Stuttgart 21 im Modell Foto: dpa

Die Deutsche Bahn hat weitere Aufträge für den Bau des Tiefbahnhofs vergeben.

Stuttgart - Die Bahn hat weitere wichtige Aufträge für den Bau des Tiefbahnhofs vergeben. Berichte über Zeitverzögerungen bei der Realisierung von Stuttgart21 bezeichnet Projektsprecher Wolfgang Drexler als "unverantwortliche Spekulation".

Beim Bau des neuen Tiefbahnhofs und des innerstädtischen Tunnelrings nach Bad Cannstatt und Untertürkheim/Obertürkheim werden nach Berechnungen der Bahn-Ingenieure bis zu drei Milliarden Liter Grundwasser anfallen. Das entspricht 15.000.000 randvollen Badewannen. Diese Wassermassen müssen abgepumpt, gereinigt und zum Teil wieder ins Erdreich infiltriert werden.

Pumpen sollen sechs Jahre laufen

Den Auftrag für das sogenannte Grundwassermanagement hat die für das Bahnprojekt Stuttgart-Ulm zuständige DB Projektbau vor einer Woche an die Hölscher Wasserbau GmbH in Essen vergeben. Das teilte am Dienstag Projektsprecher Wolfgang Drexler mit. Der Auftrag an die Firma Hölscher endet zum 31.Dezember 2020, also ein Jahr nach der geplanten Fertigstellung des Bahnprojekts Stuttgart21.

Das Auftragsvolumen für Hölscher liegt bei 30 Millionen Euro. Es ist das größte Projekt der Firmengeschichte. Die Spezialfirma aus Essen wird die zentrale Grundwasseraufbereitungsanlage neben dem heutigen Bahnhofsturm errichten. 16,5 Kilometer oberirdische Druckleitungen verbinden die Anlage mit den diversen Baugruben im Stadtgebiet und den bereits gebohrten Brunnen zur Rückführung des Grundwassers. Hölscher wird die Anlage auf- und abbauen. Die eigentlichen Pumpen sollen sechs Jahre lang laufen.

Gleisfeld soll bis 2012 umgebaut sein

 Mit dem Bau einer tragenden Tunneldecke aus Stahlbeton für die S-Bahn im Bereich des Gleisvorfelds hat das Stuttgarter Bauunternehmen Wolff&Müller einen weiteren Stuttgart-21-Auftrag erhalten. Ein Bericht unserer Zeitung, wonach der familiengeführte Mittelständler auch den Nordflügel des Bonatz-Baus abreißen und ein zweistöckiges Technikgebäude unter dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz für den künftigen Tiefbahnhof errichten soll, hatte Drexler bereits am Freitag bestätigt.

Auf die Frage, zu welchem Termin die Bagger am Nordflügel anrücken, vermochte ein Sprecher von Wolff&Müller am Dienstag keine Antwort zu geben. Dass man zu dem Bauprojekt "nichts sagen" dürfe, sei mit dem Büro Drexler "vertraglich so geregelt", teilte der Mann mit. In Drexlers Büro stoßen die Nachfragen jedoch genauso ins Leere. Vermutlich dauert es noch Wochen, bis der auch für die ICE-Neubaustrecke Wendlingen-Ulm zuständige Gesamtprojektleiter Hany Azer einen verbindlichen Zeitplan für Stuttgart21 vorlegen kann.

Gleisfeld soll bis 2012 umgebaut sein

Im kleinen Kreis betont Azer, dass er erst dann einen konkreten Zeitplan nennen will, wenn er den auch hundertprozentig einhalten kann. In der Öffentlichkeit nährt Azers Schweigen aber die Zweifel an der Zuverlässigkeit der DB Projektbau. So sah sich Drexler am Dienstag zu einem heftigen Dementi gezwungen: Der bereits begonnene Umbau des jetzigen Gleisvorfelds solle wie geplant "bis Juli 2012 abgeschlossen sein", beteuerte Drexler: "Das gilt unverändert." In einem Zeitungsbericht vom selben Tag war über eine drohende Verzögerung beim Gleisvorfeld um ein Jahr berichtet worden.

Dass die DB Projektbau den Auftrag für den Abbruch des Nordflügels wenige Stunden nach einem positiven Urteil des Landgerichts erteilt hatte, ruft ebenfalls Kritiker auf den Plan. Ehe nicht alle Baugenehmigungen für das Gesamtprojekt vorlägen, sollten auch "keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden", fordert der Landtagsabgeordnete Werner Wölfle (Grüne).

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