Am unteren Ende der Abraham-Wolf-Straße in Sonnenberg ist bei 6 Megabit pro Sekunde Zapfenstreich. Foto: Caroline Holowiecki

Im Möhringer Ortsteil hagelt es Kritik am langsamen Internet. Bewohner ganzer Straßenzüge fühlen sich abgehängt. Nun taucht das Thema wieder im Bürgerhaushalt auf, weil ein Anwohner der Abraham-Wolf-Straße die Nase voll hat.

Möhringen - Bei der Bundesnetzagentur hat der 5G-Poker begonnen. Mehrere Anbieter steigern um Frequenzblöcke des super schnellen Internets. Martin Lutz kann darüber nur müde lachen. Seit 2016 wohnt er in Sonnenberg an einer Straße, die im selben Jahr hergerichtet wurde, „aber das Internet stammt aus der Jahrtausendwende“. Obwohl ihm in der Planungsphase seines Wohnhauses Geschwindigkeiten von bis zu 16 Megabit pro Sekunde versprochen worden seien, ist „bei maximal 6 Megabit pro Sekunde über DSL Ende der Fahnenstange“. Das langsame Internet schränkt den 33-Jährigen ein, wie er sagt. Homeoffice sei mühsam, denn der Versand von großen Dateien stocke, und Video-Konferenzen „könne Sie vergessen. Das funktioniert nicht sauber“, klagt Lutz. In seinem Haus lebten fünf Parteien, „da geht es allen gleich“.

Zurück ins Jahr 2000

Unter der Nummer 53446 schlägt Martin Lutz daher im aktuellen Bürgerhaushalt den Breitbandausbau in Sonnenberg vor. Bereits 2017 hatte er sich für das Thema eingesetzt. Online zählt er die Heine-, die Kieß-, die Günther- und die Abraham-Wolf-Straße auf, in denen es keine zeitgemäße Internetanbindung gebe. „Wir erhalten in der unteren Abraham-Wolf-Straße auch nach aktiver Nachfrage keine DSL-Hybrid-Anschlüsse, bei denen zumindest ein Teil der Daten über LTE läuft“, hat er dort formuliert, der Breitbandatlas der Telekom zeige in den Gebieten auch keine Ausbauaktivitäten. „VDSL 50 oder 100 wird überall auf VDSL 250 ausgebaut, nur die DSL-Gebiete gehen leer aus. Ist kein Kabelanschluss vorhanden, fühlt man sich ins Jahr 2000 versetzt. Hier sollte die Stadt vorhandene Landes- oder Bundesförderprogramme in Anspruch nehmen“, fordert er.

Tatsächlich ist er nicht der einzige, der sich abgehängt fühlt. Ein Nachbar hat bereits kommentiert: „Auch unsere Internetanbindung in der Kießstraße ist miserabel und in keinster Weise zeitgemäß. Stadt, Land und Bund sollten über Digitalisierung nicht nur reden, sondern diese schnellstmöglich umsetzen!“ Eine Frau aus einem Mehrfamiliengebäude im Sonnenbühl sagt auf Nachfrage: „Mein Mann schimpft auch, wenn er sich geschäftlich einwählt.“

Stadt sieht sich nicht zuständig

Der Sonnenberg-Verein setzt sich ebenso schon seit Langem für schnelleres Surfen ein. Der Vorsitzende Martin Schleiermacher erzählt von Befragungen in der Nachbarschaft, die Ergebnisse habe er an die Stadtverwaltung weitergegeben, „damit die das wissen. Das ist jetzt auch schon anderthalb, zwei Jahre her“. Zur Antwort habe er erhalten, dass die Stadt nicht eingreifen könne, das unterliege dem Wettbewerb.

Martin Lutz ist nach eigenen Angaben bereits von Pontius zu Pilatus gegangen. „Die Anbieter wehren sich mit Händen und Füßen dagegen, etwas anzubieten, was außerhalb vom Standard ist“, moniert er. Martin Schleiermacher glaubt sogar, dass mancher Anbieter wohl kein Interesse habe, eine neue Infrastruktur zu schaffen – aus Kostengründen. „Und unsere Regierung , klagt er, „ist untätig“.

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