Zwei Studenten aus Sindelfingen haben einen Kaugummi entwickelt, der die Hirnleistung anregen soll. Ab sofort ist er in Supermärkten erhältlich. Was steckt in den Kaugummis drin?
Adrian Mitlacher und Erik Maier haben in den vergangenen Monaten viele, viele Kaugummis gekaut. Ihr Anspruch war schließlich nicht weniger als der, ein perfektes Produkt zu kreieren. Schmeckt ihnen auch der hundertste Kaugummi noch? „Absolut“, sagt Mitlacher und nickt. Dabei kommt es den Studenten aus Sindelfingen, die sich seit der Grundschule kennen, nicht nur auf den Geschmack an, sondern vor allem auf die Wirkung. Denn ihr Kaugummi, der den Namen effectzz focus trägt, soll die grauen Zellen ankurbeln. Mehr Leistungsfähigkeit des Hirns anregen also.
Die Idee dazu kam den beiden – wie könnte es anders sein – beim Lernen für das Abitur. „Wir haben recherchiert, wie man bessere Noten schreiben kann“, erzählt Mitlacher. Dabei seien sie schnell auf das Thema Ernährung gestoßen und wie maßgeblich einige Nährstoffe offenbar dazu beitragen, dass das Gehirn gut arbeitet. „Die meisten unterschätzen, wie viele Vorteile die richtige Ernährung mit sich bringt“, sagt Maier.
Sie fingen also an, Gerichte zu kochen und Rezepte auszuprobieren, um all die guten Wirkstoffe ausreichend zu sich zu nehmen, und stellten fest, dass das ein aufwendiges Geschäft ist. „Welcher Abiturient hat Zeit, sich drei Mahlzeiten am Tag zu kochen?“, sagt Maier. So reifte ihre Idee, ein alltagstaugliches Produkt zu schaffen, das alle Wirkstoffe enthält, die den Hirnschmalz zu Höchstleistung antreiben.
Maier und Mitlacher, inzwischen Studenten der Wirtschaftswissenschaften in Stuttgart-Hohenheim, gründeten ihr Start-up namens Brainadept (zu deutsch etwa: Gehirnmeister) und suchten sich einen Produktentwickler, mit dem sie an einem hirnanregenden Kaugummi feilten. Warum ausgerechnet ein Kaugummi? „Das ist für mich ein cooles Nebenherprodukt, das jeder in der Tasche hat“, sagt Maier. Zumal das Kaugummikauen an sich schon den Kreislauf beruhige und dabei helfe, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Bei der Suche nach Wirkstoffen, die die Denkleistung darüber hinaus positiv beeinflussen, stützen sich die Freunde auf EU-Studien, die deren Wirkung belegen.
Der wesentlichste Inhaltsstoff der effectzz-focus-Kaugummis ist aus der Guarana-Pflanze gewonnen und hat einen wachmachenden Effekt. Den Vorteil gegenüber Kaffee oder Energydrinks, die eher kurzfristig aufputschen, beschreibt Adrian Mitlacher so: „Guarana macht nicht hibbelig und nervös, sondern es entsteht eine unterschwellige, lang anhaltende Wachheit und Konzentrationsfähigkeit.“
Kaugummi kauen für die Synapsenbildung
Um den bitteren Geschmack zu übertönen, entschieden sie sich für Menthol, was nicht nur frisch schmeckt, sondern den Kaugummikauer auch tiefer einatmen lässt, wodurch idealerweise mehr Sauerstoff ins Blut kommt. Außerdem packten sie in die Kaugummis Zink, das gut für die Augen sein soll. Der erhoffte Effekt: weniger Kopfschmerzen beim Lernen. „Weitere Wirkstoffe wie Vitamin B 3 oder B 12 helfen bei der Synapsenbildung, um langfristig die Hirnleistung zu steigern“, erklärt Maier und betont, es sei die Kombinatin aller Wirkstoffe, die zum gewünschten Effekt führten.
Eineinhalb Jahre hat es von der Idee zum fertigen Produkt gedauert. Um sich die Entwicklung leisten zu können, hatten die beiden eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Nicht zuletzt dank ihrer Community in den sozialen Medien – auf Tiktok haben die beiden 25 000 Follower – hatten sie rasch das nötige Startkapital beisammen. Einen passenden Hersteller fanden sie schließlich „in Europa“, mehr verraten sie nicht.
Im Edeka Baisch gibt es den neuen Kaugummi
Die erste Charge von 17 500 Packungen liegt seit Kurzem in ihrem Lager in Grafenau, und seit drei Monaten verkaufen die beiden 21-Jährigen ihre Kaugummis über einen Onlineshop. Nun steht der nächste Meilenstein an: Von Samstag, 27. Januar, an sind die schwarzen Schachteln in allen Edeka-Baisch-Filialen erhältlich: In den Mercaden Böblingen, im Breuningerland Sindelfingen, im Leo-Center Leonberg, in Weissach-Flacht sowie in Stuttgart im Gerber und neben der Schwabengalerie.
Wenn sie auf die Gründung ihres Start-ups zurückblicken, ist es vor allem der Austausch mit anderen Jungunternehmern, der ihnen über manchen Stolperstein geholfen hat. „Man muss mit Leuten sprechen, die schon weiter sind als man selbst und sich da Inspiration holen“, sagt Mitlacher. Bei der Frage nach ihrem Ziel für die Zukunft müssen beide nicht lange überlegen: „Wir möchten deutschlandweit in die Filialen kommen“, sagt Maier. „Weltweit“, ergänzt Mitlacher. Und am liebsten noch viele weitere Produkte aus dem Bereich „funktionale Snacks“ erfinden, wie sie es nennen. „Ideen haben wir genug.“