Weiter diskutiert: Die Flughafen-Anbindung bei Stuttgart 21 Foto: Visualisierung: Aldinger & Wolf

Die Stimmen, die eine Verbesserung der Bahnpläne bei Stuttgart 21 auf den Fildern fordern, mehren sich. Auch bei der SPD setzt man sich jetzt wieder für den sogenannten Filderbahnhof plus ein.

Stuttgart - Die Verfechter von zukunftsfähigen Schienenwegen beim Flughafen haben Zuwachs bekommen. Nach Stuttgarts OB Fritz Kuhn (Grüne) und Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) hat sich in diesem Sinne jetzt auch Martin Körner zu Wort gemeldet, der Fraktionsvorsitzende der SPD im Stuttgarter Gemeinderat.

Das ist etwas überraschend, hatte doch sein SPD-Kollege im Landtag, Claus Schmiedel, das Thema am 22. September für erledigt erklärt. Der Zug sei abgefahren. Die Chance auf einen Flughafenbahnhof plus statt der von der Bahn zur Genehmigung eingereichten Lösung bestehe nicht mehr.

Körner dagegen meint jetzt, das Zeitfenster dafür sei noch nicht geschlossen. Im Urteil über die Konzepte sei man sich einig. Schmiedel habe sich schließlich 2012 auch für die Plus-Lösung ausgesprochen. Hinzu kommt, dass der SPD-Abgeordnete Wolfgang Drexler nach Schmiedels Absage im September 2014 die Tür wieder ein wenig aufgemacht hatte: Die Landtagsfraktion sei bereit, alle Optionen für den Filderbahnhof erneut zu prüfen. Allerdings müsse die Bahn auf die SPD zukommen.

Körner, der erst seit September als Fraktionschef tätig ist, versucht eine aktivere Rolle zu spielen. Die SPD sei die einzige Fraktion im Gemeinderat, die sich klipp und klar zur Plus-Lösung bekenne, sagt er. Körner dringt darauf, dass nach dem OB auch die Stadt als solche Stellung bezieht, „was sie unter dem verkehrlichen Aspekt für besser hält“: die sogenannte Antragstrasse der Bahn mit einem neuen ICE-Bahnhof sowie einer bestehenden S-Bahn-Station, in der künftig auch Fernzüge halten – oder einen weiter zu den Airportterminals gelegten Bahnhof für Fernzüge neben einer S-Bahn-Station für S-Bahnen und Regionalbahnen. Letzteres ist das Konzept Bahnhof plus. Es wahrt nach Meinung von Kuhn und Bopp die Chance, später Schienenverkehr zwischen Böblingen und Esslingen zu schaffen – an Stuttgart vorbei.

Die Stellungnahme der Stadt müsse nicht unbedingt in Form einer Resolution verabschiedet werden, meint Körner. Das Signal könne sich automatisch ergeben, wenn man im Frühjahr mit den Experten der Stuttgarter Straßenbahnen AG über die Vor- und Nachteile der Varianten rede. Das hat die SPD jüngst beantragt. Körner mahnt: Was man jetzt baue, müsse für ein paar Jahrzehnte die Anforderungen nicht nur des Fernzugverkehrs, sondern auch des S-Bahn-Verkehrs erfüllen. Der Flughafenbahnhof plus ist aus seiner Sicht besser als das bisherige Konzept der Bahn oder die früher auch diskutierte Lösung, die Gäubahn nicht zum Flughafen zu führen, sondern durch einen Kehrtunnel direkt mit dem tiefgelegten Hauptbahnhof zu verbinden.

Körner erhöhte den Druck auf die anderen Akteure im Rathaus. Die Grünen als stärkste Fraktion und die CDU als zweitstärkste müssten klar sagen, was sie wollen. Von Gesprächen in Berlin, bei denen man Geld für eine bessere Lösung einwerben will, verspricht sich Körner nicht viel. Kuhn und Bopp müssten sich eher an Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) halten. Der Minister müsse einsehen, dass die Ziele des sogenannten ÖPNV-Pakts – 20 Prozent mehr Fahrgäste bis zum Jahr 2025 – mit dem Flughafenbahnhof plus viel besser zu erreichen seien. „Der Flaschenhals, den Kuhn bearbeiten muss, ist Minister Hermann.“

Wer wie viel für die bessere Lösung bezahlen soll, sagt Körner nicht. Nur so viel: „Aus meiner Sicht wird der Bahnhof plus nicht an unserem Finanzminister Nils Schmid und auch nicht an Claus Schmiedel scheitern.“

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