StN-„Ortstermin“ in der Ruoff-Stiftung in Nürtingen Näher dran an Ben Willikens

Von Nikolai B. Forstbauer 

Wie sieht es hinter den Kulissen der Kultureinrichtungen in der Region Stuttgart aus? Unsere Zeitung gibt mit der Veranstaltungsreihe „Ortstermin“ Antworten. Nächste Station ist am 2. Juli um 11 Uhr die Ausstellung „Ben Willikens – Denkräume“ in der Fritz-und-Hildegard-Ruoff-Stiftung in Nürtingen

Stuttgart - Vor inzwischen mehr als zwanzig Jahren erarbeitete Hildegard Ruoff für die Kreuzkirche in Nürtingen eine Ausstellung mit Aquarellen von Ben Willikens. „Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten“, erinnert sich die Leiterin der Fritz-und-Hildegard-Ruoff-Stiftung in Nürtingen.

„Wunderbares Vertrauen“

In deren Räumen ist Ben ­Willikens aktuell mit Bildern, Aquarellen, Gouachen und ausgewählten Siebdrucken zu Gast – „eine ganz großartige Sache“, freut sich Hildegard ­Ruoff. Das Etikett Coup lässt Ruoff für die Ausstellung nicht gelten – sie sieht das ­Interesse des zuletzt umfassend in der ­Kunsthalle Weishaupt in Ulm in der von Götz Adriani konzipierten Schau „Die Anmaßung der Räume und Orte“ gefeierten Ben Willikens, in Nürtingen ­etwas Besonderes möglich zu machen, als „Beleg für ein wunderbares Vertrauen“.

„Denkräume“ ist die Schau betitelt, die sich als „Nahaufnahme“ versteht und in den Räumen der Ruoff-Stiftung in der ­Schellingstraße 12 Arbeiten aus fünfzig Jahren versammelt. „Wir versuchen“, sagte ­Stiftungslenkerin Hildegard Ruoff vor der Eröffnung unserer Zeitung, „in der Reihe ,Nahaufnahme‘ künstlerische Arbeitsverfahren deutlich zu machen.“

Eine Ausstellung, drei Premieren

Mit drei Premieren wartet die Ausstellung auf – erstmals wird das Frühwerk von ­Willikens wieder öffentlich sichtbar, erstmals auch wird die Serie „Winterbilder“ ­gezeigt (Ruoff: „ganz überraschende Aquarelle, die auch die Landschaft zum ­Denkraum ­machen“) –, und erstmals auch gilt die ­Aufmerksamkeit der Fotografie im Schaffen des 1939 in ­Leipzig geborenen, in den späten 1970er Jahren mit seiner „Abendmahl“-Interpretation international ­bekannt gewordenen Malers.

„Ortstermin“ mit Ben Willikens am 2. Juli

Wie erarbeitet Ben Willikens, in den vergangenen Jahrzehnten konsequent durch den Galeristen Hans Mayer begleitet und ­gefördert, seine Werke? Was bedeutet für ihn eigentlich Malerei? Und: Welche Rolle spielt für ihn die Kunst in unserer Gesellschaft? Diese und andere Fragen beantwortet Ben ­Willikens am Sonntag, 2. Juli, beim „Ortstermin“ unserer Zeitung in der Fritz-und- Hildegard-Ruoff-Stiftung in Nürtingen. ­Beginn ist um 11 Uhr.

Zur Sprache kommen wird dann auch die jüngste umfassende Dokumentation. Walter Grasskamp, bis 2016 Ordinarius für Kunstgeschichte an der 1999 bis 2004 von ­Willikens geleiteten Kunstakademie in München, zählt zu den wichtigsten ­Weg­begleitern des Malers, der in Stuttgart und in Wallhausen lebt und arbeitet. „Willikens“ heißt schlicht seine jüngst bei Hatje Cantz ­erschienene Werkübersicht.

Biografische Bezüge

„Die Bilder von Willikens sind immer ­biografischer, als man es ihnen ansieht oder ansehen soll“, sagt Grasskamp. Und weiter: „Mich hat aber immer auch der Grundriss der ,Gegenräume‘ von Willikens interessiert, weil die Bilder immer mehr ­versprechen, als sie im Einzelnen ­liefern: Alle gehen so in die Tiefe, als wollten sie sagen: ,Fortsetzung folgt.‘ Doch denkt man sie ­zu Ende, wirken sie wie vereinzelte ­Ausschnitte aus einem unmalbaren ­Labyrinth – der ­Lebensmetapher schlechthin, unter anderen auch meines Lieblingsautors Jorge Luis ­Borges und meines gerade verstorbenen kunsthistorischen Lehrers Hans Holländer.“

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