Trainer José Mourinho ist neu in der Serie A – er coacht den AS Rom. Foto: imago//abrizio Corradetti

In Italien startet die Serie A in die neue Saison. Zahlreiche Stars haben die Liga verlassen – gibt es dennoch magische Fußballnächte im Land des Europameisters?

Rom - Der Sportsommer war traumhaft für Italien. Die Squadra Azzurra schwang sich mit keckem Spiel zum kontinentalen Fußballmeister auf. Bei Olympia holte der am Gardasee groß gewordene Lamont Marcell Jacobs das sonst für Nordamerikaner reservierte Gold über die 100 Meter – im Anschluss führte er dann auch noch die italienische Sprintstaffel zum Sieg. Unter anderem im Hochsprung gab es zudem eine viel umjubelte Goldmedaille. So wie im jahreszeitlichen Verlauf die Bahn der Sonne am Horizont immer flacher erscheint, umso mehr dimmen sich jetzt allerdings auch die Erwartungen.

 

An diesem Wochenende nimmt die Serie A den Betrieb auf. Zum 90. Mal in ihrer bewegten Geschichte.

Zwar sorgt für freudige Erregung, dass wieder Zuschauer in die Fußballstadien dürfen. Auf ein paar Stars der vergangenen Jahre werden die Fans in den Arenen aber verzichten müssen. Am schwersten wiegt dabei der überraschende Weggang von Top-Torjäger Romelu Lukaku.

Romelu Lukaku geht für 115 Millionen Euro

Der Belgier, zu Beginn seines Engagements bei Inter Mailand noch als ungeschliffener Hüne verlacht, entwickelte sich dank der Trainingseinheiten unter Coach Antonio Conte zu einem erstaunlich wendigen Vollstrecker. Weil das auch in London bemerkt worden ist, schlug der FC Chelsea zu – und zahlte satte 115 Millionen Euro. In Achraf Hakimi (für 60 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain) verließ ein weiterer Schlüsselspieler den Meister – der auch ohne Meistertrainer dasteht.

Antonio Conte hatte bereits geahnt, dass für seine wenig bescheidenen Verbesserungspläne nicht genug Kapital zur Verfügung stehen würde. Inters chinesische Besitzer waren im Frühsommer offenbar so klamm, dass sie wenige Tage nach dem Meisterschaftsgewinn Gehaltskürzungen durchsetzen wollten. Gürtel enger schnallen statt feiern – das war ein maximal ungünstig gewählter Zeitpunkt für die Ankündigung von Sparmaßnahmen.

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Auf den anderen Plätzen sieht es kaum anders aus. Die Abgänge wiegen so schwer, dass sie von den Neuen in der Serie A kaum aufgewogen werden können. Beim AC Milan etwa verabschiedete sich Nationalmannschaftstorhüter Gianluigi Donnarumma. Weltmeister Olivier Giroud (vom FC Chelsea zum AC Mailand) gilt bislang als einzig prominenter Neuzugang der italienischen Liga. Neben José Mourinho natürlich. „The Special One“ coacht nun den AS Rom und versprach: „Titel werden kommen.“ Ebenfalls in die Hauptstadt kommt (für 40 Millionen Euro) das Chelsea-Talent Tammy Abraham. Beim AC Florenz heuerte zudem Nicolas Gonzalez (24 Millionen Euro teuer) an. Der frühere Stürmer des VfB Stuttgart gewann zwar unlängst an der Seite von Lionel Messi die Copa America, zählt aber noch lange nicht zu den Stars des Weltfußballs.

Bleibt Cristiano Ronaldo bei Juve?

Generell gilt daher: Nach einer kurzen Phase, in der die Serie A nach vorherigem längerem Abschwung auch für Top-Spieler interessant wurde, folgt eher der erneute Knick nach unten. Zumal weiterhin unklar ist, ob der einzige Weltstar, Cristiano Ronaldo, sein letztes Vertragsjahr bei Juventus Turin absolvieren wird oder nicht doch lieber dem Ruf der Petrodollars folgt.

In dieser Situation kannibalisieren sich die Serie-A-Vereine gegenseitig. Meister Inter kompensierte seine Abgänge mit Zukäufen aus Rom (Edin Dzeko) und vom Stadtrivalen AC (Hakan Calhanoglu). Diese Clubs wiederum müssen sich dann wieder bei kleineren Vereinen umschauen. Juventus, der einstige Branchenprimus, schätzte sich schon glücklich, dass EM-Held Manuel Locatelli nach langem Zögern sein Ja-Wort gab und den Provinzverein Sassuolo Calcio verließ. Weiteres wichtiges Ziel in diesem Transfermarktfenster ist bei Juve die Rückholaktion des beim FC Barcelona nie zum Zuge gekommenen Miralem Pjanic. Der Transfermarkt in Italien schillert nicht mehr, er ist bestenfalls ein Reparatur- und Schnäppchenmarkt. In all dieser Misere ist das wild rotierende Trainerkarussell die größte Attraktion.

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Bei Juventus heuerte nach der fehl geschlagenen Episode mit Ex-Weltstar Andrea Pirlo erneut Max Allegri an. Den frei gewordenen Posten bei Inter besetzt Simone Inzaghi von Lazio Rom, den seinerseits Ex-Juve-Coach Maurizio Sarri beerbt. Der frühere Inter- und Roma-Trainer Luciano Spalletti übernimmt den SSC Neapel. Die spektakulärste Personalie gönnte sich eben der AS Rom mit der Verpflichtung von Startrainer José Mourinho.

Für den sportlichen Wettstreit kann all das aber auch förderlich sein. Kein Team wurde in diesem Sommer substanziell gestärkt. Viele Trainer kennen ihre alten Clubs besser als den aktuell eigenen. Nur Juve-Rückkehrer Allegri hat hier einen Wissensvorsprung. Ob er ihm hilft? Die Antwort gibt es ab diesem Samstag. Und vielleicht trotz allem die eine oder andere „Notte Magica“.

An magische Fußballabende und Sportnächte haben sich die italienischen Fans schließlich ganz gerne gewöhnt.