Stuttgart-21-Baustelle Freier Blick auf die Kelchstütze

Von Antonio Jung 

Ein Blick hinter die Kulissen der S-21-Baustelle am Stuttgarter Hauptbahnhof gefällig? Seit Freitag und noch bis zum Dreikönigstag können Besucher die Großbaustelle besichtigen.

Stuttgart - Ein wenig erinnert sie an ein Ufo – im oberen Bereich hat sie einen Durchmesser von 32 Metern. Die erste ­betonierte Kelchstütze am Stuttgarter Hauptbahnhof ist eines der Highlights für die Besucher, die am ersten von insgesamt drei Tagen der offenen Baustelle gekommen sind. Manche Besucher machen sogar Selfies vor dem markanten Konstrukt, das später mit den anderen Kelchstützen das Dach des neuen Bahnhofs bildet.

„Die Stütze von 1,50 auf drei Meter fächert sich nach oben auf“, erklärt Ralf Megerle, Planungskoordinator Rohbau Abschnitt 1.1, den Besuchern. Eine Stütze besteht aus 650 Kubikmeter Beton. In ihr befinden sich etwa 350 Tonnen Bewehrungsstahl. Zahlen, die beeindrucken. „Die Eindrücke sind gewaltig. Man kann sich die Dimensionen im Voraus gar nicht vorstellen“, sagt die 71-jährige Angelina König.

Chance für Gespräche mit Fachleuten

Auch die Anlage des Grundwassermanagements zieht viele Besucher an. „Damit die Baugrube trocken bleibt, werden 100 Kubikmeter Grundwasser pro Stunde abgepumpt und gereinigt“, fasst David Bösinger, Pressesprecher des Vereins Bahnhofsprojekt Stuttgart–Ulm, zusammen. Dies entspreche etwa 1000 Badewannen pro Stunde. „27 Kilometer Rohre und 78 Brunnen wurden dafür verlegt und installiert“, erzählt Karsten Spörke, Abschnittsleiter des Grundwassermanagements, bei der Begehung der Anlagen. In diesem Bereich finden Besucher zudem Informationen zur neuen Stadtbahn-Haltestelle Staatsgalerie, zum Umbau des Bonatz-Baus und zum Betonlieferanten Godel Beton. Ein umgebauter Bus informiert über Ausbildungsberufe im Bau.

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Die Bürger nutzen die Gelegenheit, Einblicke in Europas größte Baustelle zu erhalten und sich in direkten Gesprächen mit den Fachleuten über den Baufortschritt und die verschiedenen Arbeiten zu informieren. Insgesamt gibt es 18 Informationsstandorte, die in drei Bereiche auf der rund 600 Meter langen Baustelle verteilt und die über fünf Zugänge zu erreichen sind.

10.000 Besucher am ersten Tag

Zugang 1 bei der Landesbank Baden-Württemberg führt zu einem Aussichtspunkt auf die ehemalige Bahndirektion. Aufgrund des Tunnelbaus wird das 15 000 Tonnen schwere Gebäude während der Bauzeit auf eine Betonplatte und diese auf Stützen gesetzt. Über den Zugang 2 beim Bahnhofsturm sowie die Zugänge 3 und 4, die man über den Mittleren Schlossgarten erreicht, gelangen Besucher zur Hauptbaustelle des neuen Bahnhofstrogs.

Zugang 5 bei der Staatsgalerie führt zur Rettungszufahrt Hauptbahnhof Süd. Sie macht den Fildertunnel und den Tunnel Ober-/Untertürkheim bei Notfällen befahrbar. Dort, 45 Meter unter der Geländeoberkante, teilen sich die zwei aus Richtung Hauptbahnhof kommenden zweigleisigen Tunnelröhren in vier eingleisige Tunnelröhren auf. Laut Veranstalter wurde die Baustelle in den letzten drei Jahren von knapp 100 000 Besuchern besucht.

Am ersten Besuchertag in diesem Jahr seien es bereits 10 000 Besucher gewesen, so der Verein Bahnprojekt Stuttgart–Ulm. Am Samstag und Sonntag, 5. und 6. Januar, besteht ebenfalls die Möglichkeit, die Großbaustelle zu besuchen. Einlass ist an beiden Tagen von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. An Ständen können sich die Besucher mit Essen und Getränken versorgen.

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