Der Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann hat sich schon Rechtsbeistand gegen die Pläne der AVL geholt. Foto: /Simon Granville

Der Widerstand gegen ein Erddeponie in Hemmingen oder Großbottwar ist groß. Die kreiseigene Abfallverwertungsgesellschaft AVL hofft, an zwei Informationsabenden zu punkten.

Noch sei keine Entscheidung bei der Suche nach einem neuen Standort für eine Erddeponie gefallen. Das bekräftigte Tilman Hepperle, Geschäftsführer der Abfallverwertungsgesellschaft Ludwigsburg (AVL), im Gespräch mit der Presse am Montag. Der kreiseigenen GmbH bläst reichlich Gegenwind ins Gesicht, seitdem sie vor wenigen Wochen die beiden potenziellen Standorte auf Hemminger und Großbottwarer Markung bekannt gegeben hat.

 

Hepperle ist sich dessen bewusst, dass niemand eine Deponie vor der Haustür haben will, auf die täglich 740 Tonnen Bauschutt und anderer mineralischer Abfall angeliefert wird. Allein diese Menge,die sich im Laufe des Jahres auf über 200 000 Tonnen summiert und etwa 70 Lastwagenfahrten pro Tag bedeuten, beschert einer Kommune sicherlich eine höhere Belastung. Ob dies die Lebensqualität von Bewohnern tatsächlich dramatisch einschränkt und zu Schäden in der Natur führt, darüber wollen die Macher des Abfallverwerters in dieser Woche mit den Bürgern vor Ort sprechen. Ein Informationsabend fand am Montag in Hemmingen statt. Der andere in Großbottwar ist für diesen Mittwoch terminiert.

Im Vorfeld wolle die AVL Emotionen abbauen, die sich zum Teil durch kursierende Gerüchte gebildet hätten, teilte der AVL-Sprecher Markus Klohr am Montag mit. „Auf der geplanten Deponie sollen keine giftigen oder stark belasteten Substanzen abgelagert werden.“ Es werde auch kein Asbest-Müll aus Norditalien oder anderswo angeliefert. „Das war früher einmal so, aber seit etwa zehn Jahren kann davon keine Rede mehr sein.“ Die AVL meine es ernst, wenn sie von einem Zukunftsstandort spreche. So trage eine Kommune zum Klimaschutz bei, wenn sie im Landkreis kurze Anlieferwege ermögliche. Andernfalls drohten weite Fahrten, sobald die Deponie in Schwieberdingen schließe. Negatives Vorbild ist laut Klohr die Biovergärungsanlage im pfälzischen Germersheim. Dorthin karrt die AVL ihren Biomüll – die dort gewonnene Energie bleibe im Ort.

Der Landkreis nimmt auch Bauschutt aus der Region Stuttgart auf

Kritiker monieren, dass neben dem Bauschutt aus dem Landkreis Ludwigsburg auch mineralische Abfälle aus der gesamten Region Stuttgart angeliefert werden. Der AVL-Sprecher Klohr beziffert deren Menge auf rund 500 Tonnen täglich. Der Rahmenvertrag mit dem Verband Region Stuttgart laufe in 2024 aus. Andere Landkreise der Region hätten sich zurückgelehnt, deshalb solle der Landkreis Ludwigsburg diese Last nicht noch einmal übernehmen müssen, lautet die Kritik von AVL-Aufsichtsräten. Widerstand regt sich auch, weil das Bottwartal landschaftlich reizvoll ist und der Standort bei Hemmingen verkehrstechnisch Probleme mit sich bringt.

Standort in Mundelsheim scheidet wegen Grundwasserproblemen aus

Tatsächlich aber bietet keiner der zehn Standorte auf der Liste der AVL gänzlich geeignete Bedingungen, räumt Klohr ein. Bei den Info-Abenden würden auch die anderen möglichen Deponieareale gezeigt: Fünf von ihnen lägen in Vaihingen/Enz, davon zwei in Aurich, zwei in Horrheim und einer in Enzweihingen, sowie einer im Sachsenheimer Teilort Hohenhaslach und je einer in Steinheim und Mundelsheim. „Letzterer schied aber wegen Grundwasserproblemen aus.“ Auch wenn Hemmingen und Großbottwar als bessere Standorte gelten, kämen andere bei einer näheren Prüfung noch in Frage.

Für den Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann seht außer Frage, dass die Hochebene in dem sensiblen Gebiet mit Wildkatzenkorridor und Neubaugebiet nicht geht, erst recht nicht in der Größe. „Die 45  Hektar sind um ein Drittel größer als der Ort Winzerhausen.“ Man lasse sich auch nicht von Hemmingen auseinanderdividieren. „Beide Standorte sind daneben – wir würden vor das Verwaltungsgericht ziehen.“

Der Protest war am Montagabend in der Hemminger Gemeinschaftshalle zu spüren. „Nicht noch mehr Lärm, Frischluft muss bleiben!“ war auf einem Transparent zu lesen. Es ging emotional und unmissverständlich zu. Weit mehr als 400 Bürger vor allem aus Hemmingen, Eberdingen und Ditzingen waren gekommen, um den Ausführungen unter anderem der AVL zum Teil unter lauten Buhrufen zu folgen und im Beisein der beiden Bürgermeister Fragen zu stellen.

Die schwierige Suche nach einem Deponie-Standort

Was ist geplant?
 Auf dem neuen Standort soll eine Erddeponie für die Deponieklassen 0 und I errichtet werden. Bei diesen Deponieklassen handelt es sich nach Angaben der Abfallverwertungsgesellschaft des Landkreises Ludwigsburg um quasi unbelastete Abfälle sowie um gering belastete Abfälle wie Boden, Bauschutt oder asbesthaltige Abfälle.

Warum wird geplant?
 Die Deponie Froschgraben war 1999 die erste Mineralstoff-Deponie im Land. Sie soll in rund zehn Jahren geschlossen werden. Dafür sucht die AVL ein neues Gelände und will auf Basis der Auswahlkriterien nun zwei Standorte näher untersuchen: in Hemmingen und Großbottwar.

Wie viel wird geplant?
 Genaue Zahlen gibt es bisher nicht. Im Visier der Planer ist eine 23 Hektar große Fläche in Richtung Heimerdingen und Eberdingen sowie eine 45 Hektar große Fläche in Großbottwar an der Grenze zu Oberstenfeld.