Überwachungskameras und Zäune sichern den Sitz des Bundesnachrichtendienstes in Berlin. Foto: dpa

Der Bundesnachrichtendienst will im Internet mit einer Stellenausschreibung Cyberkrieger rekrutieren. Die Bewerber sollen auch gleich zur Sache kommen, indem sie eine vorgegebene Aufgabe lösen.

Stuttgart - Mit einem Cyberkrimi-Rätsel will der Bundesnachrichtendienst (BND) talentierte Internet-Hacker für eine legale Beschäftigungsmöglichkeit im Staatsdienst interessieren. Seit Kurzem hat der Geheimdienst auf seiner Website drei Stellenzeigen geschaltet, mit denen er diplomierte Informatiker und Spezialisten für Cyber-Infrastruktur sucht. Die Bewerber sollen auch gleich zur Sache kommen, indem sie eine vorgegebene Aufgabe lösen, die zeitgemäß als „Forensik Challenge“ benannt ist, also ein Angriff durch Cyberkriminelle.

In der fiktiven und natürlich politisch total korrekten Aufgabenstellung ist der BND von einem befreundeten Nachrichtendienst aus „Musterland“ um Hilfe gebeten worden. Unbekannte Hacker hätten den Webserver einer Versicherungsgesellschaft geknackt, das Passwort geändert und Daten aus anderen Hacks in einem geschützten Verzeichnis des Servers abgelegt, heißt es in der Aufgabe. Der Kandidat soll nun erläutern, wie die Angreifer in den Server eindringen konnten und was für Datenmaterial sie dort abgelegt haben. Überzeugt die Lösung, wird der Bewerber zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Die Stellenausschreibung des BND ist keine Reaktion auf die jüngsten Wikileaks-Enthüllungen über die geheimen Cyberkrieger des amerikanischen Geheimdienstes CIA im US-Generalkonsulat in Frankfurt am Main. Wohl aber schon die Folge eines anderen Verratsfalls: Nach den Snowden-Papieren über die Praktiken der US-Lauschbehörde NSA hatten viele Kommunikationsdienste im Internet spezielle Verschlüsselungstechniken eingeführt. Kryptospezialisten von Nachrichtendiensten stellt das vor neue Herausforderungen. Auch der BND bekam von der Bundesregierung – natürlich unter dem Label Antiterrorkampf – den Auftrag, künftig alles entziffern zu können, was sich Menschen verschlüsselt zusenden.

Beim BND wird investiert

Der Geheimdienst hat daraufhin das Programm ANISKI aufgelegt, was für „Aufklärung nicht standardisierter Kommunikation im Internet“ steht. Das Blog Netzpolitik.org hatte im vergangenen November erstmals Details zu dem Programm veröffentlicht. Demnach stehen dem BND in den nächsten Jahren mehr als 150 Millionen Euro für Technik und neues Personal zur Verfügung, um unter anderem Dienste wie Snapchat, Whatsapp und Signal hacken zu können. Eine aus BND-Sicht notwendige Investition, denn noch 2016 habe der Dienst „von aktuell weit über 70 verfügbaren Kommunikationsdiensten mit entsprechender Verbreitung nur weniger als zehn (zumeist ältere) erfassen und inhaltlich erschließen“ können, wie es in einer internen Analyse heißt.

Das ANISKI-Programm reicht noch weiter. So will der BND damit auch an leistungsfähige Entzifferungshardware herankommen und sich kryptografische Schlüssel der Anbieter beschaffen, und zwar mithilfe nachrichtendienst­licher Methoden. Diese reichen vom elektronischen Eindringen in interne Firmenkommunikation bis zur Rekrutierung und Platzierung von Spionen in IT-Unternehmen. Wer also die aktuelle „Forensik Challenge“ auf der BND-Website erfolgreich bewältigt, den erwartet beim BND ein wirklich breites Arbeitsspektrum.

  
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