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Großeinsatz der Polizei beendet Schonfrist für den Protest im Mittleren Schlossgarten.

Stuttgart - Kurz vor dem Ende der Schonfrist hissten die Parkschützer die weiße Fahne. „Wir sind zu Gesprächen bereit“, ließ Parkschützer-Sprecher Matthias von Herrmann am Dienstag wissen. Und stellte einen Kompromiss der S-21-Gegner in den Raum: Die Parkbesetzer verlassen den Schlossgarten freiwillig, wenn die bedrohten 176 Bäume bis Herbst stehen bleiben. Der Vorschlag stammte von Martin Klumpp, Prälat im Ruhestand, der am Montag ein Vermittlungsgespräch zwischen Protest und Politik angeboten hatte. Doch am Vortag des großen Polizeieinsatzes herrschte Schweigen. Ein Schweigen sagt mehr als tausend Worte.

Polizei statt Palaver. Die Spatzen pfiffen es von den Dächern, auch im Internetkanal Twitter wurde lebhaft gezwitschert: Mittwoch ist der Tag, an dem der Park südlich des Bahnhofsgebäudes von der Polizei geräumt wird. Die Anzeichen waren am Dienstag unverkennbar: Die Polizei sperrte die Straße Am Schlossgarten entlang des Südflügels. Am Durchgang von der Klett-Passage in den Schlossgarten waren rot-weiße Absperrungen aufgebaut.

„Es empfiehlt sich, zumindest am Mittwoch Urlaub zu nehmen.“

Die Aufklärungstrupps der Projektgegner sammelten fleißig Beweisfotos für die Einsatzbereitschaft der Polizei. „Zehn Wannen (blau-weiß) eben über den Pragsattel Richtung Stuttgart“, so eine der Lagemeldungen. Ein Großaufmarsch der Feuerwehr um 12.48 Uhr am Hauptbahnhof erwies sich jedoch als Fehlalarm: Ein Brandmelder hatte im Bahnhofsturm angeschlagen. Für die Parkschützer war klar: „Es empfiehlt sich, zumindest am Mittwoch Urlaub zu nehmen.“

Keine Urlaubsstimmung dagegen bei der Polizei, die sich wieder, wie schon bei der Räumung des Südflügel-Areals am 13. Januar, aufwendig vorbereitet hat. Wieder waren Polizeikräfte auch aus anderen Bundesländern geordert worden, hatte man Hotelbetten reserviert, trotz zahlreicher Messen erfolgreich. Der Einsatz ist nochmals eine Nummer größer als am 13. Januar angelegt: Bei der Südflügel-Räumung waren 2200 Polizisten von Landes- und Bundespolizei in der Anfangsphase im Einsatz. Diesmal dürften es deutlich mehr als 3000 sein – gemessen an der Größe des weitläufigen Einsatzgebiets im Schlossgarten.

Bis 29. Februar will die Bahn AG das Baufeld im Park für den S-21-Tiefbahnhof geräumt haben. Danach wäre eine Ausnahmegenehmigung nötig. Das will die Bahn vermeiden, weil sich daran neuer juristischer Streit entzünden könnte. Schon der Genehmigung für die jetzigen Bauarbeiten im Park war ein langer, komplizierter Rechtsstreit mit Umweltschützern vorausgegangen.

Die Hauptbauarbeiten könnten im Herbst beginnen

Von den 176 Bäumen, die jetzt weichen müssen, sollen 108 gefällt und 68 verpflanzt werden. Weitere 20 Bäume entlang der Schillerstraße bleiben wegen der geschützten Juchtenkäfer-Bestände stehen. Zwei Bäume, in denen Fledermäuse Winterquartier bezogen haben, sollen erst im Oktober fallen. Die 22 Bäume sollen während der Baumaßnahmen mit Zäunen geschützt werden.

Projektgegner kritisieren, dass die Bahn im Park noch gar nicht bauen dürfe, weswegen die Räumung verfrüht sei. Tatsächlich könnten noch einige Monate ins Land gehen, ehe das Eisenbahn-Bundesamt seine rechtlichen Versäumnisse bei der Genehmigung der Grundwasseraufbereitungsanlage nachgeholt hat. Die Bahn argumentiert gegenüber unserer Zeitung, dass sie auch ohne die Grundwasseranlage bereits jetzt eine mehrere Meter tiefe Erdschicht über den Baugruben abtragen sowie Baustraßen errichten dürfe. Die Hauptbauarbeiten könnten dann im Herbst beginnen.

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