Konsequent uneinig: Fritz Kuhn (Grüne, links) und Sebastian Turner (parteilos, unterstützt von CDU, FDP, FW) beim Streitgespräch in unserer Redaktion. Foto: Leif Piechowski

Grüner Fritz Kuhn: Kontrahent Turner betreibt Schmähungen – heftiger Schlagabtausch um City-Maut in Stuttgart: Die Spitzenkandidaten um den Stuttgarter OB-Posten werfen sich wenige Tage vor dem entscheidenden Wahlgang gegenseitig einen Mangel an Glaubwürdigkeit vor.

Stuttgart - Im Streitgespräch in der Redaktion der Stuttgarter Nachrichten wirft der Grüne Fritz Kuhn seinem Kontrahenten, dem von CDU, FDP und Freien Wählern unterstützten Sebastian Turner, einen „Schmähwahlkampf“ vor. Turner versuche, „als Werbemensch halt“, ihn zum Beispiel bei Stuttgart 21 in die Rolle des Kostentreibers zu schieben, sagt Kuhn, der beim ersten Wahlgang mit 36,5 Prozent um zwei Prozentpunkte vor Turner lag.

Wenn der Grüne am 21. Oktober zum OB gewählt werden würde, wäre das „ein schwerer Schlag für das Projekt“, sagt Turner. Kuhn sei mit seiner Abkehr von der City-Maut, einer Zwangsabgabe zur Einfahrt in die Stadt, unglaubwürdig, schließlich habe er über Jahre für die Maut gekämpft. „Ich werde sie nicht einführen“, verteidigt sich Kuhn. Er setze auf ein Parkraummanagement wie im Westen auch in der Stadtmitte. Turner will die Verkehrsprobleme auch mit neuen Straßen wie der Nordostumfahrung angehen. Das sei unbezahlbar, kontert Kuhn.

Turner müsse "keine Freunde decken"

Die Chancen des Tiefbahnhofprojekts Stuttgart 21 sehen die Bewerber völlig unterschiedlich. „Die Verzögerungen kommen eindeutig von der Bahn“, sagt Kuhn. Die Stadt könne sich nicht an Kosten beteiligen, die durch das Fehlverhalten des Bauherrn entstünden. Es sei unklar, ob die Kapazität von acht neuen Durchgangsgleisen in der Praxis ausreiche. Kuhn erwartet, dass der Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro „reißt oder schon gerissen ist“.

Er werde bei Stuttgart 21 „härter als Kuhn gegenüber der Bahn und dem Land sein“, kündigt Turner an, weil er „keine Parteifreunde decken“ müsse. Die Stadt müsse helfen, dass die Bahn weniger Fehler mache und mit dem Projekt vorankomme, weil sich sonst die Planungen für das Rosenstein­viertel verzögerten.

Einig sind sich die Kontrahenten beim Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und bei der Industriestruktur. Busse und Bahnen in der Region Stuttgart müssten stärker ­gefördert, die Stärke der verarbeitenden ­Industrie müsse erhalten werden.

Den ersten Teil des Streitgesprächs lesen Sie am Dienstag, 16. Oktober, in den Stuttgarter Nachrichten sowie auf der Homepage der StN unter www.stuttgarter-nachrichten.de. Der zweite Teil folgt am kommenden Mittwoch.

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