Immer wieder kommt es im Schönbuch zu Streit zwischen Mountainbikern und Wanderern. Foto: dpa

Immer wieder kommt es zwischen Mountainbikern und Wanderern im Schönbuch zu Unstimmigkeiten. Doch die Verantwortlichen beim Naturpark haben einen Plan.

Herrenberg - Immer wieder kommt es im Schönbuch zwischen Fußgängern und Mountainbikern zu Streit. Die einen fühlen sich durch rücksichtslose Radler gefährdet, die anderen berichten von Beschimpfungen und in den Weg gelegten Hindernissen.

Ein 28-Jähriger aus dem Kreis Tübingen, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, dreht mit seinem Mountainbike gerne ausgedehnte Runden im Schönbuch. Besonders hat es ihm der Hauptwanderweg 5 angetan. Das ist ein 311 Kilometer langer Fernwanderweg, der in Pforzheim beginnt und im Schönbuch an Herrenberg (Kreis Böblingen) vorbeiführt. Bloß: dort dürfte er eigentlich gar nicht fahren. Radfahrer sind nach der in Baden-Württemberg geltenden Zwei-Meter-Regel auf Wege mit einer Breite von zwei Metern beschränkt. Im Schönbuch gibt es reichlich davon. Von einem 700 Kilometer langen Wegenetz wäre das Radeln auf 500 Kilometern Wegstrecke legal. Allerdings sind diese Forstwege meist gut ausgebaut und mehr oder weniger gerade.

Rücksichtnahme und Höflichkeit

Zu langweilig, findet der Mountainbiker, und nutzt deshalb auch schmalere, unebenere Pfade beispielsweise am Schönbuchtrauf für seine Touren. Dabei setze er aber immer auf Sicherheit. „Ich schieße nicht irgendwo runter und gefährde Leute“, sagt er. Rücksichtnahme und Höflichkeit – das ist dem Mountainbiker im Wald sehr wichtig. „Man muss gegenseitigen Respekt zeigen“, findet er, dann könne das Nebeneinander funktionieren.

Immer wieder trifft er auf Fußgänger, die sich an seinem Anblick stören. Nachvollziehen kann das der Radler nicht. Neulich sei er von hinten an eine Gruppe Wanderer herangefahren, berichtet er. Laufend habe er sie überholt, jeden freundlich gegrüßt und sei auch zunächst nett zurückgegrüßt worden. Nur ein Mitglied der Gruppe habe sich gestört gefühlt, zu wettern begonnen und den Rest der Gruppe gegen ihn aufgehetzt. „Dabei hatte ich wirklich nichts gemacht.“

Ein anderes Mal sei ihm jemand direkt vor sein Rad gesprungen. „Zu Handgreiflichkeiten kam es aber nicht.“ Auch komme es vor, dass manche Menschen Wege mit Holztoren versperrten, die nur einen schmalen, für Fußgänger passenden Spalt aufwiesen, oder Äste quer über Wege legten. „Darüber kann ich nur schmunzeln“, sagt der junge Mann, denn er könne mit seinem Rad ganz einfach über Äste hinwegspringen. Nicht zum Lachen sei es, wenn jemand Drähte über Wege spanne. Ein Bekannter habe sich so verletzt.

Mountainbike-Route soll ausgeschildert werden

Er kann allerdings auch die andere Seite in diesem Streit nachvollziehen. „Es gibt auch schwarze Schafe unter den Mountainbikern“, sagt er. Einmal, als er zu Fuß im Schönbuch unterwegs war, kam ihm ein Biker entgegen. Als sie auf gleicher Höhe waren, musste er zur Seite springen, um sich in Sicherheit zu bringen. „Da bin ich echt wütend geworden.“

Christine Bengel-Fritz, die Mitarbeiterin des Naturparks Schönbuch, die für die Beschilderung von Wegen zuständig ist, kann ihm und allen anderen Waldbesuchern Hoffnung machen. Der Naturpark sei dabei, die komplette Beschilderung des Wegenetzes zu erneuern und wolle in diesem Zuge im kommenden Jahr auch eine spezielle, 100 Kilometer lange Strecke für Mountainbiker ausweisen, sagt sie. Auf einigen, nicht zwei Meter breiten Teilstücken würden dabei auch Ausnahmen von der Zwei-Meter-Regel gemacht, verspricht sie. 30 Kilometer lang sei der Anteil dieser schmalen Pfade am Mountainbike-Weg. Die Strecke biete verschiedene Möglichkeiten einzusteigen, zu variieren und abzukürzen. Geplant sei je eine Runde bei Herrenberg und eine zwischen Tübingen und Dettenhausen, die mit Spangen verbunden würden. Spezielle Schilder würden alle Besucher dort auf ein erhöhtes Fahrradaufkommen hinweisen. „Außerdem arbeiten wir an einer Netiquette, die an den Respekt aller Besucher appelliert.“

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