Bleibt er beim VfB Stuttgart? Oder geht er? Sasa Kalajdzic weiß es nicht. Fest steht: Die Ablöseforderung des VfB sprengt alle bisherigen Dimensionen.
Kitzbühel - Dass sein Leben in den vergangenen zwölf Monaten ein völlig anderes geworden ist, hat Sasa Kalajdzic auch am ersten Tag seines Urlaubs festgestellt. In einem Supermarkt wollte er schnell ein paar Besorgungen machen, stellte seinen Wagen auf dem Parkplatz ab – und sah sich beim Aussteigen sofort von Menschen umringt, die um ein gemeinsames Foto baten. „Verrückt“, sagt er, „und das in Kroatien!“
Jetzt ist der Urlaub vorbei und Sasa Kalajdzic (24) im Trainingslager des VfB Stuttgart in Kitzbühel. Hier hat er sich mit seinem Club schon im vergangenen Sommer auf die neue Saison vorbereitet, nur war damals alles ganz anders. Nachdem er zuvor fast ein Jahr verletzt gefehlt hatte, war er nicht mehr als ein Hoffnungsträger. Jetzt ist der zwei Meter große Mittelstürmer aus Wien nicht nur die Identifikationsfigur der VfB-Fans, sondern auch ein internationaler Fußballstar, der mit europäischen Topclubs in Verbindung gebracht wird und nicht mehr auf die Straße gehen kann, ohne erkannt zu werden.
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16 Tore in seiner Premierensaison in der deutschen Bundesliga, der Aufstieg zum österreichischen Nationalspieler, die Teilnahme an der Europameisterschaft, der Flugkopfballtreffer im Achtelfinale gegen den späteren Turniersieger Italien (1:2 nach Verlängerung), das angebliche Interesse von Vereinen wie dem AC Mailand oder FC Chelsea: Da kann einem schon mal schwindelig werden, wenn man mit 19 noch im Reserveteam von Admira Wacker Mödling in der Regionalliga Ost gekickt und den Schwerpunkt auf die Schule gelegt hat.
Am Strand konnte Sasa Kalajdzic zunächst nicht entspannen
In den ersten Urlaubstagen nach der Europameisterschaft hat Sasa Kalajdzic am Meer gelegen und sich vergeblich bemüht zu entspannen. „Mein Kopf war zu voll mit all dem, was ich erlebt habe.“ Irgendwann ist er dann doch zur Ruhe gekommen, hat alles noch einmal Revue passieren lassen, sich intensiv mit Familie und Freunden ausgetauscht - und sich am Ende diese Verarbeitungsstrategie zurechtgelegt: „Ich versuche, so zu tun, als wäre alles ganz normal, als wäre nichts passiert.“ Doch wusste er gleichzeitig auch: „Wenn es wieder losgeht, prasselt wieder alles auf mich ein.“
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Jetzt sind sie also wieder da, die Autogrammjäger, Schulterklopfer und Selfiewünsche, die Kameras, die Reporter – und damit auch die Fragen, die Sasa Kalajdzic seit Monaten begleiten und mit jedem Tor drängender geworden sind: Wie geht es weiter mit dem Mann, der für so großen Aufsehen gesorgt und das Interesse so vieler Clubs geweckt hat? Wie lange bleibt er dem VfB noch erhalten? Wechselt er womöglich bereits in diesem Sommer? Seine Antwort auf all diese Fragen ist so ehrlich wie vernünftig und lautet: „Ich weiß es nicht.“
Es gibt im Profifußball nicht viele Spieler, die so geerdet, bescheiden und grundsympathisch sind – und gleichzeitig so unverstellt über ihre Zukunft sprechen wie Sasa Kalajdzic. Dass ihm der VfB ans Herz gewachsen ist, daran besteht kein Zweifel. Er nennt seine Mitspieler „meine Freunde“, hat sich auf das Wiedersehen sehr gefreut und schließt nicht aus, seinen 2023 auslaufenden Vertrag zu verlängern („Natürlich kann ich mir das vorstellen“). Treueschwüre gibt er dennoch nicht ab, weil auch Sasa Kalajdzic ein Profi ist, der seine Träume hat, Titel gewinnen will und nicht weiß, ob nicht vielleicht morgen oder übermorgen einer jener Vereine kommt, die ihm diese Möglichkeit bieten. „Wenn ich der Meinung bin, dass es etwas gibt, das mich wirklich beeindruckt und von dem ich sage, das möchte ich machen, dann mache ich das auch.“
Neben Topstars wie Erling Haaland (Borussia Dortmund), Harry Kane (Tottenham Hotspur) und Romelu Lukaku (Inter Mailand) sitzt auch Sasa Kalajdzic auf dem internationalen Stürmerkarussell, das darauf wartet, sich in Bewegung zu setzen. Noch ist es ruhig, alle schauen nach England und warten auf den Dominoeffekt. Steht der erste Wechsel erstmal fest und werden die Millionen in den Markt gespült, dann kann es ganz schnell gehen.
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Beim VfB sind sie darauf vorbereitet – und so entspannt wie der Stürmer. Die geforderten Transfereinnahmen von 40 Millionen Euro hat Sportdirektor Sven Mislintat bereits erwirtschaftet, seine Pflicht also erfüllt. Zur Kür würde ein Transfer von Sasa Kalajdzic werden, der nur dann in Betracht käme, wenn ein derart unmoralisches Angebot käme, das aus Vernunftsgründen kaum abzulehnen wäre. Die Schmerzgrenze beim VfB, so heißt es, soll bei 50 Millionen Euro liegen.
50 Millionen – eine Zahl, die für Sasa Kalajdzic vermutlich ein weiteres Mal schwer verdaulich wäre und die er erst einmal einordnen und verarbeiten müsste. Seinen klaren Verstand, so viel steht fest, würde der Mittelstürmer auch dann nicht verlieren.