Ab in den Neckar beim Wasserkraftwerk Untertürkheim: Links ist ein Teil des Inselbades zu sehen. Der tollkühne Springer ist unser Leser Martin Blaicher. Foto: Blaicher

Wo für Wasserraten das Abtauchen lohnt: Im Stuttgart-Album werden heute Bade-Geschichten erzählt. Leserinnen und Leser erinnern sich an Sprünge in den Neckar, an Blicke durch Astlöcher und an den ewigen Streit, ob das Berg oder das Leuze besser zu einem passt.

Stuttgart - Als der Schwimmverein von Bad Cannstatt 1898 gegründet wurde, gingen die Mitglieder zum Trainieren in kein Bad – damals war es noch normal, in den Neckar zu springen. Heute braucht man schon ein stabiles Immunsystem, um den Fluss ohne Darmleiden zu verlassen. Geografisch mag es richtig sein, dass Stuttgart am Neckar liegt. Vom Gefühl aber hat sich der Fluss weit von der Stadt entfernt.

Martin Blaicher hat dem Stuttgart-Album, dem Geschichtsprojekt unserer Zeitung, das Foto von einem Köpfer in den Neckar aus den 1950er Jahren geschickt – der tollkühne Springer ist er selbst. Auf dem linken Teil des Fotos ist ein Teil des Inselbades zu sehen. Der Kanal des Wasserkraftwerks Untertürmheim diente als Schwimmbecken – Eintritt musste man nicht zahlen.

Hofgärtner Neuner legte das Mineralbad Berg an

Leuze oder Berg? Für viele ist’s eine Weltanschauung. „Im Leuze traf man Sportler und Großkopfete“, schreibt Lothar Escher im Facebook-Forum des Stuttgart-Albums, „im Berg waren die Tigerbadehosenträger.“ Die Zeiten ändern sich, „Etliche der Leuzebader“, schreibt Günther Schach, ein Bergianer, „die damals auf uns herabgesehen haben, gehen heute ins Berg.“

Das Leuze ist 1842 als Cannstatter Badeanstalt eröffnet worden, hieß aber noch nicht so. 1851 kaufte der Unternehmer Ludwig Leuze das Bad, baute es um und eröffnete es 1854. Als „Bad im Königlichen Park“ hat der Hofgärtner Friedrich Neuner 1856 wenige Meter weiter das Berg eröffnet. Noch heute sagen viele, sie gehen ins „Neuner“.

Die Kinder-Dauerkarte kostete fünf Reichsmark

Berg ist 1836 zur Residenzstadt Stuttgart eingemeindet worden, Cannstatt folgte 1905. Feuerbach kam noch viel später hinzu – nämlich im Mai 1933. Das Vorgängerbad des 1939 eröffneten Killesberg-Höhenfreibads gehörte also zu Feuerbach, woran sich etliche Leserinnen und Leser erinnern. „Ich bin 85 Jahre alt und habe in diesem ,Bädle‘ schwimmen gelernt“, schreibt Isolde Aleiden, „für uns Feuerbächer war es einfach das ,Luftbad‘.“ Eine Kinder-Dauerkarte habe fünf Reichsmark gekostet. Unsere Leserin erinnert sich an den hohen Bretterzaun ums Bad und daran, „dass die Jungs durch die Astlöcher nach Frauen geschaut haben“.

Auf dem Foto vom „Luftbad“, das wir von Isolde Aleiden bekommen haben, schauen alle in die Kamera, keiner schwimmt. Es ist Ende der 1920er Jahre entstanden.

Das Lieblingsbad von Wibke Wieczorek ist das Killesbergbad: „Herrliche Liegewiesen, weitläufig“, schreibt sie. Seit 48 Jahren hat sie dort „unzählige Kilometer“ geschwommen, „literweise Chlorwasser verschluckt“, aber auch „kiloweise leckere Freibadpommes“ genossen. Ein Freibad war schon immer mehr als „nur“ Wasser.

Diskutieren Sie mit unter www.facebook@Album.Stuttgart.de. Im Silberburg-Verlag sind zwei Bildbände zu unserer Serie erschienen.
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