Am Zwischenangriff Prag ist der Zugangsstollen fertig, nun geht es an den Vortrieb des Feuerbacher Tunnels. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Im Bezirksbeirat Nord hat die Bahn nun das verkündet, was einige Anwohner schon länger vermutet hatten: am Zwischenangriff Prag, der S21-Tunnelbaustelle am Wartberg, ist es lauter, als die Prognosen und Gutachten bisher angenommen haben. Nun muss der Lärmschutz angepasst werden.

S-Nord - Nach dem Technikausschuss der Stadt in der vergangenen Woche haben Vertreter der Deutschen Bahn nun auch im Bezirksbeirat Nord zugegeben, dass beim Lärmschutz des Projekts Stuttgart 21 nachgebessert werden muss. „Wir mussten feststellen, dass wir mit den Prognosen das Baugeschehen nicht vollständig dargestellt haben“, sagte Florian Bitzer, Leiter der Abteilung Technische Fachdienste beim Bahnprojekt Stuttgart-Ulm. Im Bezirk Nord ist hier hauptsächlich der Zwischenangriff Prag am Wartberg betroffen. Dort ist man mit dem Bohren des Zugangsstollens fertig und beginnt jetzt mit dem Hauptvortrieb des Feuerbacher Tunnels. „Der Streckenvortrieb beginnt nächste Woche“, sagte Bitzer. Daher rechne man nun mit höheren Lärmemissionen: „Wir werden lauter, als bisher prognostiziert.“

Der Bauablauf wird auf Anpassungen überprüft

Man habe kurzfristige Veränderungen an der Arbeitsweise auf der Tunnelbaustelle veranlasst: „Nachts wird kein Aushubmaterial mehr aus dem Tunnel gefahren“, erklärte Bitzer, „sondern nur tagsüber.“ Auch die Verladung auf die Gleise, die an der Baustelle am Wartberg seit einiger Zeit stattfindet, werde vorläufig eingestellt. Am 10. Juli soll die Verbindungsstraße zur Baulogistikfläche am Nordbahnhof fertig sein, dann soll das Material dorthin gebracht und dort verladen werden.

Derzeit sei man dabei, den Bauablauf und das Entsorgungskonzept zu überprüfen. „Wir brauchen mehr passiven Schallschutz“, so Bitzer. Momentan seien die Planungen noch nicht ausgereift und nicht so konkret wie im Kernerviertel in Stuttgart-Mitte, wo eine Lärmschutzwand an der Baugrube an der Sängerstraße errichtet werden soll. „Wir werden im September damit wieder in die Gremien kommen“, kündigte Bitzer an. Was die oft kritisierten Rückfahrpiepser der Lastwagen angehe, so solle dieser tonale Alarm durch einen Breitbandalarm ersetzt werden: „Das wird von den meisten als weniger störend empfunden“, erklärte Bitzer, das sei ein „Krächzen“ statt eines Piepsens. Leider, ergänzte er, könnten am Zwischenangriff Prag nicht alle Fahrzeuge umgerüstet werden.

Bezirksbeirätin will konkrete Verbesserungsvorschläge

Bettina Bunk nahm diese Informationen eher ungehalten auf. Die SPD-Bezirksbeirätin hatte einen Antrag ihrer Fraktion zum Immissionsschutz im Bezirk initiiert und darin verschiedene Lärmschutzmaßnahmen gefordert, beispielsweise keine Nachtarbeiten mehr. Das allerdings schon im vergangenen November. Dass die Bahn jetzt, also acht Monate später, dazu im Bezirksbeirat informierte, gefiel ihr ganz und gar nicht, wie sie betonte. „Zu unseren Vorschlägen kam nichts außer der Anpassung der Rückfahrpiepser“, monierte sie weiter. Bereits tagsüber sei der Lärm an der Baulogistikfläche unerträglich: „Ich will nicht hören, dass alles gut ist, sondern konkrete Verbesserungsvorschläge.“ Dagegen erwiderte Peter Schütz, der Rechtsanwalt der Bahn: „Der SPD-Antrag ist mit einer Tunnelbaustelle nicht vereinbar.“ Es sei nicht möglich, nachts keine Lastwagen fahren zu lassen. Der passive Schallschutz sei ein komplizierter Prozess in Abstimmung mit den Eigentümern, der auch auf seine Wirtschaftlichkeit hin überprüft werden müsse. Bettina Bunk entgegnete, es sei ein „Armutszeugnis“, dass der Antrag nicht umgesetzt werde. Timo Haug (CDU) merkte allerdings an, dass die Bahn viel tue, und man dies, gerade nachts, durchaus merke.

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