Internet-Handel ist kein Schreckgespenst

An die unbedingte Ausweitung des Handels in das Internet glaubt Friese nicht. „Wir versuchen natürlich alle, das in unsere Strategien miteinzubeziehen. Ich glaube aber, das ist im Wesentlichen noch nicht gelungen, und all die Messen, die sich im Digitalen abspielten, haben nicht wirklich funktioniert. Ich denke allerdings auch, dass wir das ­weniger beklagen sollten.“ Und er ist sicher: „Man verkauft nur analog.“ Künstler, die auf dem digitalen Markt hohe Preise erzielen, verdankten ihren Namen letztlich doch den Galerien: „Der digitale Markt wird alleine nicht funktionieren.“

Der Kunstmarkt wandelt sich rapide – und er wächst weiter. Die Gefahr der Blase sieht Friese nicht. Einschätzungen, dass das von der New Yorker Star-Galeristin Andrea Rosen im Februar verkündete Aus ihrer Galerie ein Beben auslösen könnte, entgegnet er: „Rosen kümmert sich nun um den Nachlass von Felix Gonzalez-Torres. Sie hat sich mit einer Wertsteigerung verabschiedet. Und nach mehr als 25 Jahren kann man sich auch aus der Galeriearbeit zurückziehen.“ Galeriemodelle, sagt Friese, können sich wandeln, aber die Galerien werden bleiben: „Ich sehe überhaupt keinen anderen Weg. Das Bedürfnis, Kunst zu sammeln, ist ­konstant.“

Erfolgreicher Neustart in Berlin

Friese selbst hat in Berlin ein ganz neues Kapitel seiner Laufbahn als Galerist aufgeschlagen, für sich selbst ein neues Modell entwickelt. Nach den hallenartigen Räumen in Stuttgart präsentiert er seine Ausstellungen nun in einer Altbau-Etage in Berlin-Wilmersdorf. Den Ausblick auf eine Nachbarschaft, die Erinnerungen an namhafte Galerien weckt, genießt er ebenso wie diese neue Situation: „Es macht großen Spaß, in dieser Raumstruktur Ausstellungen zu gestalten, die einer eigenen Logik folgen.“

Die Entdeckung: Jari Kylli

In Berlin hat Klaus Gerrit Friese erfolgreich Ausstellungen von Willi Baumeister, Walter Stöhrer, Karl Horst Hödicke und dem finnischen Künstler Jari Kylli gezeigt. „Wir haben eine Ausrichtung“, sagt er, „die sich extrem von dem unterscheidet, was sonst in Berlin zu sehen ist.“ Und in Berlin verkauft Friese nun auch sehr viel mehr Arbeiten nach Stuttgart, als er dies noch zu seinen Stuttgarter Zeiten tat. Selbst Stuttgarter Sammler, die zuvor nicht bei ihm kauften, gehören nun zu seinen Kunden. „Berlin“, sagt er, „ist schon eine besondere Herausforderung.“

müssen stärker gemeinam agieren

Galerien müssen stärker gemeinsam agieren

Ganz anders steht er zur Mehrwertsteuer. Friese engagierte sich persönlich, war in die Formulierung des Gesetzestextes involviert. „Das war ziemlich frustrierend“, sagt er. „Zuletzt dachte ich: Hier gibt es auch ein großes Problem bei der Selbstorganisation der Galerien.“ Er zieht Vergleiche zum Buchhandel. Dort habe man verstanden, wie wichtig eine nicht nach Rang orientiert, sondern auf Wirkungsmacht zielende Interessensvertretung sei. Und Friese ist sich sicher: „Wenn wir das unglaubliche Erregungsgeschrei um das ­Kulturgutschutzgesetz bei der Mehrwertsteuer gehabt hätten, dann hätten wir ganz andere Chancen gehabt.“

Galerien schreiben Kunstgeschichte mit

Die Bedeutung der Galerien für die Entwicklung der Kunst versucht Friese mit dem Zentralarchiv für internationale Kunstmarktforschung (Zadik) in Köln besser darzustellen. „Dem Publikum“, sagt er, „wird immer deutlicher, dass sehr viel Kunstgeschichte eben auch über die Galerien geschrieben wurde, nicht erst in der Nachkriegszeit.“ Das Zadik sei ein publizierendes Archiv, keines, in dem Dinge nur verschwänden. „Wir stellen eine Öffentlichkeit her. Das ist kein Abschied vom bloßen Kunsthandel, sondern eine Erweiterung in alle Möglichkeiten hinein.“ Jedoch: Das Zadik steht auf mehreren finanziellen Beinen, und einige von ihnen wackeln. Köln ist nicht nur das Zentrum des deutschen Kunsthandels, sondern auch eine Stadt des Karnevals – mit entsprechenden Sponsorenvorlieben. ­Friese wünscht sich eine ruhigere Perspektive für das Archiv – „gerade weil inzwischen klar ist, welche Chancen sich mit einer solchen Einrichtung verbinden“..

