Der Star-Fotograf Walter Schels (links) erläutert sein Werk. Foto: Cedric Rehman

Der berühmte Fotograf Walter Schels sitzt in der Galerie Abtart in Stuttgart-Möhringen auf dem Podium und erklärt, wie es ist, die Großen in der Menschen- und Tierwelt abzulichten. Wir haben zugehört.

Möhringen - Der ein oder andere mag es dick aufgetragen finden, wenn davon die Rede ist, dass der Anblick einer Fotografie eine tiefe Berührung auslöst. So beschreibt Tobias Wall von der Karin-Abt-Straubinger-Stiftung sein Empfinden beim Anblick einiger Fotografen Walter Schels. Er bezieht sich auf Aufnahmen, die Schels in einem Hospiz gemacht hat.

Der Besucher kann in der Galerie Abtart die Probe aufs Exempel machen. Da hängen zum Beispiel die Bilder des sechsjährigen Jannick. Eines zeigt ihn vor seinem Tod, eines danach. Der Gesichtsausdruck auf dem zweiten Bild verströmt etwas Lebendiges und eine Aura. Etwas, das den Eindruck erweckt, da ist noch etwas da. Der Schmerz des sterbenden Kindes, die Anmut des toten Kindes – es schnürt einem den Kehlkopf zu. Es lässt einen, wie Wall auf dem Podium mit Schels und dem Kurator Klaus Honnef bemerkt, an die eigenen oder nahestehende Kinder denken. Wie ist es dem Star-Fotografen gelungen, den Tod derartig ikonisch festzuhalten und das Kind in aller Würde darzustellen, ohne auch nur den Hauch einer voyeuristischen Sicht zu transportieren?

Schels bildet Charaktere ab

Wall hat im Gespräch mit dem Fotografen und seinem Kurator Honnef dieses und anders zu ergründen versucht, um sich dem Rätsel Walter Schels anzunähern. Da ist ein Mann, der 1936 in der bayerischen Provinz geboren wird, zunächst als Schaufensterdekorateur arbeitet und dann von 1966 an in New York als Fotograf reüssiert. Er porträtiert die Großen – Andy Warhol, Joseph Beuys, Angela Merkel – unter den Menschen, aber auch in der Tierwelt. Bekannt ist zum Beispiel sein Foto von einem Bären auf dem Sofa. Er wirkt, als fehle ihm nur noch die Pfeife zum Glück. Kurator Klaus Honnef findet die richtigen Worte, als er bemerkt, dass er Tierporträts nicht ausstehen könne, von denen, die Schels geschossen hat, aber beeindruckt sei. „Es scheint so, als hätten die Tiere Charakter“, sagt er. Schels verrät, dass er bis heute die analoge Fotografie bevorzugt. Er beschreibt auch, wie er die Emotionen erzeugt, die er abbildet. „Wenn jemand ernst schauen soll, bleibe ich ernst, wenn jemand lachen soll, lache ich ihn an“, sagt er. Offenbar funktioniert das auch mit Tieren so. Schels meint dazu, dass er eben mit Tieren aufgewachsen sei.

Die Fotos, die er vor einigen Jahren im Hospiz gemacht habe, hätten ihn übrigens Überwindung gekostet, da seine Kindheit keineswegs idyllisch gewesen sei. Schels schildert, dass er im Krieg Furchtbares gesehen habe. Es scheint fast so, als hätte sich damals ein Verständnis für alles Lebendige in ihm eingebrannt, das ihn mit der Linse tief in Seelen blicken lässt. Das Rätsel Walter Schels, es fasziniert.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: