Vor der Paracelsus-Apotheke parken Autos oft unerlaubt auf dem Gehweg – wie der schwarze Wagen rechts. Foto:  

Viele Autofahrer in Stuttgart-Plieningen brausen hemmungslos über Gehwege. Nun wurden Vorschläge entwickelt, um den Ortskern sicherer zu machen. Doch längst nicht alle sind darüber glücklich.

Plieningen - So hatten sich das Christopher Schmid und Carsten Lehmkühler wohl nicht vorgestellt. Die beiden Mitarbeiter des Stuttgarter Tiefbauamts haben in den vergangenen zwei Monaten Vorschläge entwickelt, um die Filder­hauptstraße in Plieningen sicherer zu machen. Bei einem Rungang Ende Juni hatten rund 25 Bürger dem Sicherheitsbürgermeister Martin Schairer gefährliche Stellen im Ortskern gezeigt. Doch die Vorschläge von Schmid und Lehmkühler stießen in der Bezirksbeiratssitzung am Montagabend beileibe nicht nur auf Gegenliebe.

Wohin sollen die Poller kommen?

Insgesamt elf Poller wollen die Mitarbeiter des Tiefbauamts rund um die Filder­hauptstraße aufstellen: vier an der Ecke zur Linkenstraße, vier an der Ecke zum Halfgarten und drei an der Kreuzung zur Turnierstraße. Damit sollen Autofahrer, die gerne mal Gehwege und Busspuren schneiden, um bequemer in eine Straße oder Einfahrt abbiegen zu können, zum richtigen Fahrverhalten gezwungen werden. Denn das Schneiden der Kurven ist für Fußgänger, insbesondere Kinder, gefährlich.

Was ist sonst noch geplant?

Das Tiefbauamt plant, eine Fußgängerampel auf Höhe der Echterdinger Straße 19  zu installieren. In der direkten Umgebung gibt es zwei Kitas, deshalb sind dort viele Kinder unterwegs; die sollen sicherer die Straße queren können. Vor die Eisdiele Eisschnuppe soll ein Fahrradbügel kommen, damit Autos nicht mehr den Gehweg schneiden können. Zudem soll der Steinpfosten, der bereits dort steht, rot-weiß bemalt werden, damit man ihn besser sieht. In der Vergangenheit war der Pfosten mehrfach angefahren worden. Vor der Paracelsus-Apotheke ist ebenso ein Fahrradbügel geplant, sodass Autos dort nicht mehr unerlaubt auf dem Gehweg parken.

Warum gibt es dafür Kritik?

Die Bezirksbeiräte fühlen sich teilweise übergangen von den Vorschlägen des Tiefbauamts. „Wir bekommen das vor den Latz geknallt. Ich hätte mir gewünscht, dass der Plieninger Verkehrsausschuss miteinbezogen worden wäre“, sagte Michael Wörner, Bezirksbeirat der CDU, in der Sitzung am Montagabend. Außerdem hätten einige Lokalpolitiker lieber einen Zebrastreifen statt einer Fußgängerampel an der Echterdinger Straße, sodass der Verkehr nicht so lange ausgebremst wird. Und: Viele halten die typischen grauen Poller für wenig ansehnlich und bevorzugen stattdessen Bäume, Blumenkübel oder Fahrradbügel. Dagegen spricht laut Christopher Schmid, dass sich um Blumenkübel jemand kümmern müsse; deshalb habe das Gartenamt dies abgelehnt. Um Bäume zu pflanzen oder Radbügel zu installieren, braucht es eine gewisse Flächengröße, die an den fraglichen Stellen nicht vorhanden ist.

Ist der Ortskern denn so gefährlich?

Teilweise ja. An der Filderhauptstraße ist der Gehweg zugunsten der Barrierefreiheit sehr niedrig. Das führt dazu, dass einige Autofahrer hemmungslos über Gehwege fahren. Zudem rauscht durch die Nähe zur Autobahn und die vielen Läden und Lokale viel Verkehr durch den Plieninger Ortskern. Als die Polizei kürzlich die Unfallstatistik für 2017 vorstellte, betonten die Beamten aber, dass es an der Filderhaupt­straße keinen Unfallschwerpunkt gebe. 2017 gab es dort acht Unfälle, die fast alle auf Vorfahrtsfehler zurückzuführen waren.

Wie geht es nun weiter?

Nach einer längeren Diskussion haben sich die Lokalpolitiker darauf geeinigt, dass sich der Verkehrsausschuss aus Plieningen noch einmal mit den Vorschlägen des Tiefbauamts befasst und die einzelnen Fraktionen sich ebenfalls erneut beraten. Die Ergebnisse sollen dann mit den Mitarbeitern des Tiefbauamts diskutiert werden.

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