Bald wird die Alte Bahndirektion (rot umrandet) von der Bildfläche verschwinden. Foto: Google Maps/StN-Grafik Lange

Ausschreibung für Abriss läuft: Bahndirektion an Heilbronner Straße fällt für Tunnelbaustelle.

Stuttgart - Die Bahn hat den Abriss von sechs Wohn-, Büro- und Geschäftshäusern in der Innenstadt ausgeschrieben. Größter Komplex ist die frühere DB-Direktion an der Heilbronner Straße. Alle Gebäude fallen für den Tunnelbau von Stuttgart 21.

Beim Projekt Stuttgart 21 mit dem neuen Durchgangsbahnhof und der Strecke bis Wendlingen werden von der Innenstadt aus mehrere Tunnelstrecken gegraben. Von der Jägerstraße aus wird die Bahn den Tiefbahnhof mit den Gleisen im Bahnhof Feuerbach verbinden. Auf der Südseite des Talkessels werden gleich vier Tunnel unter der Willy-Brandt-Straße (B14) hindurch in Richtung Flughafen und nach Untertürkheim vorangetrieben.

Um die Tunnel graben zu können, müssen zuvor auf beiden Seiten des Talkessels Häuser abgerissen werden, die den Röhren im Weg stehen. Die Bahn hat dazu 2005 mit der Baugenehmigung für den achtgleisigen Tiefbahnhof die Freigabe erhalten und Gebäude gekauft. Wo das Unternehmen auf Widerstand trifft, kann es ein Enteignungsverfahren einleiten lassen.

Abriss des Südflügels bereits beauftragt

Abgerissen werden die Gebäude Jägerstraße 22 und 24, Teile der Häuser Jägerstraße 14 und 16 und der größte Teil der früheren Bundesbahn-Direktion zwischen Heilbronner und Jägerstraße. Auf der anderen Talseite fallen die Willy-Brandt-Straße 31 und 47 sowie das Haus Sängerstraße 4. Dieses Wohnhaus kann, anders als die anderen, nach dem Abschluss des Bahnhofs- und Tunnelbaus nicht wieder aufgebaut werden. Es stünde direkt auf der Tunneldecke.

Der Abriss der großteils bereits geräumten Häuser könnte noch im Dezember beginnen. Er soll bis Mai 2013 erledigt sein. Die Bahn sucht die billigsten Anbieter dafür in einem Verhandlungsverfahren.

Überrascht zeigt sich der Vermieter der alten Bahn-Direktion vom Abrisstermin. "Wir sind davon bisher nicht informiert worden", sagt Alexander Matthies. Der Architekt hat die alte Direktion seit 2006 von der Vivico Real Estate aus Frankfurt angemietet und die Räume über seine Firma Raum auf Zeit für im Monat rund zehn Euro pro Quadratmeter an rund 100 junge Firmen untervermietet. Dass der Abriss anstehe, sei grundsätzlich klar, sagt Matthies, die Mieter hätten daher auch Verträge mit einer Kündigungsfrist von nur drei Monaten. "Wir sperren uns nicht dagegen", sagt der 40-Jährige. Man werde versuchen, für die Mieter und ihre rund 350 Mitarbeiter eine neue Immobilie zu finden. Das Projekt Raum auf Zeit, das auf Existenzgründer aus der Kreativbranche abzielt, wird von der städtischen Wirtschaftsförderung unterstützt.

Grube fordert verbindliche Erklärung zum Weiterbau

Das Stuttgart-21-Informationsbüro wollte auf Anfrage keine Stellung zum Abriss nehmen. Man wolle die laufende Ausschreibung nicht gefährden, sagte eine Sprecherin. Spekulationen, dass die Ausschreibung auch den Südflügel des Bahnhofs umfasse, trat sie entgegen. Der Abriss des 200 Meter langen Flügelteils des Bonatz-Baus sei bereits beauftragt. Zum Termin äußere man sich nicht. Die Landesregierung hat an Bahn-Chef Rüdiger Grube appelliert, die Bagger am Bonatz-Bau erst auffahren zu lassen, wenn die Volksabstimmung über die Landesbeteiligung an den 4,1 Milliarden Euro stattgefunden hat. Der landesweite Urnengang soll am 27. November sein. Das sogenannte Gesetz über die Ausübung von Kündigungsrechten bei den vertraglichen Vereinbarungen für das Bahnprojekt Stuttgart 21 soll der Landtag kommenden Freitag in erster Lesung beraten. Am 28. September soll es verabschiedet werden. Grube kann sich dem Vernehmen nach einen Abriss-Aufschub vorstellen, fordert aber im Gegenzug vom Land eine verbindliche Erklärung zum Weiterbau.

Das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 hat die Landesregierung am Freitag dazu aufgerufen, mit der Bahn bis zum Volksentscheid keine weiteren Verträge einzugehen. Gemeint sind Gestattungsverträge, die es der Bahn erlauben, Landesgrundstücke im Oberen und Mittleren Schlossgarten zu nutzen. In dem Park sollen für die Bahnhofs-Baugrube mehr als 100 teils sehr alte Bäume gefällt werden. Die Bahn prüft, ob sie verpflanzt werden können.

Man erwarte, so Hannes Rockenbauch, Sprecher des Aktionsbündnisses, dass die Regierung die Rechtslage "intensiv und transparent prüft". Im Koalitionsvertrag finde sich ein Aufruf an die Bahn, von der ein Bau- und Vergabestopp bis zur Volksabstimmung erwartet werde. Die Gestattungsverträge bis nach der Volksabstimmung auszusetzen sei eine logische Konsequenz, so Rockenbauch. Auch die SPD müsse diese ziehen. Schließlich habe deren Spitzenkandidat Nils Schmid im Wahlkampf einen Baustopp bis zur Abstimmung gefordert.

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