Ida Carlebach lebte in Bad Cannstatt. Foto: Staatsarchiv Ludwigsburg

Der Künstler Gunter Demnig verlegt am Samstag wieder Stolpersteine in Bad Cannstatt. Ein kleines Denkmal wird unter anderem für Ida Carlebach gesetzt, die laut der Cannstatter Stolperstein-Initiative von der NS-Politik in den Freitod getrieben wurde.

Bad Cannstatt - Am 27. November 1938 hat Ida Carlebach den Gashahn im Haus ihrer Kindheit an der Moltkestraße (heute Dürrheimer Straße) aufgedreht und ihr Leben beendet. Was auf den ersten Blick wie ein tragischer Freitod aussehen mag, ist für die Cannstatter Stolperstein-Initiative ein gewolltes Ergebnis einer zielgerichteten NS-Politik. Für die war eine zunehmende Zahl von Selbstmorden das erwünschte Anzeichen „der Weiterschreitung der Verproletarisierung der Juden“.

„In Cannstatt erinnern bereits Stolpersteine an der König-Karl-Straße an Fritz Rosenfelder und Ernst Baer, die dem Druck des Antisemitismus ebenfalls nicht standhalten konnten“, sagt Rainer Redies von der Stolperstein-Initiative.

Eine zurückhaltende und vornehme Dame

Ida Carlebach, fünftes Kind des orthodoxen Juden und Viehhändlers Veit Kahn, hatte laut Redies mit mehreren Schicksalsschlägen zu kämpfen. Ihr Bruder Siegfried war bereits 1932 gestorben, und die Neffen Herbert und Julius wanderten Anfang 1938 aus. Tief erschüttert hat sie dann der Brand der Synagoge an der König-Karl-Straße im November 1938. „Wie versteinert stand sie da“, erinnert sich eine Zeitzeugin. Die damals elfjährige Margarete C., die seit 1931 mit ihrer Familie im selben Haus lebte wie Ida Carlebach, hat die alte Dame als zurückhaltend und besonders vornehm in Erinnerung.

In Alltagsdingen sei die allein lebende Ida Carlebach allerdings von ihrem Dienstmädchen Hannelore abhängig gewesen. Diese staffierte auch Puppen von Margarete und deren Schwester von Kopf bis Fuß neu aus, und aus der Garderobe von Ida Carlebachs Nichte Minne Kahn gab es auch Kleider aus Seide für die beiden Nachbarsmädchen.

Stolperstein wird am Samstag verlegt

Im Tod war die großzügige Frau trotzdem allein: Zur Beerdigung auf den jüdischen Friedhof war vorsichtshalber keiner gegangen, schließlich wollte sich niemand dem Vorwurf aussetzen, sich mit Juden abzugeben. Von Samstag an wird aber ein Stolperstein an Ida Carlebachs tragisches Schicksal erinnern.

Termin:
Der Künstler Gunter Demnig verlegt den Stolperstein für Ida Carlebach am Samstag, 23. Mai, um 12.45 Uhr an der Dürrheimer Straße 5. Um 13 wird ein weiteres kleines Denkmal in den Gehweg an der Kreuznacher Straße 13 versenkt, dieser wird an Sophie Dreifuß erinnern, 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde und und in Treblinka starb.

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