Stuttgart 21 Aufschub für die Juchtenkäfer

Von Konstantin Schwarz 

Auf diesem Streifen am Rosensteinparks will die Bahn eine Straße bauen. Foto: Peter Petsch
Auf diesem Streifen am Rosensteinparks will die Bahn eine Straße bauen. Foto: Peter Petsch

Für das Bahnprojekt Stuttgart 21 sollte dem Rosensteinpark ein Stück für eine Straße abgezwackt werden. Dafür wollte die Bahn bis 28. Februar Bäume fällen. Doch sechs davon müssen stehen bleiben, weil geschützte Käfer in ihnen wohnen. Die Straße gibt es vorerst nicht.

Für das Bahnprojekt Stuttgart 21 sollte dem Rosensteinpark ein Stück für eine Straße abgezwackt werden. Dafür wollte die Bahn bis 28. Februar Bäume fällen. Doch sechs davon müssen stehen bleiben, weil geschützte Käfer in ihnen wohnen. Die Straße gibt es vorerst nicht.

Stuttgart - Am Rand des Rosensteinparks plant die Bahn für ihr Projekt Stuttgart 21 einen komplizierten Eingriff in den Untergrund. Direkt an der Ehmannstraße, die den Park von Abstellbahnhof und Paketpostamt trennt, sollen der neue Cannstatter und der noch tiefer liegende neue S-Bahn-Tunnel sich kreuzen. In der Kreuzung verzweigen sich die beiden Strecken auch noch von je zwei- zu zwei eingleisigen Tunneln.

Die Baugruben sollten laut dem S-21-Zeitpaln seit Mitte Dezember entstehen. Erst in dieser Woche aber werden die Fällarbeiten am Parkrand abgeschlossen. Es sind die vorletzten, denn an die letzten sechs Bäume darf die Bahn keine Säge setzen, weil sie Heimstatt streng geschützter Rosen- und Juchtenkäfer sind. Dieser Umstand habe „umfangreiche Umplanungen erfordert“, sagt S-21-Sprecher Wolfgang Dietrich. Die Startbaugrube sei nun machbar.

Um Platz für die Tunnelbaustelle zu schaffen soll ein Teil der Ehmannstraße zeitweise in der Park verlegt werden. Auf dem schmalen Asphaltband herrscht vor allem morgens reger Verkehr. Gelbe Lieferwagen werden im alten Postamt bis unter das Dach mit braunen Päckchen beladen. Die Straße ist eine wichtige Schlagader, muss aber zeitweise der Baustelle weichen. Daher braucht es den asphaltierten Bypass am Parkrand.

An diesem Plan hält die Bahn fest. Die Käfer-Bäume sollen weg. Wie? Dazu hatte das Unternehmen einen Vorschlag an das Eisenbahn-Bundesamt (Eba) gereicht. Ohne den Stempel der Genehmigungsbehörde geht beim Thema Artenschutz gar nichts. Die Behörde aber hatte den Vorschlag für die zwölfte Planänderung im S-21-Bauabschnitt 1.5 am 4. Oktober 2013 „nach der ersten stichprobenartigen Durchsicht mit Blick auf Vollständigkeit und Plausibilität ablehnen müssen“, heißt es bei der Bonner Behörde. Das Verfahren sei abgeschlossen, man erwarte einen neuen Planänderungsantrag.

Gerhard Pfeifer, Stuttgarter Regionalgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) kennt die alten Pläne für die Juchtenkäfer. „Die sechs Bäume sollten gefällt und zu einer Pyramide zusammengestellt werden“, sagt er. Angeblich sollten sich die Käfer im Totholz ungestört weiter entwickeln können. Ein derartiges Konzept habe auf einer Großbaustelle in Ostdeutschland „nicht zu zufriedenstellenden Ergebnissen geführt“, sagt Pfeifer. Die Bahn müsse sich also eine andere Lösung einfallen lassen, den Straßenbypass zur Not um die locker verteilten Bäume führen.

Die letzten elf käferfreien Bäume würden bis zum Ende der gesetzlichen Fällgrenze am 28. Februar entfernt, sechs Bäume umgepflanzt, sagt Wolfgang Dietrich. Für den Rest gehe er davon aus, dass die Bahn „in der nächsten vegetationsfreien Periode eine Lösung“ haben werde. Der BUND wird vom Eba dazu voraussichtlich angehört werden.

Auf den S-21-Endtermin im Dezember 2021 habe die Verzögerung keinen Einfluss, sagt Dietrich. Eine gegenteilige Aussage wäre für die Bahn fatal und müsste, weil jedes Jahr Verzug 100 Millionen Euro kostet, dem DB-Technikvorstand Volker Kefer vor dem Bahn-Aufsichtsrat die Schamröte ins Gesicht treiben. Zumal der von Kefer gern zitierte „behördliche Schwergang“ im Fall unvollständiger und nicht plausibler Bahn-Unterlagen beim Kontrollgremium kaum mehr verfangen dürfte.

An Tempo zulegen sollen von März an nicht nur die Tunnelbaustelle am Park, sondern auch die Arbeiten für die vom alten Hauptbahnhof in den Norden führenden Baustraßen. Projektgegner mutmaßen, dass die Bahn ihr eigentlich bis Ende Februar umzusetzendes Logistikkonzept auch bis August nicht schaffen wird.

Im August läuft die Frist ab, die in der Baugenehmigung für die Nutzung öffentlicher Straßen gewährt wurde. „Die Arbeiten für die Baulogistik laufen auf Hochtouren“, heißt es im S-21-Sprecherbüro. Genau Infos werde man im März liefern.

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