Den VfB-Stürmer Nicolas Gonzalez zieht es nach Italien. Foto: dpa/Matthias Balk

Der Wechsel des Argentiniers Nicolas Gonzalez ist beschlossene Sache und beschert dem VfB Stuttgart eine hohe Ablöse. Droht nun auch noch der Abgang von Sasa Kalajdzic? Die Verhandlungsstrategie von Sportdirektor Sven Mislintat steht bereits.

Stuttgart - Bei der Copa América, der derzeit in Brasilien ausgetragenen Südamerika-Meisterschaft, steht in der Rubrik „Zahlen, Daten, Fakten“ eine Veränderung bevor. Als Legionär des VfB Stuttgart ist derzeit noch Nicolas Gonzalez im Kader der argentinischen Nationalmannschaft gelistet – doch wird der 23 Jahre alte Stürmer vom 1. Juli an mit größter Wahrscheinlichkeit einen neuen Arbeitgeber haben: den AC Florenz.

 

Die Verhandlungen zwischen dem VfB und dem Traditionsclub aus der Toskana sind erfolgreich abgeschlossen. Die Italiener haben den ebenfalls interessierten englischen Premier-League-Club Brighton & Hove Albion ausgestochen, ihre Schmerzgrenze noch einmal nach oben verschoben – und damit die Forderungen von VfB-Sportdirektor Sven Mislintat erfüllt. Gonzalez bringt den Stuttgartern eine Ablöse von 24 Millionen Euro, verabredet sind zudem Bonuszahlungen in Höhe von weiteren vier Millionen Euro.

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Noch nie hat die Fiorentina, in der abgelaufenen Saison Tabellendreizehnter der Serie A, mehr für einen neuen Spieler bezahlt. Dem VfB wiederum haben nur die 35-Millionen-Transfers von Benjamin Pavard und Mario Gomez zum FC Bayern noch mehr Geld in die Kasse gespült.

Abzuhaken bleibt nur noch ein letztes Detail, mit dem der VfB nichts mehr zu tun hat: der obligatorische Medizincheck, der vom AC Florenz zu organisieren ist und zwangsläufig in Brasilien durchgeführt werden muss. Nach dem 1:1 zum Auftakt gegen Chile standen Gonzalez’ Argentinier im zweiten Gruppenspiel in der Nacht zum Samstag Uruguay gegenüber.

In der zurückliegenden Saison stand Gonzalez nur zehnmal in der Startelf

Sollte keine schwere Verletzung den Transfer im letzten Moment durchkreuzen und die medizinische Untersuchung zur erwarteten Formsache werden, hätte der VfB ein gutes Geschäft gemacht: Verdreifacht wären die 8,5 Millionen Euro, die 2018 an Gonzalez’ Heimatverein Argentinos Juniors flossen. Und einigermaßen verkraftbar wäre – zumindest nach den Erfahrungen der abgelaufenen Saison – der sportliche Verlust des 23-Jährigen, der zwar über ein gewaltiges Potenzial verfügt, aufgrund verschiedener Blessuren aber nur zehnmal in der Startelf stand.

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Gleichzeitig hätte Sven Mislintat schon frühzeitig den von der Clubführung erteilten Auftrag erfüllt, mit Transfereinnahmen die wirtschaftliche Situation des VfB zu stabilisieren. Mit den Verkäufen von Torwart Gregor Kobel (23), der Borussia Dortmund 15 Millionen Euro wert war, und Gonzalez wären ziemlich genau die geforderten 40 Millionen erreicht, die dazu beizutragen sollen, die durch Corona entstandenen Löcher zu stopfen.

Für Neuzugänge stehen vorerst elf Millionen Euro zur Verfügung

Auf Basis dieser Finanzplanungen stehen Mislintat für die Verpflichtung von Neuzugängen elf Millionen Euro zur Verfügung, von denen ein Großteil bereits ausgegeben oder verplant ist. Mit gut fünf Millionen schlägt der Transfer des Mainzer Torhüters Florian Müller (23) zu Buche. 1,5 Millionen kostete es, den bislang von Juventus Turin ausgeliehenen Mittelfeldspieler Naouirou Ahamada (19) fest zu engagieren.

Für den Transfer des Offensivallrounders Chris Führich (23) vom SC Paderborn sind weitere 2,5 Millionen eingeplant. Bedeutet: Um Innenverteidiger Konstantinos Mavropanos (23) auch in der nächsten Saison beschäftigen zu können, kommt wohl nur ein erneutes Leihgeschäft mit dem FC Arsenal in Betracht. Immerhin verdichten sich die Signale aus London, dass der Grieche zu haben ist.

Findet sich für Abwehrspieler Marc Kempf noch ein Abnehmer?

Abgeschlossen wären damit die Personalplanungen für die neue Saison – es sei denn: Der Verkauf weiterer Leistungsträger eröffnet neue Möglichkeiten auf dem Transfermarkt. Gesprächsbereit ist Mislintat allerdings nur im Falle des Abwehrspielers Marc Kempf (26), dessen Vertrag im nächsten Jahr ausläuft und der im Idealfall durch U-21-Europameister Nico Schlotterbeck (21) vom SC Freiburg zu ersetzen wäre. Keinen Verhandlungsbedarf hingegen sieht der VfB-Sportdirektor bei anderen Profis – schon gar nicht bei Sasa Kalajdzic (23), der kein Geheimnis daraus gemacht hat, bei der EM Werbung in eigener Sache machen zu wollen.

Noch hat sich beim VfB niemand über mögliche Transfermodalitäten erkundigt – weder der österreichische Nationalstürmer selbst noch seine Berater und auch nicht der AC Mailand, der angeblich um Kalajdzic buhlen soll. Doch selbst wenn irgendwann ein Großclub vorstellig werden sollte – in Mislintat säße ihm ein unerbittlicher Verhandlungspartner gegenüber. Durch den bevorstehenden Deal mit dem AC Florenz hat der VfB-Sportdirektor seine Pflicht bereits erfüllt – reine Kür wäre der Verkauf von Kalajdzic, dessen Vertrag erst 2023 ausläuft. Was bedeutet: Die Ablöse müsste deutlich über dem Preis von Nicolas Gonzalez liegen.