1935 war der künstlich am Neckar angelegte Max-Eyth-See ein Strandbad Foto: DLRG

Wenn der Sommer aufdreht wie jetzt, wollen die Menschen abtauchen im kühlen Nass. Unser Geschichtsprojekt Stuttgart-Album zeigt, wohin die Menschen früher zum Baden gingen und wo Verbotenes für den nächtlichen Kitzel sorgte.

Stuttgart - Seit 1978 ist Baden im Max-Eyth-See streng verboten. Bei hohen Temperaturen wird das Gewässer zur Todesfalle von Tieren. Im vergangenen Sommer ist der einstige Badesee umgekippt, viele Fische sind verendet, Pflanzen abgestorben. Damit sich dies nicht wiederholt, hat das städtische Tiefbauamt im Frühling damit begonnen, Frischwasser in den See zu pumpen. Der Sauerstoffgehalt ist momentan besser als vor einem Jahr. Doch ans Schwimmvergnügen ist hier noch lange nicht zu denken.

Dies war früher anders. 1935 ist der Max-Eyth-See als Stausee angelegt worden, direkt am Neckar, idyllisch am Fuße von Weinbergen zwischen Mühlhausen und Hofen. Ein Strandbad mit Ausflugslokal, abgetrennten Badebereichen, Umkleidekabinen und Sprungtürmen wurde in diesem Jahr eröffnet. Am Übergang zum Neckar stand ein Leuchtturm. „In den Ruinen des Turmes und der Hallen bin ich als Kind rumgeklettert“, erinnert sich Bernd Wohlschieß im Internet-Forum unseres Stuttgart-Albums. Kommentatorin An Jusch fragt: „Wieso schafft eine Stadt wie Stuttgart es nicht, einen Badesee zu erhalten oder zu schaffen? Aber einen leeren Bus X 1 können wir uns leisten.“

Als man noch in den Neckar zum Baden ging

Noch in den 1950ern ist im Neckar gebadet worden. Der Kanal des Wasserkraftwerks Untertürkheim beispielsweise diente als Schwimmbecken, Heute braucht man ein stabiles Immunsystem, um den Fluss ohne Darmleiden zu verlassen. Das Cannstatter Mineralwasser lädt seit Generationen zum Schwimmen im kühlen Quellen. Die Wahl zwischen Leuze und Berg war schon immer eine Weltanschauung. Die Berg-Freunde leiden sehr, dass ihr Lieblingsbad nach dem Umbau noch immer nicht geöffnet hat.

Das Leuze ist 1842 als Cannstatter Badeanstalt eröffnet worden, hieß aber noch nicht so. 1851 kaufte der Unternehmer Ludwig Leuze das Bad, baute es um und eröffnete es 1854. Als „Bad im Königlichen Park“ hat der Hofgärtner Friedrich Neuner 1856 wenige Meter weiter das Berg eröffnet. Noch heute wird das Bad „Neuner“ genannt.

"Durch Astlöcher haben Jungs nach Frauen geschaut“

Das einst selbstständige Berg ist 1836 zur Residenzstadt Stuttgart eingemeindet worden, Cannstatt folgte 1905. Feuerbach kam noch viel später hinzu – nämlich im Mai 1933. Das Vorgängerbad des 1939 eröffneten Killesberg-Höhenfreibads gehörte also zu Feuerbach, woran sich etliche Leserinnen und Leser erinnern. „Ich bin 85 Jahre alt und habe in diesem ,Bädle‘ schwimmen gelernt“, schrieb Isolde Aleiden unserem Geschichtsprojekt, „für uns Feuerbächer war es einfach das ,Luftbad‘.“ Eine Kinder-Dauerkarte habe fünf Reichsmark gekostet. Unsere Leserin erinnert sich an den hohen Bretterzaun ums Bad und daran, „dass die Jungs durch die Astlöcher nach Frauen geschaut haben“.

Das Lieblingsbad von Wibke Wieczorek ist das Killesbergbad: „Herrliche Liegewiesen, weitläufig“, schreibt sie. In fünf Jahrzehnten hat sie dort „unzählige Kilometer“ geschwommen, „literweise Chlorwasser verschluckt“, aber auch „kiloweise leckere Freibadpommes“ genossen.

Die alten Fotos der Bäder auf der Facebook-Seite des Stuttgart-Album wecken Erinnerungen. Michael Gross schreibt über das Rosental-Freibad in Vaihingen: „Ende der 1970er habe ich immer die Sommerferien genutzt und auf der ,Amiwiese’ die leeren Flaschen gesammelt um mir von dem Geld ein Eis zu holen. Nachts sind wir über den Zaun zum Nacktbaden. Das war ein besonderer Kitzel, und oft sind wir genauso nackt mit dem Radel geflüchtet.“

Vom Stuttgart-Album gibt es drei Bildbände

Gisela Salzer-Bothe schwelgt in Nostalgie: „In Vaihingen habe ich Ende der 1950er Jahre viele Sommer als Schülerin verbracht.. Mit der Straßenbahn vom Haigst aus bis Endhaltestelle Vaihingen. Dann immer an den Seen gelegen. Erste Schülerschwärmerei für Jungs, albern halt. Da gab’s einen Rundlauf, da hing ich sehr oft dran. Eine Wilde halt. Dann schwimmen, , mitgebrachtes Vesper, süßer Sprudel durfte gekauft werden. Ebenso immer eine Zitronenwaffel.“ Für sie war das „Sommervergnügen pur.“

Diskutieren Sie mit unter: www.facebook.com/Album.Stuttgart. Schicken Sie historische Fotos zur Veröffentlichungen an: info@stuttgart-album.de. Zu unserer Serie sind drei Bücher erschienen, zuletz t „Das Beste aus dem Stuttgart-Album“.
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