Die Schüler der Freien Evangelischen Schule präsentieren stolz ihr selbstgebasteltes U-Boot und die Konstruktionspläne. Foto: Christoph Kutzer

Schüler der Freien Evangelischen Schule Stuttgart haben ein U-Boot konstruiert und am Bodensee erfolgreich getestet. Ein physikalisches Problem dabei war der Druckausgleich.

Möhringen - Ruhig schwebt das Gebilde aus drei miteinander verbundenen Röhren im grünen Wasser des Bodensees abwärts. Ob sich im Inneren eine Flaschenpost befindet? Nicht direkt. Eine Botschaft, genauer eine Erfolgsmeldung, transportiert die Konstruktion aber durchaus: Die Taucheinheit, die Schüler der Freien Evangelischen Schule Stuttgart entwickelt und gebaut haben, funktioniert. Damit ist ein Meilenstein in der Arbeit der seit eineinhalb Jahren bestehenden U-Boot-AG erreicht.

Als der Physiklehrer Klaus Stäudle seinen damaligen Achtklässlern vorgeschlagen hat, man könne sich doch in einer Arbeitsgemeinschaft der Entwicklung eines technischen Geräts widmen und um Förderung durch das Landesprogramm Mikro Makro Mint bewerben, standen schnell die ersten Ideen im Raum.

Durch Mintförderung aufs Schulforschungsschiff Aldebaran

„Es gab den Vorschlag, einen Rasenmäher zu konstruieren, der das Gras zur Energiegewinnung weiterverwertet und sich auf diese Weise selbst antreibt“, erinnert sich Josia (14). „Eine andere Überlegung war, dass wir etwas bauen könnten, womit sich Müll aus dem Wasser sammeln lässt“, ergänzt Jan (15). Er fügt hinzu: „Es war ja klar, dass wir über die Mint-Förderung auch auf das Schulschiff Aldebaran und auf den Bodensee kommen könnten.“ Letztlich fiel die Wahl aber auf ein anderes Projekt: den Bau eines U-Boots.

„Ein paar Leute sind gleich wieder abgesprungen“, sagt Josias Zwillingsbruder Josua und lässt die Anfänge Revue passieren. „Ich glaube, sie dachten, sie könnten hier direkt irgendwas zusammenbauen. Dabei bestand das erste halbe Jahr hauptsächlich aus Planung. Natürlich ist es auch nett, ein schickes U-Boot-Modell zu basteln und fahren zu lassen“, erläutert Stäudle den Schwerpunkt. Er präzisiert: „Mit den Mitteln, die wir hier zur Verfügung haben und ohne Bauanleitung eine funktionierende Taucheinheit anzufertigen, schien mir aber spannender. Diese zum Fahren und über eine Veränderung der Druckverhältnisse zum Absinken auf 2,5 Meter Tiefe zu bringen, war als Ziel ehrgeizig genug.“

Motivierte Schüler sollen das Projekt weiterführen

Abgeschlossen ist der Prozess noch nicht. Nach den Sommerferien werden die meisten jungen U-Boot-Ingenieure allerdings nicht weitertüfteln. Die zehnte Klasse steht an und damit zusätzliche Anforderungen in der Schule. „Wir brauchen eine neue Generation“, stellt Luis seufzend fest. Der 14-Jährige hat sich vorgenommen, noch ab und zu in der AG vorbeizuschauen, wünscht sich aber vor allem motivierte Schüler, die das Projekt weiterführen. Beim nächsten Testlauf wollen alle sechs aktuell Beteiligten dabei sein. Die Tauchfahrt der eigenen Schöpfung ist zum Herzensanliegen geworden.

Beteiligte räumen auch andere Wettbewerbspreise ab

„Die Jungs mussten bereit sein, erst einmal wochenlang nur zu hirnen“, gibt Klaus Stäudle schmunzelnd zu verstehen. „Auch war langer Atem gefragt, da die Arbeit immer wieder unterbrochen werden musste, etwa, als ich wegen eines Hilfsprojekts in Rumänien sehr stark eingebunden war.“ Langeweile hatten die U-Boot-Bauer nie. Stefano (15) hat gemeinsam mit einer Mitschülerin eine Präsentation zum Thema Elektrosmog erarbeitet und damit den ersten Preis eines Naturforscherwettbewerbs abgeräumt. Luis hat es im gleichen Wissenswettstreit ebenfalls unter die Erstplatzierten geschafft. „Ich finde es spannend, mich auch außerhalb der Schule mit Wissensthemen zu beschäftigen“, sagt er. „Es ist schon ein bisschen schade, dass wir jetzt nicht ganz fertig geworden sind, obwohl wir Ideen wie die Unterwasserkamera ja schon gestrichen hatten“, gibt Jan zu. Dass der Schritt von den ersten Versuchen in der Plastikwanne des Technikraums und dem ersten verheizten Getriebemotor bis zum Forschungsschiff auf dem Bodensee geglückt ist, erfüllt ihn und die anderen dennoch mit Stolz.

Am Gelingen hat auch die Modellbau-AG, namentlich deren Leiter Ralf Kraft, Anteil. Immer wieder stand er mit Rat und Tat zur Seite. Ein Schmiermittel für die Spritzen, die zum Druckausgleich beitragen? Kein Problem. Ein Tipp für eine flexiblere Kupplung? Gerne doch. So war die Entwicklung der Taucheinheit am Ende nicht nur eine Lektion in Forscher-, sondern auch in Teamgeist.

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