Erzählt gern, worauf er Lust hat: Markus Barth Foto: Veranstalter

Der preisgekrönte „Ladykracher“-Autor Markus Barth kommt in die Rosenau. In dem Non-Stop-Stand-Up-Format wird er auch politisch – wenn’s unbedingt sein muss.

Stuttgart - – Markus Barth spielt in der Rosenau Non Stop Stand Up. Das Format kommt aus der US-Comedy. Dass diese besser als deutschsprachige Comedy sei, hält er für einen verbreiteten Irrtum.

Herr Barth, bei Twitter äußern Sie sich häufig politisch – auf der Bühne auch? Haben Sie das Gefühl, dass Comedy politisch etwas bewegen kann?

Ich äußere mich immer dann politisch, wenn mir etwas unter den Nägeln brennt und wenn mich das Thema interessiert. Auch auf der Bühne. Insgeheim bilde ich mir ein, dass man mit Comedy sogar mehr bewegen kann als zum Beispiel mit Kabarett. Im Kabarett sitzen ja meistens schon die Zuschauer mit der passenden Gesinnung. In der Comedy überrascht man die Leute eher damit, wenn man plötzlich politisch wird. Ob das dann wirklich zu einer Denk- und Verhaltensänderung führt, weiß ich nicht, aber einen Versuch ist es auf jeden Fall wert!

Was ist derzeit lustiger: Politik oder Comedy?

Also, absurder ist auf jeden Fall die Politik. Wenn man jemandem vor zwanzig Jahren eine Zeitung von heute gegeben hätte, hätte derjenige wahrscheinlich gesagt: „Wer hat sich denn den hanebüchenen Unsinn ausgedacht?“ Aber lustiger? Meine Lachattacken bei Bundestagsreden der AfD halten sich jedenfalls in sehr engen Grenzen.

Gibt es eigentlich auch noch erfreuliche politische Entwicklungen?

Spontan würde ich sagen, dass Macron gegen Le Pen gewonnen hat, war eine erfreuliche Entwicklung. Das ist aber auch schon wieder ein bisschen her...

Das Publikum am Schlafittchen packen

In der Rosenau treten Sie im von der US-amerikanischen Comedy-Szene inspirierten Format Non Stop Stand Up auf – interessieren Sie sich für die Kollegen jenseits des Atlantiks? Nicht wenige sind ja der Ansicht, US-Comedy sei um Längen besser als deutschsprachige.

Das ist ein beliebter Irrtum. Richtig ist: Die US-Comedy, die es über den großen Teich und bis in unser Bewusstsein schafft, ist meistens sehr, sehr gut. Wenn man aber in Amerika (oder auch in Großbritannien) mal in einen ganz normalen Comedy-Club geht, wird man sehr schnell merken: Da ist auch ganz schön viel Rotz dabei. Umgekehrt kann ich jedem nur empfehlen, mal in einen deutschen Comedy-Club zu gehen, dessen Mitwirkende man vielleicht noch nicht tausendmal bei RTL gesehen hat. Da wird man sehr viele, sehr schöne Überraschungen erleben!

Spielen Sie Ihre Show lieber mit oder ohne Pause?

Da mein Solo normalerweise zwei Stunden dauert, ist ‘ne Pause schon ‘ne feine Sache. Bei Non Stop Stand-Up in der Rosenau spiele ich dagegen ja nur eine Stunde, da macht es auch mal Spaß, die Leute am Schlafittchen zu packen und sechzig Minuten durchzuschleifen, ohne loszulassen!

Bereuen Sie manchmal, nach jahrelanger Autorentätigkeit selbst auf die Bühne gegangen zu sein? Schreiben Sie lieber Witze, oder tragen Sie sie lieber vor?

Bereuen? Oh Gott, nein! Zum einen schreibe ich ja immer mal wieder auch fürs Fernsehen. Dann muss es aber ein Format sein, das mich wirklich kickt. Denn ganz ehrlich: Wenn ich die Wahl habe, für eine TV-Sendung zu schreiben, alles zehnmal zu überarbeiten, zum Schluss noch Änderungen von Regisseuren und Redakteuren einzubauen und dann irgendwann klein im Abspann zu stehen, oder einfach auf die Bühne zu gehen und das zu erzählen, worauf ich Lust habe — da fällt die Entscheidung meistens nicht sooo schwer!

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