Die Firma Trapped Predator aus Ludwigsburg programmiert Computerspiele. Das Start-up übernimmt Auftragsarbeiten und feilt an eigenen Konzepten. Doch bis zur Marktreife der Games ist es oft ein weiter Weg.
Als in den 1970er Jahren die ersten Konsolen auf den Markt kamen, vertrieb sich nur ein winziger Kreis an Fans die Zeit vor pixeligen Bildschirmen. Heute werden in diesem Geschäftsfeld Milliarden umgesetzt, Kids und Erwachsene zocken Games mit atemberaubender Grafik und eindrücklichen Geschichten, die teils als Vorlage für bahnbrechende Serien wie „The Last of Us“ dienen. In der Branche mischt seit wenigen Jahren auch die Ludwigsburger Spieleschmiede Trapped Predator mit, hinter der Kyra E. Lukas und Patrick Benito stehen. Das Duo hat sich einen Traum verwirklicht, weiß aber längst auch, wie steinig der Weg von der ersten Spielidee bis zur Marktreife ist.
Über Umwege in die Gamesbranche
Das ändert aber nichts am Enthusiasmus der beiden, die als Quereinsteiger einen Fuß in die Tür zur Welt der Spielentwickler bekommen haben. Lukas studierte ursprünglich Geschichte und Theologie. Weil ihr aber immer eine künstlerische Tätigkeit vorschwebte, zog es sie über den Umweg einer reinen Schauspielschule an die Live Act Akademie in Stuttgart, an der sie sich besser aufgehoben fühlte – und obendrein Patrick Benito traf. „Es ging dort viel um Film, und der Ansatz war sehr frei, man konnte viele eigene Projekte machen, musste sich selbst motivieren. Das lag uns beiden“, erklärt der 27-Jährige. „Und wir konnten verschiedene Bereiche ausprobieren, ob es Regieführen, Schreiben oder die Arbeit hinter der Kamera war“, ergänzt die 34-jährige Kyra E. Lukas. Da die beiden zudem im Hinblick auf ihre kreativen Vorstellungen ähnlich tickten, beschlossen sie 2018, zusammen eine Firma zu gründen. Trapped Predator war geboren.
Allerdings wollten sie damals ihr Glück mit Werbespots und Musikvideos oder idealerweise im Filmuniversum probieren. Sie drehten einen im Wikingermilieu angesiedelten Kurzclip für eine Fantasy-Serie und hofften insgeheim, dass Netflix oder ein Hollywoodstudio anbeißen. Das geschah zwar nicht. Aber „Her Hunter’s Tale“, wie das Projekt betitelt war, ebnete ihnen den Weg in die Gamesbranche. Lukas und Benito, beide selbst leidenschaftliche Zocker, liebäugelten damit, die Grundidee auf ein Computerspiel zu übertragen. Sie kontaktierten also einen Spieleentwickler, dem das Tandem zufällig sogar schon auf einer Messe aufgefallen war.
Ermutigende Rückmeldung
Aus einer Zusammenarbeit wurde zunächst nichts. Doch das Duo sah sich durch die Rückmeldung ermutigt und reichte mit einem anderen Spielehersteller einen Förderantrag ein. Zuschüsse flossen am Ende keine. „Wir haben da aber gesagt: dann machen wir es eben selbst“, sagt Lukas.
Das Programmieren schaffte sich Patrick Benito selbst drauf. Lukas verantwortet schwerpunktmäßig die Art-Direction und das User Interface Design, bestimmt also zum Beispiel, welche Felder wo aufploppen müssen und wie sie aussehen sollen. Zusammen legen sie Storyline und Regeln fest. All das geschieht in ihrem Büro in Ludwigsburg, wo sie sich mit anderen Kreativen unter dem Label Kokolores-Kollektiv eine Etage teilen.
Einer der ersten Aufträge, an denen sie mitgearbeitet haben, war das Game „Say No! More“ von Studio Fizbin aus Ludwigsburg. Komplett ausgetüftelt haben Trapped Predator für das Goethe-Institut ein Lernspiel, das französischen Schülern Deutsch vermittelt. Es handelt von einem bösen Professor, der europäische Wahrzeichen geschrumpft und versteckt hat. Die Kinder müssen per Point-and-Click die Aushängeschilder finden und Fragen beantworten. Solche Programme kreiert das Start-up bei Bedarf auch für Museen, Ministerien und andere Institutionen.
Die Sterne müssen günstig stehen
Die Königsdisziplin ist aber, aus eigenem Antrieb ein Spiel auf den Markt zu bringen. Ein steiniger Weg. Man brauche erst mal ein Konzept, im besten Fall auch eine Förderung, um einen Prototypen zu entwerfen – mit dem man sich wiederum bei einem Geldgeber bewirbt, erklären Lukas und Benito. Stünden die Sterne günstig und man bekomme den Zuschlag, werde das Spiel durchprogrammiert und auf den Markt gebracht.
Trapped Predator haben gerade mehrere Eisen im Feuer. Anders geht es auch nicht. „Man muss immer schon die nächste Idee im Hinterkopf haben, sonst sitzt man irgendwann auf dem Trockenen“, betont Patrick Benito. Für „A New Eden“ gibt es schon einen Prototypen. Es spielt in einer dystopischen Zukunft, die Menschen haben sich in Bunker zurückgezogen. Die Spieler können sich einen eigenen Charakter erschaffen, um sich mit Verstand oder Kampfesmut in dieser unwirtlichen Umgebung zu behaupten. „Wichtig ist uns dabei, dass man sich ganz natürlich in einer diversen Welt bewegt“, betont Kyra E. Lukas.
Land fördert ein Konzept
Das gilt auch für „Green Sails“, dessen Konzeptentwicklung das Land gefördert hat. Die Idee ist, dass die Erde nach einer menschgemachten Katastrophe überschwemmt ist und eine Nation das Monopol auf die verbliebenen Ressourcen hält. Der Held will eine alternative Energiequelle zu den anderen Staaten bringen. Ob aus diesem Grundgedanken tatsächlich ein Spiel wird, wissen aber Kyra E. Lukas und Patrick Benito wie so oft noch nicht. Aber mutig versuchen sie ihr Glück – wie der Held ihres Spiels.
Eine junge Branche mit einer beachtlichen Entwicklung
Arbeitsplätze
Laut Branchenverband Game sind in der Computerspielindustrie in Deutschland fast 12 000 Menschen bei rund 900 Unternehmen beschäftigt. Zähle man auch jene Berufsfelder hinzu, die in der erweiterten Wertschöpfungskette mit der Branche verbandelt sind wie Fachverkäufer seien es sogar mehr als 30 000 Arbeitsplätze. Zu den größten Spieleentwicklern in Deutschland zählt Black Forest Games mit Hauptsitz in Offenburg. In Ludwigsburg hat sich vor allem im Sog der Filmakademie eine kleine Szene etabliert, zu der Firmen wie Fizbin, Navel oder Trapped Predator gehören.
Umsätze
Global betrachtet boomt der Videospielmarkt. Der Umsatz im Jahr 2024 wird auf rund 258 Milliarden Euro geschätzt, soll bis 2027 sogar weiter auf um die 330 Milliarden Euro ansteigen.
Charts
In Deutschland waren im Januar bei Zockern „EA Sports FC 24“, „The Last of us Part II Remastered“ und „Hogwarts Legacy“ die beliebtesten PC- und Konsolenspiele.