Der Untertürkheimer Bahnhof ist keine Visitenkarte für den Stadtbezirk. Die Stadt will ihn erwerben. Foto: Mathias Kuhn/Mathias Kuhn

Seit Jahren hoffen Handelstreibende und Bürger in Untertürkheim auf eine Aufwertung des Ortskerns. Jetzt gibt es einen ersten Impuls: Die Stadt will den Bahnhof erwerben.

Mit dem Masterplan Untertürkheim hatte der damalige Oberbürgermeister Fritz Kuhn vor sieben Jahren bei den Untertürkheimern die Hoffnung auf einen attraktiveren Ortskern geweckt. Es herrschte Aufbruchstimmung. Die Fußgängerzone sollte verschönert, das Postareal neu geordnet, das Bahnhofsgebäude attraktiver genutzt, ein Verkehrskonzept erarbeitet und der Karl-Benz-Platz als Eingangstor aufgehübscht werden. Geschehen ist aber wenig. Deswegen suchten Vertreter des Industrie-, Handels- und Gewerbevereins (IHGV) das Gespräch mit dem neuen OB Frank Nopper. Er hat einen konkreten Zeitplan. Der Kauf des Bahnhofsgebäudes steht an erster Stelle. Er soll Impulse geben für die weitere Entwicklung. 

 

Bahnhofsgebäude

Das denkmalgeschützte Gebäude dient auch als Durchgang vom Ortskern zu den Bahngleisen, dem Karl-Benz-Platz und zu den Schulen. Die Erdgeschossflächen links und rechts des Durchgangs werden von einem Gastronomiebetrieb und einer Spielothek genutzt. Vor allem der Spielsalon ruft bei Bezirksbeiräten und Eltern Proteste hervor. Der einstige Prachtbau, in dem lange Zeit der Modelleisenbahnclub Stuttgart seine Heimat gehabt hat, ist keine Visitenkarte als Eingangstor in die Ortsmitte. „Vor 20 Jahren waren viele Städte der Meinung, dass Bahnhöfe und andere Bundesimmobilien den Kommunen nur als Klotz am Bein hängen würden. Sie verzichteten auf den Kauf. Dabei ist das Gebäude ein historisch bedeutsamer Bahnhof. Ein Jammer, dass er in diesem Zustand ist“, sagt Nopper.

Deswegen will die Stadt das Gebäude erwerben. „Der Kauf des Bahnhofs durch die Stadt ist der Schlüssel zum Erfolg in diesem Umfeld. Wir müssen dort ansprechende Nutzungen schaffen. Vor allem sollten wir den Telekommunikationsknoten unterbringen“, sagt Nopper. Er hoffe auf eine schnelle Einigung. Vorschläge für die Nutzung reichen von einem Treff für Jugendliche über Ausstellungsräume für den Bürgerverein. 

Postgebäude

Das Postamt hat im Juli geschlossen. Der Cap-Markt hat einige Postdienste übernommen. Die Flächen im Erdgeschoss des Postgebäudes sind verwaist. Aldi hat das Gebäude vor Jahren gekauft, mit dem Ziel dort eine Filiale zu eröffnen. Die Deutsche Telekom nutzt seit Jahrzehnten das Obergeschoss. Dort hat sie die für ihr Telekommunikationsnetz notwendigen Technologien aufgebaut. Das Unternehmen hat einen Mietvertrag bis zum Jahr 2030. Vorgeschlagene Alternativstandorte wurden aus logistischen Gründen abgelehnt. Das Problem: Bevor der Knotenpunkt nicht verlegt wird, kann mit dem Abriss des Gebäudes und der geplanten Neustrukturierung nicht begonnen werden.

„Nach dem Erwerb des Bahnhofs wollen wir versuchen, den Telekom-Knoten unterzubringen, um die Chance zu haben, das Postgebäude abzureißen und das Areal neu zu entwickeln“, sagt Nopper. Vor drei Jahren wurde ein städtebaulicher Wettbewerb ausgeschrieben. Ein Rotenberger Architekturbüro überzeugte mit Plänen zunächst die Juroren, Bezirksbeiräte und Bürger. In den Neubauten sollen eine Aldi-Filiale und Fachgeschäfte untergebracht werden. Auch Arztpraxen, eine Kita, die AOK, eine Pflegeeinrichtung, die Musikschule und Stadthäuser sind vorgesehen. Der Bereich zwischen dem Postvorplatz und dem Leonhard-Schmidt-Platz würde aufgewertet.  

Leonhard-Schmidt-Platz Der zentrale Platz ist in den Augen der Bezirksbeiräte ein Schandfleck. Der Storchenbrunnen ist oftmals verdreckt. Bei Ortsfesten kann er nur bedingt genutzt werden.

Der IHGV wünscht sich eine baldige Umgestaltung des Platzes. Davon rät die Stadtverwaltung ab. Erst wenn das Postareal neu geordnet ist, könnte sie als dritten Schritt den Leonhard-Schmidt-Platz umgestalten, gibt Nopper den Fahrplan vor. „Davor sollten wir aber die Stadtmöblierung verbessern. Es sollen vier Bänke, Mülleimer und Fahrradständer im ersten Halbjahr 2023 aufgestellt werden. Weitere Miniprojekte wie Pflanztröge, Wegweiser zu den Weinbergen in Form von Pflastersteinen sollen bis Ende 2023 erfolgt sein.“ 

Karl-Benz-Platz

Der vormals verkehrsumtoste Bereich zwischen dem Bahnhof und dem Lindenschulviertel wurde vor 30 Jahren zu einem verkehrsbefreiten Platz umgestaltet. Er war auch als Fest- und Aufenthaltsplatz gedacht, wird aber kaum angenommen. Die Kanalbauarbeiten der vergangenen Monate sind beendet. Das Tiefbauamt hat seine Logistikfläche geräumt. Jetzt liegt der Platz fast schmucklos da. Vorübergehend wurde eine Pumptrack-Strecke, ein Fahrradpark, aufgestellt. Dabei gab es mehrere Wettbewerbe mit guten Plänen zur Umgestaltung. Die baldige Umsetzung scheitert daran, dass der Platz Teil der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2027 ist. So wurde die geplante Nachpflanzung von Bäumen zurückgestellt.

Mittelfristig soll der Platz im Zuge der IBA umgestaltet werden – so die Antwort des Stadtplanungsamts. Es gibt dazu konkrete Zeitpläne. Es läuft momentan ein Wettbewerb zur Gestaltung des Platzes. Das Preisgericht wird am 23. November tagen. „Das Ergebnis wird wichtige Impulse setzen. Wir warten aber nicht fünf Jahre“, sagt Nopper. Vorab würden temporäre Begrünungsmaßnahmen durchgeführt. Das Gartenbauamt erarbeitet ein Konzept, das die provisorische Gestaltung mit Bäumen in Kübeln vorsieht. Die Baumkübel sollen 2023 aufgestellt werden. Noch im Herbst werden Wiesensaat und Schmuckbeet mit Rosen sowie im kommendes Frühjahr Stauden angelegt.