Der Standort sei zweitrangig, Hauptsache die Versorgung sei gesichert, so eine Meinung aus dem Bezirksbeirat Foto: dpa/Christian Charisius

Die neue Heimat des Wochenmarktes in Stuttgart-Möhringen ist umstritten. Ein Bürger hat 550 Unterschriften für die Rückverlagerung an den alten Standort gesammelt. Wer entscheidet jetzt?

Möhringen - Manfred Korn sieht sich als Vertreter von 550 Bürgerinnen und Bürgern, die den Möhringer Wochenmarkt zurück an seinen alten Standort auf den Oberdorfplatz holen wollen. Denn so viele Unterschriften hat er in den vergangenen Monaten für die Rückverlegung gesammelt. Das verlief nicht immer problemlos. Ein Vertreter des Marktamts habe einmal versucht, die Listen zu konfiszieren, einmal sei gar die Polizei vor Ort gewesen. In der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats stand die Übergabe der Unterschriftenlisten offiziell auf der Tagesordnung, und Manfred Korn bekam drei Minuten Redezeit.

Den Wochenmarkt gebe es seit 1974. Er sei damals von der SPD-Stadträtin Gerda Strunk ins Leben gerufen worden – gegen den Widerstand von Einzelhändlern vor Ort. Doch er habe sich gut entwickelt und mittlerweile viele Stammkunden. „Aus meiner Sicht gab es keinerlei Probleme am alten Standort“, sagte Korn. Darum habe er nicht nachvollziehen können, warum der Markt ohne das Wissen und die Beteiligung der Einwohnerschaft habe umziehen müssen. Auch die Hälfte der Beschicker sei zunächst dagegen gewesen. „Aus meiner Sicht sind die Märkte Stuttgart ein Dienstleister, der zum Wohle der Bürger zu handeln hat“, sagte Korn und ergänzte: „Der Bezirksbeirat hat heute die einmalige Chance zu entscheiden, wo der Markt sein soll.“ Seine Forderung an die Lokalpolitiker: „Mehr Demokratie wagen!“

Oberdorfplatz versus Spitalhof

Dafür bekam er zwar spontanen Applaus aus dem Publikum, die Lokalpolitiker aber ließen sich nicht aus der Reserve locken. Monika Herrmann (Grüne) nannte die Zahl der gesammelten Unterschriften „beachtlich“. Auch sie persönlich finde den Oberdorfplatz als Ort für den Markt sympathischer. Die Bezirksbeirätin kritisierte, dass bei dem Thema „die sachliche Diskussion verloren gegangenen“ und „irritierende Dinge“ geschehen seien. Die Aussage der Märkte Stuttgart, dass man den Wochenmarkt auch „gegen den Willen der Bürger“ verlegen könne, habe sie verwundert. Eine Entscheidung, wo der Wochenmarkt stattfinden solle, werde der Bezirksbeirat in dieser Sitzung nicht treffen, sagte Herrmann am Mittwoch. Man wolle sich nicht unter Druck setzen lassen. Und ohnehin würde sie sich als Bezirksbeirätin gerne mit wichtigeren Themen befassen.

Fred Wagner (CDU) argumentierte ähnlich. „Die Hauptsache ist doch, dass wir versorgt werden. Wo, ist egal.“ Und inzwischen sei man im Spitalhof genauso gut versorgt wie früher auf dem Oberdorfplatz. „Wir sollten nicht erneut Unruhe stiften“, sagte Wagner. Die Aufgabe des Bezirksbeirats müsse es nun sein, die Spange durch Möhringen – vom Filderbahnplatz über den Spitalhof zum Oberdorfplatz – attraktiver zu gestalten. Damit hob er letztlich auf die bereits begonnene, aber längst noch nicht abgeschlossene Umgestaltung der Filderbahnstraße ab.

Manfred Korn beschuldigt Märkte Stuttgart

Thomas Lehmann, der Geschäftsführer der Märkte Stuttgart, war ebenfalls in der Sitzung, um eventuelle Fragen zu beantworten. Die blieben jedoch aus. Er erklärt auf Nachfrage, dass es nicht das Ziel gewesen sei, dass der Bezirksbeirat über den Standort entscheide. „Aber wenn sich der Bezirksbeirat kritisch zum neuen Standort äußern würde, würden wir uns nicht dagegen stellen.“ Das habe das Gremium bisher aber nicht getan.

Ohnehin sei man bei der Beschickerversammlung im Mai übereingekommen, zunächst einmal Ruhe einkehren zu lassen und dem neuen Standort eine Chance zu geben. Auch Manfred Korn hatte in seiner Rede im Bezirksbeirat erwähnt, dass inzwischen acht der neun Beschicker für den neuen Standort seien. Er stellte jedoch die Frage in den Raum, ob das Marktamt Druck ausgeübt habe. Lehmann weist das entschieden zurück. Es müsse nun darum gehen, die Probleme am neuen Standort anzugehen. Dazu habe es im Juni ein Treffen mit den beteiligten Ämtern und der Möhringer Bezirksvorsteherin Evelyn Weis gegeben. Dabei sei insbesondere über die Zufahrt geredet worden, welche man für Marktbeschicker mit großen Fahrzeugen optimieren wolle. „Ansonsten wollen wir weiter abwarten, wie sich der Markt am neuen Standort entwickelt“, sagt Lehmann. Das zu beurteilen, sei frühestens ein Jahr nach der Verlegung, also zum Jahreswechsel, möglich.

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