Das Restmüllheizkraftwerk in Böblingen. Foto: Stefanie Schlecht

Im Streit um die erhöhten Fernwärme-Preise fordert Frank Schumacher, Geschäftsführer des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk Böblingen, Planungssicherheit von den Stadtwerken Böblingen ein.

Im Streit um höhere Fernwärmepreise meldet sich erneut Frank Schumacher als Geschäftsführer des Zweckverbands Restmüllheizkraftwerk Böblingen (RBB) zu Wort. Jüngst sorgte eine angekündigte Tariferhöhung der Stadtwerke Böblingen um bis zu 40 Prozent für Unmut bei den Kunden. Deren Interessengemeinschaft machte gemeinsam gestiegene Lieferpreise für die Abwärme aus dem Restmüllheizkraftwerk für den Preissprung verantwortlich, die Stadtwerke dementierten dies nicht. Die IG Fernwärme kündigte gar die Prüfung rechtlicher Schritte an.

 

Sindelfingen hat Vertrag bereits unterschrieben, Böblingen noch nicht

„Die IG Fernwärme schiebt dabei die Schuld zu Unrecht dem Restmüllheizkraftwerk in die Schuhe“, keilt der Zweckverband am Freitag zurück. Man bedaure diese unbegründeten Vorwürfe und sehe sich nun unverschuldet einer unsicheren Situation ausgesetzt. Hintergrund sind laufende Vertragsverhandlungen über die künftige Wärmelieferung aus dem RMHKW, deren Preise nicht mehr an den Öl- und Gaspreisindex gekoppelt sein sollen, sondern an Lohn- und Inflationsindizes. Die Stadtwerke Sindelfingen, die ebenfalls die Wärme von dort beziehen, haben den neuen Vertrag bereits unterschrieben, Böblingen noch nicht.

Schuhmacher: „Eigentlich war es Konsens zwischen dem RBB und den beiden Stadtwerken Böblingen und Sindelfingen, das Vertragsverhältnis zur Abnahme von Fernwärme neu zu gestalten.“ Die Verhandlungen seien seit drei Jahren einvernehmlich geführt und bis zur Beschlussreife gebracht worden, heißt es vom RBB. Nun hätten die Stadtwerke Böblingen erklärt, zunächst die Diskussionen um ihre Preiserhöhung abzuwarten. RBB-Geschäftsführer Frank Schumacher: „Damit geht uns Planungssicherheit verloren, die wir nicht nur für die gegenwärtige Produktion von Fernwärme benötigen, sondern auch für die zukünftige Erhöhung der Fernwärmemengen.“

Wenn die geplante Klärschlammverwertungsanlage neben dem RMHKW in 2027 in Betrieb gehe, soll auch sie Wärme ins Netz einspeisen – auf Wunsch der beiden Stadtwerke. „Damit unsere derzeit laufende Planung der neuen Anlage weiterhin den Vorstellungen der Stadtwerke entspricht, braucht es daher rasch ein verbindliches Bekenntnis, welche Zukunft die Fernwärme in Böblingen hat. Das müssen wir schnell von den Stadtwerken wissen“, sagt Schuhmacher. Die jüngsten Verständigungsgespräche des RBB mit den Stadtwerken Böblingen stimmten ihn indes hoffnungsvoll. Die Stadtwerke Böblingen hätten inzwischen das seither erzielte Verhandlungsergebnis akzeptiert. Sie hielten den ausgehandelten Bezugspreis für besser als alle Alternativen. Ziel des RBB ist es, für die gesamte Fernwärmemenge die neuen Wärmelieferverträge bis Jahresende unter Dach und Fach zu bringen.