Überwiegend in Eigenleistung haben die Kegler ihre alte Bahn ausgebaut. Beim Einbau der Elektrik wird mit LED-Leuchten auf das Energiesparen Wert gelegt. Foto: Götz Schultheiss

Die Sportkegler des VfL Kaltental haben ihre alte Bahn überwiegend in Eigenleistung ausgebaut. Im Juni kommt der neue Belag, der die Spieler vor Herausforderungen stellt.

Kaltental - Kabel hängen von der Decke und der Boden ist aufgerissen: kein Zweifel also, dass es bei der Erneuerung der Kegelbahn des VfL Kaltental noch viel zu tun gibt. „Wir sind mit den Finanzen gut auf der Habenseite, weil sich viele Mitglieder mit ihren Fähigkeiten einbringen“, sagt Norbert Walter, Abteilungsleiter Sportkegeln im VfL. Allein beim Abbau der alten Kegelbahn hätten etwa 25 Mitglieder ihren Jahresurlaub für die Arbeit an der Bahn investiert. „Allein dadurch haben wir 24 000 Euro gespart“, sagt Walter. Auch den Verputz an der Wand hat ein Vereinsmitglied gemacht, wodurch wieder 2500 Euro gespart wurden. „Wir haben auch einen Architekten im Verein. Er ist fitter im Verhandeln über die Preise mit Handwerkern als ein Vereinskassier“, sagt der Abteilungsleiter.

Zehn Tonnen Bitumen mussten entfernt werden

282 000 Euro kostet das Projekt insgesamt. Rund 80 000 Euro kostet allein die neue Kegelbahn, der Rest wird in die Sanierung des Vereinsheims im Kohlhau investiert. Am 25. März haben die Kegler die letzte Kugel auf der alten Anlage gespielt und sind in die Verbandsliga Württemberg aufgestiegen – die dritthöchste Liga in Deutschland. Bereits am Tag danach begann der Ausbau der alten Kegelbahn. „Wir haben dabei zehn Tonnen Bitumen mit der Hand herausgeholt. Er war unter der Kunststoffschicht der Kegelbahn“, sagt Walter. So seien früher Kegelbahnen gebaut worden. „Diese Bitumenbahnen waren sehr hart. Heute ist der Unterbau weicher, deshalb spielen sich die modernen Bahnen anders. Wir brauchen das neue Material, damit wir uns bei Auswärtsspielen nicht so schwer tun“, sagt Norbert Walter.

Mit dem Einbau der neuen Bahn stellen sich Erfolge nicht automatisch ein – im Gegenteil. „Unsere große Sorge ist es dann, ob wir die Klasse halten können, weil wir uns ja unserer Bahn beraubt haben. Mit der nagelneuen Bahn und der Eingewöhnung wird alles erst einmal schwieriger“, sagt der Abteilungsleiter: „Wir werden verzweifelt ums Halten kämpfen müssen.“

Mischung aus jugendlichem Ungestüm und Erfahrung

Irgendwann in der dritten Juniwoche wird es soweit sein: Dann rückt ein Kegelbahnbauer an, der die neue Anlage einbaut. „Es gibt europaweit vielleicht fünf große Hersteller, die Bahnen für Sportkegler herstellen.“ Für den Erfolg der Kaltentaler macht Norbert Walter die „sehr gute Jugendarbeit ab 2006“ verantwortlich. Mit seiner U-18-Mannschaft war der VfL zwei Mal württembergischer Meister und mit der U-14-Mannschaft mehrmals württembergischer Vizemeister. „Wir hatten einen breiten Jugendbereich mit vier bis fünf Mannschaften, das ist im deutschen Kegelsport außergewöhnlich.“ Es sei gelungen, einige der jungen Spieler zu halten, einige seien nach Abschluss ihrer Ausbildung im Alter zwischen 18 und 22 Jahren wieder zum Verein gestoßen. „Wir wachsen gegenwärtig immer noch, entgegen dem Trend. Die Mischung aus jugendlichem Ungestüm und Erfahrung ist der Reiz in der Abteilung“, sagt Walter. Übernächstes Jahr soll die gegenwärtig 55 Mitglieder zählende Abteilung erstmals seit 1991 wieder eine Damenmannschaft an den Start schicken.

Für die notwendige Präzision schicken die Spieler jeweils 800 bis 1000 Kugeln pro Woche über die Bahn. Dafür machen sie auch Krafttraining und arbeiten mit Laufen und Seilspringen an ihrer Kondition. „Das Schöne an unserem Sport ist, dass man auch noch mit 50 Jahren in der Bundesliga spielen kann“, sagt Walter.

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