Das Jubliäum war ein voller Erfolg: Beim 30. Stuttgart-Lauf des Württembergischen Leichtathletik-Verbands feiern auf der Mercedes-Straße Tausende ein Sportfest.
Noch ist es ruhig. Kein Verkehr auf der Gaisburger Brücke. Allein das Sicherheitsteam in den leuchtend gelben Westen und die weiß-roten Absperrungen rund um die Mercedes-Benz-Arena, Hanns-Martin-Schleyer-Halle und Porsche-Arena künden von dem, was kommt.
An diesem Wochenende feiert der Württembergische Leichtathletik-Verband (WLV) ein Jubiläum: Der von ihm ausgerichtete Stuttgart-Lauf findet zum 30. Mal statt. Oberbürgermeister Frank Nopper wird um 9 Uhr auf der Benzstraße den Startschuss geben zum Highlight am Sonntag, dem Halbmarathon. Während es sich um die „Eventmeile“ der Mercedesstraße, die einen Spalier zum Zieleinlauf bildet, gemächlich füllt, spielt am Startpunkt schon die Musik. Der Lotto Rollstuhl- und Handbike-Halbmarathon ist längst unterwegs, gefolgt vom Halbmarathon der Inliner. Um 11.30 Uhr werden „7 km-Läufer“, danach die Walker und Nordic Walker über diese Distanz loslegen. Doch nun finden sich die Läuferinnen und Läufer zum Halbmarathon am Start ein, solo, in Firmen- oder Vereins- Gruppen, in Staffeln. Und dann Knall: OB Nopper schickt sie in Startwellen auf die 21,0795 Kilometer, angefeuert mit silbernen Pompoms von Cheerleaders, den Candy Stars und Peewees. „Großartige Veranstaltung“, schwärmt der OB. „Sie zeugt von der bewegten und aktiven Sportstadt Stuttgart und leistet einen Beitrag zur Gemeinschaft.“
Auch Fußballstar Cacau geht auf die Strecke
5500 Teilnehmende haben sich zum Halbmarathon angemeldet, darunter auch Fußballstar Cacau und Kulturstaatssekretär Arne Braun. 10 400 Teilnehmende sind insgesamt für das Event gelistet. Das startete am Samstag mit dem Kids Day, mit dem Bambini-Lauf auf einer Strecke von 500 Metern, Minimarathons mit und ohne Handbike, Zaubereien und Spielen . „Dieser Tag ist immer beeindruckend und berührend“, schildert Alexander Hübner , für die WLV-Laufevents zuständig. Er ist glücklich. „Die Anmeldezahlen nach Corona haben sich verdoppelt. Über 900 Menschen helfen hinter den Kulissen mit, ich danke ihnen. Und dazu noch Jubiläumswetter!“
Nach der Leichtathletik-WM fiel der Startschuss
Hatten die Laufenden doch vergangenes Jahr mit weit über 30 Grad Hitze zu kämpfen und die Rettungsdienste zu tun. „Das Rekordjahr war 2008 mit 29 000 Teilnehmern“, erinnert sich Hübner, der über 20 Jahre dabei ist. Doch das Sport und Freizeitverhalten hat sich geändert. Dass der Stuttgart-Lauf indes Familien motiviert, das sieht man an den Babyjoggern – einige der Halbmarathonläufer schieben Laufkinderwägen vor sich her. „Das Baby? Schläft!“, ruft Sebastian Hess ins Mikrofon, der wieder mit Achim Seiter leidenschaftlich moderiert. Jeder hat viele Anekdoten über die Jahre beim Stuttgart-Lauf gesammelt. Als ihn ein Zuschauer mal gefragt habe, wie das Team sich die Namen merken könne, habe er geantwortet: „Auswendig lernen mit Passfoto. Dann merkte der Mann, dass die Namen neben der Startnummer stehen.“ Auch ihm liegt der Kids-Tag am Herzen, vor allem die Kinder mit Behinderung, die mit leuchtenden Augen über die Ziellinie rollen. Und Seiter hat extra seinen geliebten Kraichgau-Triathlon abgesagt. „Bin hier als einer der ersten gelaufen“, konstatiert er. Während Karl-Heinrich Lebherz, der vor 30 Jahren diese größte Breitensportveranstaltung Stuttgarts initiierte, schmunzelnd bemerkt: „Achim gehört zum Inventar!“
Der 88-Jährige erzählt, wie alles begann. Nach dem Rausch der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 1993 im Gottlieb-Daimler-Stadion wollten er und seine WLV-Kollegen diese Begeisterung in eine alljährliche Veranstaltung tragen, in „eine Sportveranstaltung von der Windelfraktion bis zu den Senioren“. Damals indes seien keine Autos vorausgefahren. „Der WLV-Chef auf dem Fahrrad.“
Zwei Euro pro Läufer für das Kinderhospiz
Derweil sind unter großem Jubel – die Stimmung ist hervorragend – die ersten Halbmarathonläufer im Ziel. Viele davor mit Schlenker durch das „Barmer-Tor“, was je zwei Euro für das Kinderhospiz einbringt. Vasili Leminskii hat die 21 Kilometer in einer Stunde und neun Minuten geschafft , Hussam Salah Ahmed mit 1:11:16 und Philipp Karpeles in 1:11:27. Bei den Frauen sind wieder Jule Vetter und Bettina Englisch ganz vorne vor Theresa Weixler – diesmal gewinnt Vetter vor Englisch mit 1:19:23. Zurück zu den Männern: Der 17-jährige Leminskii erzählt Moderator Hess, dass er wegen des Kriegs und Putins grausamer Politik Russland verlassen habe. Hier könne er tun, was ihn bewegt, Laufen. Wie Yevhen Okunev, der Ukrainer kommt auf Platz 13. „Das ist Sport!“, so Hess. „Er bringt Menschen zusammen.“