Die Stuttgarter S-Bahnen fahren nach einem Notfahrplan. Foto: dpa

Tag vier im Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn. So langsam wird der Weg zur Arbeit zur Routine. Wie jeden Morgen sind die Straßen und die Stadtbahnen voll, genauso wie die S-Bahnen, die großteils jede Stunde fahren.

Stuttgart - Nach einem gescheiterten Vermittlungsversuch der Bahn streiken die Lokführer im Südwesten den vierten Tag in Folge. „Der Ersatzverkehr läuft stabil. Die Züge fahren genauso, wie es die Reisenden im Internet abrufen können“, sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Passagiere müssen sich wie am Vortag darauf einstellen, dass nur jeder dritte Fernzug fahren wird. Außerdem fallen 50 Prozent der Regionalzüge aus, die S-Bahnen setzen sich nur jede Stunde in Bewegung.

Pendler stehen sich auf den Füßen

"Die Züge sind schon deutlich voller als sonst", bestätigte der Deutsche-Bahn-Sprecher. Sitzplätze seien Mangelware - obwohl die S-Bahnen bereits mit Langzügen führen. Dazu komme die Taktung während des Notfahrplans, die dafür sorge, dass sich die gleiche Menge Fahrgäste auf weniger Züge verteilt. "Während des Streiks fährt tagsüber nur etwa die Hälfte aller S-Bahnen, in der 'Rush Hour' fährt dann nur noch eine von normalerweise vieren", so der Sprecher.

Streik auch auf der Straße spürbar

Doch nicht nur auf der Schiene machte sich der Streik der Lokführer auch am zweiten Tag noch deutlich bemerkbar - auch auf den Straßen in Stuttgart gab es zeitweise mehr Verkehr als sonst. "Und die Leute fahren früher los zur Arbeit", sagte ein Polizeisprecher. So verschiebe sich das regulär hohe Verkehrsaufkommen zeitlich etwas nach vorne. Zum großen Stau-Chaos sei es aber bisher nicht gekommen. Auch auf den Autobahnen rund um Stuttgart war am Donnerstagmorgen erneut viel los. Voll sind auch die Stadtbahnen.

Von dem bis Sonntag um 9 Uhr angekündigten Streik sind Personen- wie Güterzüge betroffen. Im Güterverkehr legten die Lokführer bereits am Montagnachmittag ihre Arbeit nieder. Am Dienstag kam der Personenverkehr dazu.

Weselsky nennt Platzeck "PR-Gag"

Am Mittwoch hatte die Bahn zunächst vergeblich vorgeschlagen, den Konflikt vom früheren Ministerpräsidenten Brandenburgs, Matthias Platzeck (SPD), moderieren zu lassen. GDL-Chef Claus Weselsky sagte zwar eine Prüfung des Vorschlags zu, lehnte es aber gleichzeitig ab, wegen eines "PR-Gags" der Bahn den Streik abzubrechen.

Die bei der GDL organisierten Lokführer bestreiken seit Montag den bundesweiten Güterverkehr, am Dienstag waren auch die Personenzüge hinzugekommen. Es handelt sich um die achte Streikrunde seit September 2014. Die GDL will Tarifverträge auch für diejenigen Mitglieder erkämpfen, die nicht zur Gruppe der Lokführer gehören. Damit begibt sie sich in Konkurrenz zur größeren Verkehrsgewerkschaft EVG. In den komplizierten Verhandlungen will die Bahn inhaltsgleiche Vereinbarungen mit beiden Gewerkschaften durchsetzen.

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