Die Flammenden Sterne faszinieren viele Feuerwerksliebhaber. Foto: /Horst Rudel

Das Umweltbundesamt gibt Entwarnung: Die Belastung durch Pyrotechnik bei Großveranstaltungen ist gering. Dennoch verzichtet Stuttgart beim Lichterfest auf Raketen. Anderswo in der Region kommen Feuerwerkfans aber auf ihre Kosten.

Die Aktion hat bundesweit Aufsehen erregt. 2019 hatte der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) für seine Stadt den Klimanotstand ausgerufen und damit den Verzicht auf das große Feuerwerk beim Konstanzer Seenachtsfest begründet. Zwei Jahre später hat er nach einer Bürgerbefragung, bei der sich eine große Mehrheit der Konstanzer für ein Feuerwerk ausgesprochen hatte, die unpopuläre Maßnahme mit nicht ganz so großem Getöse wieder zurückgenommen.

 

Aber noch heute hat sich das noch nicht überall herumgesprochen. „Eigentlich ist es ja verrückt, weil ein Seenachtsfest ohne Pyro eigentlich nicht vorstellbar ist. Aber wir haben dieses Jahr extra Plakate mit dem Hinweis ,Seenachtsfest MIT großem Seefeuerwerk‘ drucken lassen“, erzählt der Veranstalter Jürgen Wünsche von der Stuttgarter Agentur MPS.

Gut gewappnet gegen Kritik an Feuerwerken

Seit vielen Jahren organisieren er und der international renommierte Pyrotechniker Joachim Berner nicht nur das Feuerwerksspektakel am Bodensee, das am 13. August stattfindet. Sie sind auch verantwortlich für den internationalen Feuerwerkerwettstreit Flammende Sterne vom 19. bis 21. August im Scharnhauser Park in Ostfildern (Kreis Esslingen), bei dem an drei Abenden Pyrotechniker aus drei Ländern um den Sieg feuern.

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In der Vergangenheit waren diese Ereignisse stets begleitet von Diskussionen darüber, ob die CO2- und Feinstaubbelastung sich überhaupt noch rechtfertigen lassen. Sollte es in diesem Jahr ähnliche Vorwürfe geben, fühlen sich Berner und Wünsche gut gewappnet. Wünsche: „Jetzt haben wir das, was unsere Experten schon lange sagen, auch amtlich: Die Menschen können ohne schlechtes Gewissen zum Feuerwerk gehen.“

„Wenn die Luft zum Schneiden ist“

Wünsche beruft sich bei dieser Aussage auf eine Quelle, die in der Tat als objektiv gelten kann. Das Umweltbundesamt hat sich ausführlich mit den Auswirkungen von Feuerwerk auf die Umwelt beschäftigt. Die Ergebnisse sind in der Broschüre „Wenn die Luft zum Schneiden ist“ zusammengefasst.

Thema Feinstaub: Während das Umweltbundesamt durchaus erhebliche umweltschädliche Auswirkungen durch das Silvesterfeuerwerk attestiert, heißt es dort wörtlich: „Im Gegensatz zu Silvesterfeuerwerken sind Höhenfeuerwerke lokal auf eine Stadt und zeitlich auf meist nur wenige Minuten begrenzt. Die Feinstaubmasse ist insgesamt betrachtet nur ein Bruchteil derer zu Silvester.“ Zudem kämen Feuerwerkskörper zum Einsatz, die in größeren Höhen als Silvesterfeuerwerke explodieren: „Das bedeutet, der Feinstaub wird nicht bodennah, sondern weit oben freigesetzt und kann sich dort mit dem Wind rasch verteilen. An Feinstaub-Messstationen in der Nähe ist der Einfluss solcher Höhenfeuerwerke nicht oder nur geringfügig erkennbar.“

Deutlich weniger Kohlendioxidausstoß als angenommen

Auch beim Kohlendioxidausstoß rudert das Umweltbundesamt zurück. Bisher sei man davon ausgegangen, dass durch Feuerwerk mindestens 4500 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr in Deutschland produziert werde. Neue Berechnungen gehen nun davon aus, dass es sich „nur“ um 2050 Tonnen handele. Das entspreche einem Anteil von 0,00013 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen. Davon wiederum entfielen maximal 25 Prozent, also pro Jahr 500 Tonnen, auf Großfeuerwerke.

Und noch eine Zahl: Werden 100 Kilogramm Nettoexplosionsmasse in die Luft gefeuert, entspricht das der CO2-Menge, die durch die Verbrennung von weniger als sechs Litern Diesel entsteht. Bei einem Feuerwerk der Flammenden Sterne werden, so Jürgen Wünsche, 1100 Kilogramm Explosionsmasse gen Himmel geschickt. Das entspricht also dem Verbrauch von rund 60 Liter Diesel. Das Fazit des Umweltbundesamts: „Die CO2-Emissionen aus Feuerwerkskörpern sind von geringerer Bedeutung.“ Wünsche hofft, dass „die neuen Erkenntnisse dazu beitragen können, die Diskussionen über die Umweltverträglichkeit von Feuerwerken zu versachlichen und den vermeintlichen Schrecken, der über dem Himmelszauber lastet, zu vertreiben.“

Vom Blüba bis zum „Leuchtenden Weinberg“

Von diesen Botschaften profitieren auch die anderen Feuerwerke in der Region Stuttgart: Am 2. Juli lädt das Blühende Barock zum Musikfeuerwerk nach Ludwigsburg. Ebenfalls in Ludwigsburg – allerdings am Seeschloss Monrepos – findet genau zwei Wochen später das Klassik-Open-Air-Konzert der Schlossfestspiele samt pyrotechnischer Begleitung statt. Der Rems-Murr-Kreis lockt mit der Veranstaltung „Leuchtender Weinberg“ am 30. Juli nach Weinstadt.

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Auch für das Lichterfest am Killesberg ist Joachim Berner verpflichtet worden. Dort wird er dieses Jahr keines seiner spektakulären Feuerwerke zünden können. Denn der Gemeinderat, darauf weist Jörg Klopfer, der Sprecher des Veranstalters in. Stuttgart, hin, hat beschlossen, dass das Lichterfest zwei Jahre lang ohne Feuerwerk auskommen soll. Stattdessen soll Berner nun am 9. Juli als Höhepunkt des Abends eine Drohnen-Lasershow zaubern. Ob das – auch angesichts der Erkenntnisse aus dem Umweltbundesamt – vielleicht doch eine einmalige Episode bei dem seit 70 Jahren veranstalteten Traditionsfest bleibt, muss man abwarten.