Der Ostendplatz aus der Perspektive eines Anwohners: links oben die Haußmannstraße, rechts daneben die Landhausstraße und die Ostendstraße mit der Stadtbahn. Foto: Schäfer

Zu den Geschichten aus der Haußmannstraße haben sich Anwohner gemeldet.

S-Ost - Oliver Schäfer mag den Ostendplatz – trotz aller Nachteile, die so ein Verkehrsknotenpunkt mit sich bringt. Der gebürtige Sindelfinger hat eine Zeit lang in einer Wohngemeinschaft direkt am Platz gelebt – und sich auf den Aufruf in der Montag-Ausgabe des Innenstadt-Teils, Erlebnisse und Geschichten zum Ostendplatz oder zur Haußmannstraße einzusenden, gemeldet.

Für Schäfer war das WG-Zimmer der erste eigene Wohnort nach dem Auszug aus dem Elternhaus. Er war im ersten Ausbildungsjahr zum Heilerziehungspfleger, arbeitete in einem Wohnheim für Menschen mit schweren mehrfachen Behinderungen in der Haußmannstraße und die WG war sozusagen eine Dienstwohnung, die sein Arbeitgeber zur Verfügung stellte.

„Die Lage war laut“, schreibt Schäfer. „Im Erdgeschoss die Kneipe, unten der Verkehr einschließlich der Stadtbahn, die rund zwei Meter vor dem Fenster vorbeifuhr und das Zimmer zum Vibrieren brachte – alle fünf Minuten im Schnitt.“ Alles in allem also eine Horrorvorstellung von Wohnen – könnten man denken. „Aber anders als man vermuten könnte, genoss ich die Lage“, fährt Schäfer fort. „Der Stadtbahnlärm störte mich nicht und hielt mich nicht vom Schlafen ab. Stattdessen wurde man mit einem herrlichen Panoramablick über den Ostendplatz belohnt, der für mich ebenso viel wert war wie für andere Menschen der Blick über den Talkessel.“

„Schön wäre es, wenn die Stadt hier ein Erbarmen hätte“

Schäfer hat den Ostendplatz direkt vom Fenster seines WG-Zimmers aus zu verschiedensten Zeiten fotografiert und Panoramaansichten gestaltet. Heute wohnt er, nach einem kurzen Intermezzo im Stuttgarter Westen, in Gaisburg. „Der Ostendplatz ist noch immer erste Anlaufstelle für regelmäßige kleinere und mittlere Besorgungen, da alle Dinge des täglichen Bedarfs hier zu bekommen sind.“ Für Schäfer wie für viele andere Einwohner des Stadtbezirks ist der Platz das Zentrum des Ostens, egal ob fürs Einkaufen oder Umsteigen.

Auch Helga Pilz aus der Haußmannstraße schreibt: „Der Ostendplatz mit vielen Geschäften, Ärzten, Apotheken etc. liegt zentral und ist gut erreichbar.“ Helga Pilz gehört zu denjenigen, die dem Osten treu sind, sie wohnt seit 1968 an der Haußmannstraße. Sie ärgert sich darüber, dass es andernorts immer wieder Verschönerungsarbeiten gibt, „aber meine Haußmannstraße ist und bleibt ein Stiefkind. Der Teil oberhalb des Ostendplatzes wurde letztes Jahr saniert, nicht jedoch der Teil unterhalb der Abelsbergstraße. Es ist eine Schande, wie dieser Straßenabschnitt aussieht.“ Sie kann sich nicht vorstellen, dass die Bewohner der Neubauten an der unteren Haußmannstraße über den Zustand der Straße glücklich sind. Helga Pilz: „Schön wäre es, wenn die Stadt hier ein Erbarmen hätte.“

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