StN-Titelfoto vom 25. Mai 2004. Foto: AP/MICHAEL PROBST

Zwar hat sich die Haartracht von Rudi Völler seit dem 25. Mai 2004 verändert, aber schon damals war die EM-Nominierung das große Thema – mitsamt VfB. Wie erging es dem DFB, wer wurde Bundespräsident und was passierte am Autobahndreieck Leonberg?

Historische Schlagzeilen aus dem Mai 2004: Den Schnurrbart von Rudi Völler würde man 2024 in dieser Form nicht mehr unbedingt tragen wollen. Zu dieser Erkenntnis scheint auch der heutige Sportdirektor und damalige Teamchef der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gelangt zu sein. Oder kommt das Oberlippenbärtchen vielleicht sogar wieder in Mode? Der eine oder andere „Hipster“ war damit jedenfalls auch im dritten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts schon zu sehen.

 

StN-Titelstory vom 25.5.2004 (OCR-Texterkennung). Foto: StN/Screenshot

Rudi Völler 20 Jahre später. Foto: dpa/Federico Gambarini

Vor 20 Jahren war Völler beim DFB noch Teamchef in Trainerfunktion. Seine legendäre Wutrede gegen ARD-Reporter Waldemar Hartmann alias „Weißbier-Waldi“ lag am 25. Mai 2004 bereits über ein halbes Jahr zurück, und eine EM in Portugal, wo Deutschland kläglich in der Gruppenphase scheitern sollte, stand kurz bevor. Nominiert wurden die VfB-Spieler Andreas Hinkel, Timo Hildebrand, Philipp Lahm und Kevin Kuranyi – lange vor seiner Flucht als Ersatzspieler von der Zuschauertribüne im Jahr 2008, das ein unrühmliches DFB-Karriere-Ende nach sich zog.

Bei der EM 2004 konnte indes keiner der Stuttgarter viel reißen: Deutschland spielte Unentschieden gegen Lettland und die Niederlande, verlor dann nach 2:1-Führung noch 2:3 gegen Tschechien – und musste sieglos nach Hause fahren. Überraschender Defensiv-Europameister wurde Griechenland unter Trainer Otto Rehagel.

20 Jahre alter gescannter StN-Schnipsel mit KI nachgeschärft – mit Rechtschreibfehlern durch OCR-Texterkennung („Optical Character Recognition“). Foto: StN/Screenshot

Dortmunds Ex-Profi Jürgen Kohler blieb dem VfB laut StN vom 25. Mai 2004 gerade noch als Trainer erspart – Fotos erschienen seinerzeit zum Teil schwarz-weiß. Die Blicke richteten sich dann auf Matthias Sammer als Magath-Nachfolger. Der kam tatsächlich und führte den VfB in der Saison 2004/2005 auf einen Europapokal-Platz, wurde dann aber von der überaus anspruchsvollen Klubführung trotzdem entlassen, weil er angeblich die Champions-League-Teilnahme fahrlässig vergeigt hatte.

StN-Schnipsel von 2004 (Fehler durch OCR-Texterkennung). Foto: StN/Screenshot

Was tat sich im Lokalen? Die Eisheiligen brachten im Mai 2004 Temperaturen von 3 Grad minus. Eine „Entfädelung“ der Spuren am Dreieck Leonberg wurde angekündigt. Aus Richtung München kommend sind die Fahrstreifen vor der Anschlussstelle Leonberg-Ost seit damals feinsäuberlich zwischen A8 und A81 getrennt. In der Tat sind die Staus in dieser Richtung gefühlt weniger geworden. Zuvor hatte es trotz sechsspurigen Ausbaus und Tempolimits von 100 km/h immer wieder schwere Lkw-Unfälle gegeben.

StN vom 25.5.2004 (OCR-Texterkennung). Foto: StN/Screenshot

Und fast so unrühmlich wie Kevin Kuranyi aus dem DFB-Team (siehe oben) sollte der 2004 gerade frisch gewählte Bundespräsident Horst Köhler Jahre später aus dem Amt scheiden. Bürgernah und durchaus populär gestartet – 2009 sogar wiedergewählt – musste er 2010 urplötzlich zurücktreten, weil er den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan mit dem Argument rechtfertigt hatte, dass „freie Handelswege“ notfalls militärisch „am Hindukusch“ verteidigt werden müssten.

Umgekehrt scheint es heute so zu sein, dass man wie Bundeskanzler Olaf Scholz eher für Vorsicht und Zurückhaltung gescholten wird als für unbedachte militärische Gedankenspiele. Im Fall von Horst Köhler kam übrigens nichts besseres nach: Sein Nachfolger als Bundespräsident wurde der kurzlebige Christian Wulff (2010-2012), der am Ende über eine peinliche Kredit-Affäre stürzte.

StN-Titelseite vom 25. Mai 2004. Foto: StN/Screenshot

War 2004 also der Auftakt zu einem Niedergang Deutschlands? Oder einfach nur ein wirtschaftlich schwieriges Jahr wie auch 2024? Für alle, die es schon vergessen haben oder nie wussten: Die Arbeitslosigkeit lag kurz nach Einführung der Hartz-IV-Reformen (zum 1. Januar 2004) auf einem Rekordhoch von knapp 4,4 Millionen. Doch schon bald sollte es ökonomisch und gesellschaftlich wieder aufwärts gehen. Und auch bei der Fußball-EM im eigenen Land wird es hoffentlich besser als 2004...