in Stuttgart aber nicht mehr, weil Glyphosat im Verdacht steht, krebserregend zu sein“. Die Alternative per Harke sei sehr personalaufwendig, gibt er zu bedenken, viele andere Arbeiten hätten schlichtweg Priorität. Dennoch erklärt Martin Thronberens, dass sich das Friedhofsamt noch in diesem Herbst der Sache annehmen wird: „Für Oktober ist eine Maßnahme geplant.“

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