Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt im Jahr 1938 Foto: /Stzn-Archiv

Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt ist nicht nur einer der schönsten und größten Weihnachtsmärkte Europas, sondern auch einer der ältesten. Auf das Jahr 1692 geht er zurück. Wir blicken auf die wechselhafte Historie des beliebten Wintertreffs zurück.

Festlich illuminierte Buden, Glühweinduft, weihnachtliche Aromen, eine große Auswahl an Geschenken, umhüllt von einem Lichterglanz - auf ihren Weihnachtsmarkt sind die Stuttgarter zur Recht stolz. Dies ändert auch nichts an dem heftigen Streit in diesem Jahr, der um die neuen Öffnungszeiten entstanden ist, den die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart festgelegt hat, ohne sich mit den Händlern und den Stadträten abgestimmt zu haben.

 

So kurz war der Weihnachtsmarkt schon lange nicht mehr, da in diesem Jahr der vierte Advent auf den Heiligen Abend fällt. Die Besucherfrequenz scheint dafür umso großer zu sein. Ein Bummel erwärmt das Herz und versüßt den dunklen Dezember.

Blicken wir zurück: Auf der Briefmarke von 1912 ist’s deutlich zu lesen. „Weihnachts-Messe Stuttgart“ steht da drauf. Von Wolfgang Müller haben wir dieses mehr als 100 Jahre alte Dokument erhalten. Es zeigt, dass der Weihnachtsmarkt lange Zeit Weihnachtsmesse hieß. Man freute sich „auf die Mess’“ – auch noch Jahrzehnte später, als sich der offizielle Begriff geändert hatte..

„Solange ich denken kann, sind wir zur ,Messe‘ gegangen“, schreibt Gusti Schäfer im Facebook-Forum unseres Geschichtsprojekts Stuttgart-Album, „die Bezeichnung Weihnachtsmarkt kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf.“

Unsere Leserin erinnert sich an „unterschiedliche Ständchen und Marktbuden“. Manche hätten nur einen Tisch mit Lebkuchen, Bonbonketten, Magenbrot gehabt. „Wir Kinder waren voller Vorfreude auf das Weihnachtsfest“, erzählt Gusti Schäfer, „meist kaufte mir die Mama einen viereckigen Lebkuchen mit Mandeln.“ Den habe sie „wie einen Schatz“ nach Hause getragen. „Unser Weg war nicht weit, bis zum Wilhelmsbau. Daheim ließ ich mir – zu Tee oder Milch – meinen Lebkuchen schmecken.“

Adventslichter funkeln, Weihnachtsmänner sind zur Parade arrangiert, Glühwein, das saisonale Nationalgetränk, duftet von jeder Ecke. Wer diese Bilder vor Augen hat, spürt starke Gefühle seiner Kindheit. Auf unserer Facebook-Seite beschreibt sie Gisela Salzer-Bothe: „Der Geruch! Die Lichter! Staunen! Früher habe ich mich amüsiert, wenn die Väter an der Ecke zum Spielwaren Kurz standen und die Eisenbahn bewunderten. Die Kinder mussten förmlich bitten und drängen, dass sie mal vorne auch was sehen konnten.“ Der Weihnachtsmarkt sei nach dem Krieg „ein einziges Staunen für uns Kinder“ gewesen. „Oben an der Königstraße waren bei Union im Schaufenster Figuren, zum Teil aus Märchen, die sich bewegten“, hat sie des Weiteren notiert.

Zunächst lockte ein Viehmarkt

Der Stuttgarter Weihnachtsmarkt ist nicht nur einer der schönsten und größten Weihnachtsmärkte Europas, sondern auch einer der ältesten. Seine erste urkundliche Erwähnung geht auf 1692 zurück. Einst war er ein Jahrmarkt im Herbst mit Seiltänzern, Zauberern, Gauklern, Spaßmachern und Tierdressuren – und er war ein Viehmarkt.

Im Jahr 1811 ist der Herbstmarkt eingestellt worden – daraufhin begann der Weihnachtsmarkt früher und wuchs weiter. Vieh verkaufte man nicht mehr, als die „Schwäbische Kronik“ 1835 den Markt beschrieb: „Die Händler kommen von weit her, wie der türkische Handelsmann Raubenmajor aus Belgrad. Angeboten werden Stoffe aller Art, türkische Schlafröcke, Damenbeinkleider, Strümpfe, Galoschen, seidene Damenhüte, superfeine und ordinäre Hemden, Zivil- und Militärkrawatten, Parfümerien, Haaröl, Hautpomade, englische Nähnadeln, holländische Waffeln, Nürnberger Lebkuchen und Basler Konfekt, Händler Hoffmann aus Hamburg bietet seine marinierten Heringe, neue Sardellen und echte Vanille an.“

Der Budenzauber hat den Tourismus beflügelt

Bis in die 1970er war das Treiben auf den Marktplatz beschränkt. Da standen Klapptische mit Planen als Dach. Der neue Marktleiter Lothar Breitkreuz wollte mehr daraus machen. Die alten Stände wurden durch einheitliche Holzbuden mit aufwendiger und glanzvoller Dekoration ersetzt. Der neue Budenzauber vor der Kulisse der Stiftskriche hat den Tourismus beflügelt.

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