Der ehemalige Güterbahnhof Untertürkheim soll zum Abstellbahnhof umgebaut werden. Foto: Alexander Müller

Die Projektgesellschaft Stuttgart-Ulm hat die Unterlagen zum Bau des für Stuttgart 21 benötigten Abstellbahnhofs Untertürkheim beim Eisenbahnbundesamt eingereicht. Es ist der vierte Anlauf.

Untertürkheim - Die DB Projekt Stuttgart-Ulm hat im Dezember vergangenen Jahres beim Eisenbahnbundesamt (Eba) die Unterlagen zum Bau des für Stuttgart 21 erforderlichen Abstellbahnhofs in Untertürkheim eingereicht. Wieder einmal. Ja, es sei nun schon der vierte Anlauf, räumte Florian Bitzer, der Leiter des Planfeststellungsabschnitts 1.6b, in der Sitzung des Bezirksbeirates ein.

Der erste Entwurf stammt von 2004 und wurde öffentlich ausgelegt, ehe er im Jahr 2010 im Zuge der Finanzierungsvereinbarung von der Bahn zurückgezogen wurde. 2014 präsentierte der Schienenkonzern dann neue Überlegungen für den Wartungsbahnhof – und ließ diese aber wieder fallen, weil die Lärmbelastung für die Anwohner zu groß geworden wäre. Der dritte Antrag 2016 ist an der geplanten Umsiedlung der Mauereidechsen in einen Steillagenweinberg in Esslingen gescheitert – wie sich später herausstellte, befindet sich dort bereits eine große Zauneidechsenpopulation.

Pläne weiter optimiert

„Wir glauben fest daran, dass es diesmal etwas wird“, sagte Bitzer im Brustton der Überzeugung. Denn die Pläne für das gut zehn Hektar große Areal des ehemaligen Untertürkheimer Güterbahnhofs seien weiter optimiert worden. So ist nun vorgesehen, dass die Güterverkehrsstrecke von der Wohnbebauung an der Ausburger Straße ins Geländeinnere rückt, was den Lärmpegel mindert. Auch die Werkstatt der DB Regio wird nicht mehr benötigt. Für die 5500 Eidechsen, die man auf dem Areal vermutet, wurden Ersatzflächen – im Fachjargon Ersatzhabitat genannt – entlang der Bahntrasse in den Stadtteilen Rot und Freiberg ausgemacht. Allerdings sei dort nur Platz für die Hälfte der Population, so Bitzer. Der Rest könnte, sofern das Eba dem Kompromissvorschlag zustimmt, vor Ort verbleiben.

23 Gleise

Das Gleisfeld wird neu geordnet. Es entstehen eine große und eine kleine „Abstellgruppe“ für Fern- und Regionalzüge – insgesamt 23 Gleise, die jeweils zwischen 400 und 800 Meter lang sind. Insgesamt werden rund acht Kilometer neue Gleise verlegt. Errichtet wird an einem Ende des Geländes, ungefähr auf Höhe der Stadtbahnhaltestelle Blick, eine Außenreinigungsanlage, „eine Art Waschstraße“, so Bitzer. Sie wird eingehaust sein. Am anderen Ende, Richtung Untertürkheim, ist eine Innenreinigungsanlage geplant. Dabei handle es sich um eine Art Mittelbahnsteig, an dem rechts und links Züge stehen, durch die dann die Putztrupps gehen, erläuterte der Abschnittsleiter. Und natürlich brauche es für Personal und Material auch ein Betriebsgebäude, das in Verlängerung der Dietbachstraße etwa auf Höhe des alten Stellwerks vorgesehen ist. In diesem Bereich sind auch Parkplätze für die Bahnmitarbeiter vorgesehen – und eine Lärmschutzwand. Wie viele Züge künftig in Untertürkheim tagtäglich im 24- Stunden-Betrieb abgestellt und gereinigt werden, darüber können laut Bitzer noch keine Aussagen gemacht werden.

Kritik aus Untertürkheim

Die neue Anlage ersetzt den Abstellbahnhof am Rosensteinpark. Entgegen ursprünglicher Pläne soll der gesamte Abstellbedarf in Untertürkheim konzentriert werden – die Idee, weitere Kapazitäten an den Bahnhöfen in Obertürkheim und Münster zu schaffen, sind vom Tisch. Entsprechende Überlegungen hatten in den betroffenen Stadtbezirken für erhebliche Unruhe gesorgt. Aber auch in Untertürkheim stößt die Anlage auf Kritik. Die Anwohner befürchten nicht nur Lärm durch den Betrieb des Abstellbahnhofs, sondern auch durch die Bauarbeiten, für die vier Jahre veranschlagt sind. Wie Bitzer betonte, werden sie fast ausschließlich tagsüber zwischen 7 und 20 Uhr erfolgen. Ein großer Teil des Materials wird laut Bitzer zwar auf dem Schienenweg an- und abtransportiert, aber auch Lastwagenfahrten sind vorgesehen. Die Zufahrt im Bereich der Interregio-Kurve werde wohl bis 2014 Bestand haben, so Bitzer. Auch in der Ausburger Straße selbst sind Bauarbeiten vorgesehen: Es müssen sechs Abwasserkanäle, die das Gleisfeld heute queren, verlegt werden.

Am 13. Mai, kündigte Thomas Türk von der Projektgesellschaft an, werden die Pläne für den Abstellbahnhof Untertürkheim – zehn dicke Aktenordner – einen Monat lang öffentlich ausgelegt. Bis 13. Juli seien Einwendungen möglich. Im vierten Quartal dieses Jahres sollen diese dann bei einem Erörterungstermin besprochen werden. Die Projektgesellschaft hofft, Mitte 2020 den Planfeststellungsbeschluss des Eisenbahnbundesamtes zu erhalten, „dann könnten wir im vierten Quartal 2020 mit der Vorhabenumsetzung beginnen“.

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