Das Milliardenprojekt Stuttgart 21 steht auf der Kippe. Wie es derzeit am Stuttgarter Hauptbahnhof ausschaut, sehen Sie in unserer Bildergalerie. Foto: dpa

Neun Regionalexpresslinien sollen viele Fahrgäste anziehen. Die S-Bahn bewegt sich teilweise schon jetzt am Rande der Kapazität.

Stuttgart - 2012 sind erneut 1,8 Millionen mehr Menschen in die S-Bahnen, Stadtbahnen und Busse der Region Stuttgart eingestiegen als im Jahr zuvor. 338 Millionen Fahrgäste insgesamt heißt der neue Rekord des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS).

Die S-Bahn ist mit werktäglich 340.000 Fahrgästen ebenso wie die Zubringerbusse zumindest in der Spitzenstunde zwischen 7 und 8 Uhr oft so voll, dass kaum mehr einer hineinpasst. „Wenn wir so weiterwachsen, kommen wir in drei, vier Jahren an unsere Grenzen“, sagte VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger am Freitag bei der Vorstellung der Bilanz für 2012. Das Problem: Der S-Bahn-Tunnel in der Innenstadt ist so ausgelastet, dass zur Hauptverkehrszeit keine zusätzlichen Züge hindurchpassen. Deshalb wird beim für die S-Bahn zuständigen Verband Region Stuttgart mal wieder darüber nachgedacht, welche Züge man noch verlängern könnte und wann man den 15-Minuten-Takt ausdehnen sollte, um für Entlastung in Stoßzeiten zu sorgen.

Von Backnang zum Flughafen in 40 Minuten

Entlastung des S-Bahn-Netzes ist auch der Grund, weshalb die Regionalversammlung 100 Millionen Euro für Stuttgart 21 gibt – obwohl der Tiefbahnhof im Kern dem Fernverkehr dienen soll. Gut für den Nahverkehr sollen neun neue Regionalexpress-Linien sein, die das Land plant. Diese sollen künftig nicht mehr am Hauptbahnhof enden, sondern beispielsweise von Böblingen nach Waiblingen oder von Ludwigsburg nach Esslingen durchfahren. Für letztere Verbindung bräuchte der Fahrgast künftig etwa 17 Minuten anstatt heute mindestens 30. Von Backnang zum Flughafen schrumpft die Fahrzeit von 61 auf 40 Minuten.

Nach einer Prognose der Karlsruher Verkehrsplaner PTV zum Generalverkehrsplan des Landes von 2010 soll dieses Konzept die Nachfrage im Nahverkehr der Region Stuttgart um 19.000 Fahrgäste steigern. Jürgen Wurmthaler, Direktor für Infrastruktur beim Regionalverband, geht davon aus, dass etwa Fahrgäste, die heute mit der S-Bahn zum Flughafen fahren, dann auf den Regionalexpress umsteigen. „Da werden Kapazitäten in der S-Bahn frei“, hofft Wurmthaler. Außerdem seien die „sehr schnellen Verbindungen“ ein großer Gewinn: „Wenn wir das mit der S-Bahn machen würden, wäre das mit riesigen Investitionen verbunden.“ Zumal sich Regionalzug und S-Bahn in einem dichteren Takt als die S-Bahn heute ergänzen könnten.

Der dritte Vorteil des Milliardenprojekts für den Nahverkehr ist die geplante S-Bahn-Station Mittnachtstraße, die nicht nur das neue Rosensteinviertel ans Netz anschließen soll. Dort soll auch eine zusätzliche Umsteigemöglichkeit von Norden in Richtung Bad Cannstatt und Esslingen geschaffen werden. „Das wird den S-Bahn-Halt am Hauptbahnhof von vielen Umsteigern entlasten“, sagt Jürgen Wurmthaler. Und damit könnten alle S-Bahnen pünktlicher werden, die in den Hauptbahnhof einfahren.

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