Mountainbiker weihen Mitte Mai den frisch eröffneten „Ebertrail“ bei Ebersbach ein. Foto: /Philipp von Ditfurth

Die Forstbehörde will Konflikte zwischen Wanderern und Radlern durch die Ausweisung neuer Strecken entschärfen. Eine davon soll am Hörnle beim Hohenstaufen entstehen. Ein Verein arbeitet mit Stadt und Kreis Varianten dafür aus.

Mountainbiken ist beliebt, doch mit dem Boom verschärfen sich auch die Konflikte im Wald. Sei es mit den Wanderern und Spaziergängern, die sich die Wege mit den schnellen Radlern teilen, oder beim Schutz der Tiere und Pflanzen. Um in diesem Bereich gegenzusteuern, hat der landeseigene Forstbetrieb Forst Baden-Württemberg ein Pilotprojekt aufgelegt, das mit Trails in ausgewählten Bezirken im Land Abhilfe schaffen soll.

 

Immer mehr Strecken im Kreis Göppingen

Wie ist die Lage im Landkreis? „Das Forstamt hat in Zusammenarbeit mit den Waldbesitzenden in den vergangenen Jahren verschiedene offizielle Mountainbike-Trails genehmigt und verfügt deshalb in diesem Zusammenhang über eine langjährige Erfahrung“, berichtet Thomas Maier, der Leiter des Forstamts im Kreis Göppingen. Dabei können die Experten der Behörde auf eine Freizeitwegekonzeption zurückgreifen, die mit den betroffenen Akteuren abgestimmt ist. „Damit verfügt der Landkreis über ein großes Angebot, weitere Strecken sollen auf Grundlage der Konzeption hinzukommen“, erklärt der Forstamtsleiter. Zu den bereits vorhandenen Trails für sportliche Mountainbiker gehört der „Alb Crossing“, ein Trail, der durch ganz Baden-Württemberg führt. „Es ist ein Flowtrail ohne bauliche Anlagen“, erläutert Maier. Darüber hinaus wurde in Heiningen der „Voralb-Hero“ eingerichtet, bei dem es sich ebenfalls um einen Flowtrail handelt. In Ebersbach wurden eine Flowtrail- und Downhilltrailstrecke kombiniert und Anfang 2023 genehmigt. Zusätzlich gibt es in der Region auch die „Schurwaldrunde“, einen Flowtrail, der größtenteils auf den Wegen des neuen „Ebertrails“ verläuft.

Gemeinderat schmetterte die Vorschläge jahrelang ab

Es gibt aber auch Kommunen, die sich schwer damit tun, aus illegalen Trails offizielle Strecken für Freizeitsportler zu machen. Dazu gehört der Mountainbike-Trail am Hörnle bei Hohenstaufen. Seit Jahren beantragt die Göppinger SPD-Fraktion im Gemeinderat die Genehmigung des Trails, immer wieder wurde dieser Wunsch vom Gemeinderat und der Verwaltung mit Hinweis auf den Naturschutz abgeschmettert. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache. „Die Stadt erarbeitet zurzeit in Zusammenarbeit mit dem Forstamt Göppingen und dem Trendsportclub Hohenstaufen Streckenvarianten für einen Mountainbike-Trail, darunter auch eine Streckenführung im Hörnle“, erklärt die Göppinger Baubürgermeisterin Eva Noller. Das Ergebnis solle mit den betroffenen Interessengruppen, darunter die Jägerschaft, der Naturschutzbund und der Schwäbische Albverein, abgestimmt werden. In der ersten Jahreshälfte 2024 sollen die Stadträte dann über die Mountainbike-Trails abstimmen.

„Der Bedarf an interessanten oder anspruchsvollen Strecken ist groß. Neue Trails sind etwa in Donzdorf, Geislingen, Kuchen, Ottenbach, Salach oder Wiesensteig im Gespräch“, erzählt Maier. Auch das Forstamt befürwortet die „proaktive Lenkung der Moutainbikenden“ auf legalen Trails. „Die schlechteste aller Lösungen sind nicht abgestimmte Strecken, die von den Mountainbikenden selbstständig angelegt werden“, betont der Forstamtsleiter. Gerade bei diesen Routen seien Konflikte bei den vielen Interessengruppen, die sich im Wald bewegen, programmiert, fügt er hinzu.

Kampagne wirbt für gegenseitige Rücksicht

„Richtige Konflikte zwischen verschiedenen Nutzergruppen sind zum Glück seltene Ausnahmefälle“, erklärt Susanne Leinberger, Büroleiterin Kreisentwicklung und Kommunikation im Landratsamt. Als einen möglichen Grund nennt sie das bestehende Freizeitwegekonzept, aber auch die Kampagne „Rücksicht macht Wege breiter“, die „für Verständnis werben soll“. Neben reinen Montainbike-Trails, die eher sportliche Biker ansprechen, setzt der Landkreis auch auf die Ausweisungen von „Shared Trails, die von Mountainbikern und Wanderern genutzt werden können. Hier haben aber Fußgänger und Wanderer generell Vorfahrt“, erläutert die Pressesprecherin.

Strecken erzeugen ein fließendes Fahrgefühl

Flowtrails
 Diese für Mountainbiker angelegte Strecken ermöglichen ein flüssiges oder fließendes Befahren. Sie sind technisch weniger anspruchsvoll als abschüssige und steile Downhill-Strecken.

Pflege
Flowtrails sind überwiegend im Kommunal- und Staatswald eingerichtet, in der Regel unterhält ein Verein als Betreiber die Strecke. Die Kommune ist teilweise beim Unterhalt und in der Gewährleistung der Sicherheit auch engagiert.

Angebot
 Derzeit gibt es im Landkreis Göppingen vier sogenannte Löwentrails zwischen 13 und 30 Kilometer Länge. Sie sind vor allem bei Einsteigern und E-Mountainbikern beliebt, weil die Trailanteile moderat sind. Das Highlight des jüngsten Löwentrails „Schurwaldrunde“ ist der etwa ein Kilometer lange „Ebertrail“. Neue Löwentrails sind in Planung, schon 2024 ist eine weitere Strecke für Mountainbiker bei Heiningen und Eschenbach geplant.