Stuttgart 21 Bahn braucht zeitweise Halt in Vaihingen

Von Konstantin Schwarz 

Beim Filder-Dialog über den Anschluss des Flughafens an Stuttgart 21 fällt an diesem Samstag die Entscheidung.    Dabei rückt die Nutzung des Bahnhofs Vaihingen als Umsteigepunkt in den Blick. Foto: StN
Beim Filder-Dialog über den Anschluss des Flughafens an Stuttgart 21 fällt an diesem Samstag die Entscheidung. Dabei rückt die Nutzung des Bahnhofs Vaihingen als Umsteigepunkt in den Blick. Foto: StN

Bei der Diskussion um den Anschluss des Flughafens an Stuttgart 21 rückt Vaihingen in den Blick.

Stuttgart - Insgesamt bis zu 183 Bürger, Vertreter der Projektträger, von Initiativen und der Anrainerkommunen treffen sich diesen Samstag von 15 bis 21 Uhr im Atrium der Landesmesse. Es ist die letzte Runde des Filder-Dialogs. Die Teilnehmer sollen sich abschließend für eine oder mehrere von insgesamt sieben vorgestellten Möglichkeiten der Flughafenanbindung entscheiden. Auch Kombinationen sind möglich.

Am 13. Juli soll es eine Info-Veranstaltung geben, in der Bahn und Land von 19 bis 22 Uhr auf der Messe erläutern, wie sie mit den Vorschlägen weiter verfahren. Was der Dialog entscheidet, ist grundsätzlich unverbindlich. Bindend ist der Stuttgart-21-Finanzierungsvertrag über 4,5 Milliarden Euro. In diesem steht, dass alle Züge aus Richtung Singen künftig bei Rohr auf die S-Bahn-Gleise zum Flughafen und von dort aus weiter zum neuen Tiefbahnhof fahren.

Diese Mischnutzung der S-Bahn-Strecke lehnen die Filderkommunen ab. Die Mehrheit sprach sich beim zweiten Dialog vor einer Woche gegen diese Lösung aus. Eine Mehrheit votierte für die von Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) propagierte Variante: Die Gäubahn solle wie bisher über den Stuttgarter Westen fahren, eine neue Tunnelschleife sie in den Tiefbahnhof führen. Wer aus dem Süden des Landes zu Flughafen und Messe will, soll in Vaihingen auf die S-Bahn-Linien 2 oder 3 umsteigen. Dort solle ein Regional- und Fernzughalt entstehen.

Vaihingen als Verknüpfungspunkt auf den Fildern

Der Böblinger Landrat Roland Bernhard und die dortige FDP-Kreistagsfraktion sprachen am Freitag gegen die Vaihingen-Variante. Bernhard hält den Dialog wegen der bröckelnden Resonanz in der Bürgerschaft für gescheitert. Überlegungen weit abseits der Bahn-Pläne hätten „keine Chance auf eine Realisierung“.

Für die Bahn selbst liegt ein Regionalzughalt in Vaihingen nicht so weit abseits. Der Verknüpfungspunkt auf den Fildern, an dem schon heute mehrere S-Bahn-, Stadtbahn- und Buslinien andocken, soll in einer der letzten Bauphasen von Stuttgart 21 Regionalzüge aufnehmen. Die Gäubahn muss mindestens vier Monate vor Inbetriebnahme des neuen Tiefbahnhofs vom alten Hauptbahnhof abgeklemmt werden. Grund dafür ist die Verlegung der S-Bahn in der City. Sie bekommt auf dem Stuttgart-21-Gelände einen neuen Anschluss an den Nordbahnhof und muss dazu Gäubahngleise nutzen.

Die Auswirkungen auf die Gäubahn-Reisenden hält die Bahn für unproblematisch. In den vom Eisenbahn-Bundesamt (EBA) 2006 genehmigten Plänen heißt es, dass „die Regionalexpress-Züge während der Baudurchführung für den S-Bahn-Anschluss der Gäubahn bereits in Stg-Vaihingen enden, mit optimalen Umsteigemöglichkeiten zur S-Bahn“. Ihre Fernzüge will die Bahn „ab Böblingen über Renningen zum Bf Stuttgart Hbf“ fahren lassen.

Beim Filder-Dialog wurde auch nach Zahlen gefragt

Dass die drei Bahnsteigkanten in Vaihingen nur für S-Bahnen ausgelegt sind, ist für die Regionalzüge mit ihrem 20 Zentimeter tiefer liegenden Einstieg kein Problem. Regional- und Fernzüge dürften halten, sagt das EBA auf Anfrage. Es könne aber sein, dass Reisende vor der Stolperfalle am Bahnsteig „durch Hinweise zu warnen sind“.

Im jüngsten Filder-Dialog wurde auch Zahlen erfragt: Wie viele Fahrgäste wollen zum Flughafen, zum Hauptbahnhof oder nach Vaihingen? „Aktuelle Prognosezahlen in einem zur Beantwortung dieser Frage erforderlichen Detailierungsgrad liegen nicht vor“, antwortet die Bahn. Das ist erstaunlich, denn Flughafen-Chef Georg Fundel rechnet durch S 21 mit 1,2 Millionen zusätzlichen Fluggästen pro Jahr. Zahlen darüber, wie viele es ohne direkten Gäubahn-Anschluss wären, „gibt es nicht“, sagt Fundel.

Das Landes-Verkehrsministerium lieferte in dieser Woche in der Beantwortung einer CDU-Anfrage („Folgen bei einem Gäubahnhalt in Vaihingen“) Zahlen. 110 Menschen pro Tag oder rund 40 000 im Jahr finden aus den südlichen Landkreisen über den Umstieg auf die S-Bahn in Böblingen und Rohr zum Flughafen. 90 davon stammten von außerhalb des bis Herrenberg reichenden VVS-Gebiets. Insgesamt nutzten die S-Bahnen zwischen Böblingen und Flughafen 560 Fahrgäste am Tag. Wie viele es bei einer Direktverbindung der Gäubahn zum Airport sein könnten? Das müsse, so das Ministerium „gutachterlich ermittelt werden“.

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