Stuttgart 21 "Azer wirft nicht das Handtuch"

Von Michael Isenberg 

Hany Azer Foto: Kraufmann
Hany Azer Foto: Kraufmann

Im Exklusivinterview spricht Projektleiter Azer über Gründe seines Rückzugs und eigene Fehler.

Stuttgart - Sein Rückzug als S-21-Chefplaner sorgt für Aufsehen. Nun äußert sich Hany Azer erstmals im Interview zu den Gründen. Der 61-Jährige widerspricht Annahmen, er sei wegen Mehrkosten oder Risiken zurückgetreten. Das Milliardenprojekt liege finanziell im Rahmen, betont er.

Herr Azer, Sie geben zum 31. Mai die Gesamtprojektleitung für Stuttgart21 und die ICE-Strecke Wendlingen-Ulm auf. Weshalb?

Es gibt persönliche Gründe, es gibt berufliche Gründe und es gibt Gründe, die mit der angespannten Atmosphäre in der Bürgerschaft beim Stichwort Stuttgart21 zusammenhängen. Trotzdem ist es mir nicht leicht gefallen, die Projektleitung abzugeben; das können Sie mir glauben. Es geht ja nicht nur um mich - es geht auch um mein Team mit 100 hochmotivierten Ingenieuren, Kaufleuten, Sachbearbeitern, und, und. Ich hinterlasse ein gut bestelltes Haus.

Wann haben Sie das Signal auf Rückzug gestellt?

Ich habe seit einigen Monaten immer wieder mit dem Gedanken gespielt. Den konkreten Entschluss zum konsequenten Schlussstrich habe ich vor zwei Wochen getroffen.

Hat man versucht, Sie umzustimmen?

Vorstandschef Rüdiger Grube, sein Kollege Volker Kefer, andere Vorstände, Projektsprecher Wolfgang Dietrich - ja, es haben einige versucht. Ich habe auch etliche Anrufe erhalten, etwa von Hartmut Mehdorn. Dieses ehrliche Bemühen hat mir gut getan.

Die Deutsche Bahn hat mitgeteilt, dass einer der Gründe für den Rückzug die ständigen Anfeindungen und Drohungen gegen Ihre Person waren. Können Sie das konkretisieren?

Das Thema wird etwas zu hoch geschaukelt. Es gab zwar solche unschönen Dinge gegen mich und das Team, doch wir dürfen uns davon nicht gefangen nehmen lassen. Es gibt in der wunderschönen Stadt Stuttgart so viele freundliche, zugewandte und kluge Menschen. Wir sollten gemeinsam nach vorne schauen, in die Zukunft.

Sie empfinden keinen Groll?

Nein. In meiner Branche sagt man: Die Eisenbahn hat keinen Rückspiegel. Ich bin ein versöhnlicher Mensch; das entspricht meiner Persönlichkeit und auch meinem christlichen Glauben.

Kritiker argwöhnen, Ihr Rückzug hätte mit verborgenen Kostensteigerungen und weiteren Risiken bei Stuttgart21 zu tun, die Sie nicht länger mittragen wollten. Stimmt das?

Das trifft nicht zu. Das ist eine komplett falsche Vermutung. Jeder, der mich kennt, weiß: Der Azer wirft nicht das Handtuch.

Lesen Sie jetzt