Seite 3StN-Reihe „Über Kunst“ mit Klaus Gerrit Friese Internet-Handel ist kein Schreckgespenst

Von Thomas Morawitzky 

Internet-Handel ist kein Schreckgespenst

An die unbedingte Ausweitung des Handels in das Internet glaubt Friese nicht. „Wir versuchen natürlich alle, das in unsere Strategien miteinzubeziehen. Ich glaube aber, das ist im Wesentlichen noch nicht gelungen, und all die Messen, die sich im Digitalen abspielten, haben nicht wirklich funktioniert. Ich denke allerdings auch, dass wir das ­weniger beklagen sollten.“ Und er ist sicher: „Man verkauft nur analog.“ Künstler, die auf dem digitalen Markt hohe Preise erzielen, verdankten ihren Namen letztlich doch den Galerien: „Der digitale Markt wird alleine nicht funktionieren.“

Der Kunstmarkt wandelt sich rapide – und er wächst weiter. Die Gefahr der Blase sieht Friese nicht. Einschätzungen, dass das von der New Yorker Star-Galeristin Andrea Rosen im Februar verkündete Aus ihrer Galerie ein Beben auslösen könnte, entgegnet er: „Rosen kümmert sich nun um den Nachlass von Felix Gonzalez-Torres. Sie hat sich mit einer Wertsteigerung verabschiedet. Und nach mehr als 25 Jahren kann man sich auch aus der Galeriearbeit zurückziehen.“ Galeriemodelle, sagt Friese, können sich wandeln, aber die Galerien werden bleiben: „Ich sehe überhaupt keinen anderen Weg. Das Bedürfnis, Kunst zu sammeln, ist ­konstant.“

Erfolgreicher Neustart in Berlin

Friese selbst hat in Berlin ein ganz neues Kapitel seiner Laufbahn als Galerist aufgeschlagen, für sich selbst ein neues Modell entwickelt. Nach den hallenartigen Räumen in Stuttgart präsentiert er seine Ausstellungen nun in einer Altbau-Etage in Berlin-Wilmersdorf. Den Ausblick auf eine Nachbarschaft, die Erinnerungen an namhafte Galerien weckt, genießt er ebenso wie diese neue Situation: „Es macht großen Spaß, in dieser Raumstruktur Ausstellungen zu gestalten, die einer eigenen Logik folgen.“

Die Entdeckung: Jari Kylli

In Berlin hat Klaus Gerrit Friese erfolgreich Ausstellungen von Willi Baumeister, Walter Stöhrer, Karl Horst Hödicke und dem finnischen Künstler Jari Kylli gezeigt. „Wir haben eine Ausrichtung“, sagt er, „die sich extrem von dem unterscheidet, was sonst in Berlin zu sehen ist.“ Und in Berlin verkauft Friese nun auch sehr viel mehr Arbeiten nach Stuttgart, als er dies noch zu seinen Stuttgarter Zeiten tat. Selbst Stuttgarter Sammler, die zuvor nicht bei ihm kauften, gehören nun zu seinen Kunden. „Berlin“, sagt er, „ist schon eine besondere Herausforderung.“

Aktuell bereitet Klaus Gerrit Friese, der auch das Werk von Karin Kneffel und Thomas Grünfeld vertritt, gemeinsam mit Ulrike Groos, der Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, eine Ausstellung vor, die in der Sammler-Porträtreihe des Kunstmuseums von Juli an die Sammlung von Peter W. und Alison Klein vorstellt. „Mich freut diese Aufgabe unbändig“, sagt er, „aber als Galerist in Stuttgart wäre mir das kaum möglich gewesen.“ Und er arbeitet an einem Galerieprojekt, das „viel zu tun haben wird mit meinen Vorstellungen von Kunst und Literatur“ . Mehr will er an diesem Abend hierzu allerdings nicht verraten.

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