Hannes Hörr hat im Dezember präsentiert, wie der Stöckach im Stuttgarter Osten einmal aussehen könnte. Foto: Elke Rutschmann

„Anspruchsvoll, aber wahnsinnig interessant“: Für das Projekt „Der neue Stöckach“ im Stuttgarter Osten erweitern die Beteiligten den Partizipationsprozess mit drei Modulen.

Stuttgart-Ost - Das Neue Stöckach wird nicht nur ein zukunftsweisendes Stadtquartier – schon die vielfältige Form der Bürgerbeteiligung für das ambitionierte Projekt zwischen Hack-, Metz- und Stöckachstraße ist beispielhaft. Davon konnten sich auch die Bezirksbeiräte aus dem Stuttgarter Osten bei ihren virtuellen Sitzung überzeugen. Kristina Oldenburg von Kokonsult, die den Partizipationsprozess im Auftrag der EnBW begleitet, stellte die entsprechenden Module dafür vor.

 

Die Stadtplanerin wird ein wichtiges Bindeglied zwischen der Bürgerschaft und den beteiligten Parteien sein und bringt als Expertin für kreativen Dialog, kommunikative Strategie sowie partizipatives Gestalten die entsprechende Expertise mit. Der Partizipationsprozess wird in Kooperation mit der Landeshauptstadt Stuttgart und der IBA 27 geführt. „Das ist eine Herausforderung, weil viele Beteiligte miteinander klarkommen müssen“, sagt Kristina Oldenburg, die sich je nach Situation als Kritikerin oder als Mediatorin einbringen wird.

Ideen sollen ins Projekt einfließen

Konkret geht es um drei Partizipationsmodule, die den gesamten Prozess über fortgeführt und inhaltlich mit den fachlich-planerischen Verfahrensschritten verknüpft werden. Aufgeteilt ist der Prozess in ein „Kreativ-Modul“, ein „Wissen-Modul“ und ein „Feedback-Modul“ , der die Bereiche „mitmachen und erfinden“, „sich schlau machen“ sowie „zusammen nachdenken und reflektieren“ abdeckt. So wird für die interessierte Bürgerschaft schnell deutlich, wo welche Informationen abzurufen und welchen Zweck die jeweilige Veranstaltung erfüllt und was sie am meisten anspricht. Soweit möglich fließen die dort entwickelten Ideen in die weiteren Planungen ein.

Das ist bereits beim ersten Beteiligungssalon unter dem Motto „zusammen nachdenken & reflektieren“ passiert, der dem Feedbackmodul zugeordnet werden kann. „Der Salon war schon immer ein guter Ort, um Gespräche führen zu können“, sagt Kristina Oldenburg. Die Salonkultur habe schon vor 200 Jahren neue Formen menschlicher Kommunikation hervorgerufen, in der sich Menschen aus verschiedenen Milieus getroffen haben. Die EnBW wollte von den Teilnehmenden wissen, was sie besonders interessiert, damit möglichst viele Punkte in die Gestaltung der Beteiligungsangebote einfließen können. Dabei ist eine bunte Palette aus Ideen entstanden, die in einem Schaubild festgehalten wurde.

Inspirierend war dabei auch der virtuelle Vortrag von IBA-27-Intendant Andreas Hofer, der den 60 Teilnehmenden einen spannenden Einblick in seine Arbeit gab. Er geht davon aus, dass sich Wohnen und Arbeiten in den kommenden Jahren massiv wandeln werden und mehr oder weniger ineinanderfließen. „Wir stehen hier vor einem großen Umbruch. Klar ist: Wir suchen das neue Normal. Und dieses wird ziemlich anders sein als wir es heute kennen und leben“, sagt Hofer. Diesen Ansatz vertritt auch Verena Gehrmann-Linnerth von der EnBW: „Schon heute müssen wir über Lösungen für die nächsten Jahrzehnte nachdenken und dabei neue Wege bestreiten. Dies macht den Vorgang komplex und anspruchsvoll, aber auch wahnsinnig interessant.“

Die Bürger werden von Anfang an mitgenommen

Die Akzeptanz für das Neue Stöckach ist groß, weil die Bürger von Beginn an mitgenommen wurden. Am 24. April können Bürgerinnen und Bürger in der Kreativwerkstatt, einem weiteren Partizipationsbaustein, über Themen wie Freiraumplanungen oder Fragen rund um Wohnen und Nahversorgung intensiv diskutieren. Der Abriss der ersten Gebäude soll Mitte 2021 beginnen, der neue Bebauungsplan soll Mitte 2022 beschlossen werden. Er ist erforderlich, weil das Gelände bisher lediglich als Gewerbefläche ausgewiesen ist. Der eigentliche Baubeginn ist für 2022 angestrebt. Der aktuelle Planungsstand für den neuen Stadtbaustein soll am 30. März 2021 im Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik des Gemeinderats vorgestellt werden.