Pfarrer Hans-Peter Ziehmann geht Ende Juni in den Ruhestand. Foto: Ralf Recklies

Mehr als zehn Jahre war Hans-Peter Ziehmann Pfarrer in Stuttgart-Plieningen. Das ist bald vorbei. Der Geistliche bleibt aber auf den Fildern wohnen. Künftig teilen sich zwei Theologinnen teilen sich künftig die Pfarrstelle.

Plieningen - Zehn Jahre sind es im April gewesen, dass der evangelische Theologe Hans-Peter Ziehmann seine Investitur als Gemeindepfarrer in Plieningen gefeiert hat. Am 30. Juni wird er in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Schon seit April wohnt der in Esslingen Geborene nicht mehr im Plieninger Pfarrhaus. Er lebt bereits in Denkendorf (Kreis Esslingen), wo seine Frau als Grundschullehrerin tätig ist. „Ich bleibe aber auf den Fildern“, sagt Ziehmann, der vor seiner Plieninger Zeit mehr als 20 Jahre in Denkendorf tätig war: erst 13 Jahre als Gemeindepfarrer, dann als theologisch Verantwortlicher für die Prädikanten und Mesner in der württembergischen Landeskirche. Gezielt hatte sich Ziehmann einst als Pfarrer in Plieningen beworben, um die Kinder nicht aus ihrem Umfeld zu reißen. „Das war eine familienfreundliche Lösung“, sagt er – für die fünfköpfige Familie ging es nur zehn Kilometer gen Westen.

Gesund in den Ruhestand

Ziehmann freut sich in Zukunft vor allem auf eines: „Auf mehr Abende, über die ich selbst verfügen kann.“ Dass er gesund in den Ruhestand gehen kann, stimmt ihn froh. Schließlich war es um seine Gesundheit nicht immer gut bestellt. Vor allem in der Folge der Außensanierung der Martinskirche – „das war eine Aufgabe, die ich mir wirklich nicht gesucht hatte“ –, ging es ihm zeitweise nicht gut. Das Projekt habe ihn viel Kraft gekostet. Sehr positiv hat er aber in Erinnerung, wie viele gute Ideen die Plieninger entwickelt hatten, um einen Teil der Kosten für die gut 1,4 Millionen Euro Maßnahme zu erlösen. Der Aufwand habe sich gelohnt. Wenn die Ziegel in der Morgensonne glitzerten – „dann wird einem deutlich, dass dies ein ganz besonderer Ort ist“. Plieningen habe schließlich etwas von Berlin und von Pisa: In der Martinskirche seien „das Rote Rathaus und der schiefe Turm“ vereint, sagt er schmunzelnd.

Das Predigen habe ihm stets viel Freude bereitet, „wobei es mir immer wichtig war, so zu predigen, dass es mir selbst gefällt“, sagt der Pfarrer. Die Leidenschaft fürs Predigen brachte ihm vor wenigen Jahren auch einen Platz unter den Top-Ten bei dem vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft ausgelobten Predigtpreis – bei mehr als 300 Mitbewerbern. Ein wenig stolz ist Ziehmann auch darauf, dass es gelungen ist, mit dem Martinsmantel einen Sozialfonds für Plieningen zu schaffen. „In so einem wohlhabenden Stadtbezirk ist das Armsein besonders schwierig“, sagt er. Er ist verblüfft, dass viele Unterstützungsbitten kommen, weil medizinische Leistungen nicht mehr übernommen werden.

Mit teils absonderlichen Wünschen konfrontiert

Mit „manchmal absonderlichen Wünschen, beispielsweise bei Trauungen“, sah sich Ziehmann hin und wieder konfrontiert. Ein Paar habe einmal gewollt, dass deren Hund die Eheringe zum Altar bringen darf. Meist hat es der Theologe mit Gelassenheit genommen: „Man braucht als Pfarrer ein weites Herz und viel Humor, an bestimmten Stellen aber auch Standfestigkeit“, sagt er. Denn nicht alles, was auf Hochzeitsmessen vorgestellt werde, könne man umsetzen. Jährlich hat Ziehmann etwa fünf Paare in der Martinskirche getraut, Goldene Hochzeiten und Konfirmationen waren es weniger, Taufen bei den monatlichen Taufterminen etwa zwei bis drei. „In jedem Fall aber weniger als Beerdigungen“, sagt er.

Die Fusion der Kirchengemeinden Hohenheim und Plieningen ist laut Ziehmann gut gewesen. Auch die Entwicklung zur Verbundkirchengemeinde mit Asemwald, Birkach und Schönberg sieht er positiv. Bei der Konfirmandenarbeit bewähre sich die Zusammenarbeit der Pfarrer schon seit einigen Jahren.

Wichtig war Ziehmann stets gelebte Offenheit. So habe er Konfirmandeneltern zu Wohnzimmergesprächen zu sich eingeladen – „und so auch oft für ehrenamtliche Aufgaben gewonnen“. Er hat dafür gesorgt, dass die Martinskirche in den Sommermonaten geöffnet ist, und er hat den Dialog mit den Vereinsvorsitzenden intensiv gepflegt. Auch die Arbeit mit Schülern lag Ziehmann am Herzen. Gerne blickt er auf den mit Schülern gestalteten Vortrag zum Leben des jüdischen Steckfelder Künstlers Hermann Fechenbach zurück. „Das war eine tolle Sache.“

Dialog zwischen den Religionen wichtig

Überhaupt war ihm der Dialog zwischen den Religionen wichtig. Bedauerlich findet er daher, dass es ihm nicht gelungen ist, einen während der Nazi-Zeit „für 150 Reichsmark an der Kirchendecke beseitigten Satz“ am Rand des Plieninger Wappens wiederherstellen zu lassen, in dem von einem blühenden Israel die Rede ist. Oder zumindest mit einer Art Stolperstein darauf hinzuweisen.

Die Nachfolge Hans-Peter Ziehmanns ist zu seiner Freude bereits geregelt. Zwei Pfarrerinnen werden sich die Stelle teilen. Jutta Haizmann, derzeit als Pfarrerin bei der Degerlocher Dekanin Vogel-Hinrichs tätig, und die Theologin Anna Lörcher, die gerade in Ruit wirkt, werden im September ihren Dienst in der Martinskirchengemeinde antreten. Auch die Vakanz, die es seit dem Weggang von Pfarrerin Daniela Reich, an der Steckfeldkirche gibt, endet bald. Pfarrer Hans-Ulrich Winkler, der aktuell in Nellingen tätig ist, wird Reichs Nachfolger. „Damit ist die Kirchengemeinde gut aufgestellt“, sagt Ziehmann.

Pfarrer will viel lesen – und Boule spielen

Der Pfarrer selbst will sich zunächst eine Phase ausgedehnter Ruhe gönnen, „in der ich auch viel lesen will“. Und er will in seiner alten neuen Heimat auch wieder das Boulespiel aufnehmen. Mitglied der dortigen Boulefreunde ist er seit deren Gründung.

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