Der Einstieg der großen Auktionshäuser in den Handel mit zeitgenössischer Kunst im Jahr 1999 ist für den Galeristen ein entscheidendes Datum. „Die Galeriearbeit“, sagt er, „ist zur einen Seite mit dem unfassbaren Privileg verbunden, mit Künstlern zusammenarbeiten zu dürfen, ihnen eine Form zu geben. Aber man muss auch ganz klar sehen, dass sich diese Tätigkeit seit meinem Start 1985 grundlegend verändert hat.“ Der Kunstmarkt früher sei kleiner, auch vorurteilsfreier gewesen, sagt Friese.

Internet-Handel ist kein Schreckgespenst

Internet-Handel ist kein Schreckgespenst

An die unbedingte Ausweitung des Handels in das Internet glaubt Friese nicht. „Wir versuchen natürlich alle, das in unsere Strategien miteinzubeziehen. Ich glaube aber, das ist im Wesentlichen noch nicht gelungen, und all die Messen, die sich im Digitalen abspielten, haben nicht wirklich funktioniert. Ich denke allerdings auch, dass wir das ­weniger beklagen sollten.“ Und er ist sicher: „Man verkauft nur analog.“ Künstler, die auf dem digitalen Markt hohe Preise erzielen, verdankten ihren Namen letztlich doch den Galerien: „Der digitale Markt wird alleine nicht funktionieren.“

Der Kunstmarkt wandelt sich rapide – und er wächst weiter. Die Gefahr der Blase sieht Friese nicht. Einschätzungen, dass das von der New Yorker Star-Galeristin Andrea Rosen im Februar verkündete Aus ihrer Galerie ein Beben auslösen könnte, entgegnet er: „Rosen kümmert sich nun um den Nachlass von Felix Gonzalez-Torres. Sie hat sich mit einer Wertsteigerung verabschiedet. Und nach mehr als 25 Jahren kann man sich auch aus der Galeriearbeit zurückziehen.“ Galeriemodelle, sagt Friese, können sich wandeln, aber die Galerien werden bleiben: „Ich sehe überhaupt keinen anderen Weg. Das Bedürfnis, Kunst zu sammeln, ist ­konstant.“

Erfolgreicher Neustart in Berlin

Friese selbst hat in Berlin ein ganz neues Kapitel seiner Laufbahn als Galerist aufgeschlagen, für sich selbst ein neues Modell entwickelt. Nach den hallenartigen Räumen in Stuttgart präsentiert er seine Ausstellungen nun in einer Altbau-Etage in Berlin-Wilmersdorf. Den Ausblick auf eine Nachbarschaft, die Erinnerungen an namhafte Galerien weckt, genießt er ebenso wie diese neue Situation: „Es macht großen Spaß, in dieser Raumstruktur Ausstellungen zu gestalten, die einer eigenen Logik folgen.“

Die Entdeckung: Jari Kylli

In Berlin hat Klaus Gerrit Friese erfolgreich Ausstellungen von Willi Baumeister, Walter Stöhrer, Karl Horst Hödicke und dem finnischen Künstler Jari Kylli gezeigt. „Wir haben eine Ausrichtung“, sagt er, „die sich extrem von dem unterscheidet, was sonst in Berlin zu sehen ist.“ Und in Berlin verkauft Friese nun auch sehr viel mehr Arbeiten nach Stuttgart, als er dies noch zu seinen Stuttgarter Zeiten tat. Selbst Stuttgarter Sammler, die zuvor nicht bei ihm kauften, gehören nun zu seinen Kunden. „Berlin“, sagt er, „ist schon eine besondere Herausforderung.“

Aktuell bereitet Klaus Gerrit Friese, der auch das Werk von Karin Kneffel und Thomas Grünfeld vertritt, gemeinsam mit Ulrike Groos, der Direktorin des Kunstmuseums Stuttgart, eine Ausstellung vor, die in der Sammler-Porträtreihe des Kunstmuseums von Juli an die Sammlung von Peter W. und Alison Klein vorstellt. „Mich freut diese Aufgabe unbändig“, sagt er, „aber als Galerist in Stuttgart wäre mir das kaum möglich gewesen.“ Und er arbeitet an einem Galerieprojekt, das „viel zu tun haben wird mit meinen Vorstellungen von Kunst und Literatur“ . Mehr will er an diesem Abend hierzu allerdings nicht verraten.

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